Magdeburg l Seit 1. Juni dürfen die WUM-Wasserballer zumindest wieder ins Wasser, haben an vier Abenden Beckenzeiten in der Schwimmhalle Nord erhalten. Ihre eigentliche Heimstätte, die Schwimmhalle Große Diesdorfer Straße, ist aktuell wegen Wartungsarbeiten noch geschlossen. Derzeit ist das 50-Meter-Becken leer, das Wasser wurde abgelassen, zudem Kacheln von der Beckenwand entfernt. „Wir haben die Sommerschließzeit vorgezogen, um notwendige Reparaturarbeiten durchführen zu können”, erklärt Kerstin Richter, Leiterin des Fachbereichs Schule und Sport der Landeshauptstadt, auf Volksstimme-Nachfrage.

Und macht den WUM-Männern zugleich Mut. „Wir hoffen, dass die Arbeiten in gut drei Wochen abgeschlossen sind. In der neuen Saison kann die WUM dann wieder in ihrer angestammten Halle trainieren und spielen“, sagt Richter. Wann die neue Zweitliga-Saison nach dem coronabedingten Zwangsabbruch Mitte März aber beginnt, steht derzeit in den Sternen. Die vorzeitig beendete 2. Liga Ost 2019/20 schlossen die Elbestädter als Vierter ab, profitierten dabei von der Quotientenregelung.

Zweikämpfe sind noch tabu

Gegenwärtig sind die WUM-Männer nur zum Schwimmen im Wasser. Die noch geltenden Kontakteinschränkungen verbieten Zweikämpfe. Zudem darf in der Schwimmhalle Nord wie auch in Neu-Olvenstedt aufgrund der baulichen Gegebenheiten kein Ballsport betrieben werden. „Da können ja schnell die großen Glasflächen zu Bruch gehen“, verweist Kerstin Richter auf die bestehenden Risiken. So ziehen die WUM-Akteure derzeit in kleinen Trainingsgruppen im 25-Meter-Becken einsam ihre Bahnen.

Bilder

„Wir sind natürlich froh, überhaupt Wasserzeiten von der Stadt bekommen zu haben, aber eine Dauerlösung kann das nicht sein”, hofft WUM-Vorstandsmitglied Klaus-Peter Knobloch auf eine baldige Beendigung des Kontaktverbots und die Rückkehr in die „Dynamohalle”. Dann könnten auch wieder der Schwimmunterricht und das Kindertraining in gewohnter Weise stattfinden.

Schulle: "Drum und Dran passt nicht mehr"

„Das alles gibt es seit Monaten nicht, fehlt uns sehr. Dennoch haben wir kaum Kündigungen bei unseren jüngsten Mitgliedern zu verzeichnen und auch die Sponsoren halten zur Stange“, ist Knobloch froh.

Nachdem bereits im Winter das Trainerduo Pavle Japaridze/Milan Mijokovic in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die WUM verließ, scheint sich der Verein aktuell auch nach einem neuen Vereinsvorsitzenden umschauen zu müssen. Silvio Schulle, seit 2014 in der Funktion, erklärte jetzt, seit Monatsbeginn nicht mehr zur Verfügung zu stehen. „Ich bin zum 31. Mai zurückgetreten. Da ist einiges in mir hochgekocht die vergangenen Jahre. Das ganze Drum und Dran passt mir nicht mehr. Zudem war ich fast ein Dreivierteljahr krankgeschrieben und meine Firma wäre beinahe krachen gegangen. Das will ich mir nicht mehr antun“, so der Ottersleber Bauunternehmer Schulle.

Mitgliederversammlung folgt

Dass der im Vorjahr verpasste Aufstieg und die verstärkte Ausrichtung auf den eigenen Nachwuchs mit ausschlaggebend für den Rücktritt sind, kann nur spekuliert werden. Das Theater um die früheren Trainer Japaridze und Mijokovic sei jedenfalls kein Grund gewesen, erklärte Schulle.

„Ich halte von solchen launischen Aktionen nichts”, war die erste Reaktion von Vorstandskollege Klaus-Peter Knobloch, zugleich Pressesprecher des Vereins. Mit einer Nacht Abstand stellte Knobloch klar: „Coronabedingt konnten wir noch keine Mitgliederversammlung durchführen. Das wird jetzt bald geschehen. Und da werden wir dann in aller Ruhe die aktuellen Fragen bereden.”

Spielertrainer-Trio macht weiter

Ungeachtet der aktuellen Turbulenzen werden Lukas Schulle, Kapitän und mit 44 Treffern erfolgreichster Torjäger der Mannschaft, wie auch die anderen Korsettstangen Detlef Klotzsch, Marco Schoder, Marco Böer, Tom Hagendorf, Moritz Lehnert und Willi Block, dazu die zahlreichen U-20-Talente weiterhin für die WUM ins Wasser steigen. Auch das Spielertrainer-Trio Klotzsch/Hagendorf/Schulle soll weiterarbeiten.

Einzig Frederic Wolfgram steht momentan auf der Kippe, muss vielleicht berufsbedingt künftig etwas kürzertreten. Dafür trainieren gegenwärtig einige junge frühere SCM-Schwimmer bei der WUM mit, die hoffen, demnächst neben dem „Kachelzählen“ auch den Ball in der Hand halten zu können.