Magdeburg l Lukas Schulle weiß auch nicht, was ihn erwartet. Es gibt ja keine Videos über die Spiele des SC Wedding, es gibt keine Erfahrungsberichte von anderen Akteuren, die schon gegen die Berliner gespielt haben. Es gibt nur Fakten: Wedding, der Bundesliga-Absteiger, tritt heute um 18 Uhr im Dynamo-Bad an der Großen Diesdorfer zum Spitzenspiel der 2. Bundesliga Ost bei der Wasserball Union Magdeburg an, beim Titelverteidiger. Und zumindest eines weiß WUM-Kapitän Schulle jetzt schon: „Wir wollen und wir werden gewinnen.“

Das ist eine ziemlich mutige Prognose, blickt man mal auf das vergangene Wochenende zurück, als die WUM erst einen 9:6-Sieg in Halle errang und dann eine knappe 11:12-Niederlage in Leipzig quittierte. Aber die Ergebnisse waren letztlich auch der personellen Situation geschuldet. „Das war eben so ein Wochenende, an dem alles zusammenkam“, erklärt Schulle mit Blick auf den zuletzt krankheitsbedingt stark dezimierten Kader. Nur ein Beispiel: Marc Böer spielte im Feld. Aber Marc Böer hat im Feld eigentlich nichts zu suchen. Marc Böer ist nämlich Torwart.

Keine Absagen

Die gute Nachricht: Personelle Hiobsbotschaften sind in dieser Woche ausgeblieben. Wenngleich „angeschlagene Spieler nicht trainiert haben“, erklärt Schulle: „Aber wir haben für die Partie gegen Wedding keine Absage. Ich hoffe, das bleibt auch so.“

Wenn die WUM also aus dem Vollen schöpfen kann, schöpft sie auch aus den Qualitäten zum Beispiel von Center Wilhelm Block, 22 Jahre, „der gerade einen richtig guten Lauf“ und bereits neun Treffer erzielt hat, so Schulle. Oder aus der Qualität der Defensive, die zumindest in der Positionsabwehr „sehr gut steht“. Alle gemeinsam, auch mit vollem Kader, müssen das Unterzahl- und das Umschalt-spiel noch verbessern, in beiden liegen nämlich die Defizite der WUM, berichtet der 22-Jährige.

Kein typischer Weg

Trotz seines jungen Alters hat Schulle schon einiges erlebt im Wasserball. Immerhin hatte er bereits mit 16 Jahren seinen ersten Einsatz bei den Männern. Dabei ist er nicht den eigentlich typischen Weg eines Wasserballers gegangen, er war also kein Leistungsschwimmer, dessen Leistungen für den großen Sprung nicht gereicht hat. Er hat irgendwann mal als Kind beim WUM-Training zugeguckt und war sogleich Feuer und Flamme für den Ballsport im lauwarmen Nass. Jetzt ist er eben Leistungsträger der WUM. Und auch beruflich hat er sich für die Arbeit am Becken entschieden – als Bademeister.

Und was wünscht sich der Kapitän von seinem Team? „Mal einen richtig klaren Sieg“, sagt Schulle. „Wir passen uns den Gegnern manchmal zu sehr an, gegen die Schlechten sind wir schlecht, gegen die G uten sind wir gut. Und dann enden diese Spiele mit einem knappen Ergebnis.“

Live im Internet

Zu einem klaren Erfolg möchte Schulle auch beitragen: nicht zuletzt mit seinen Toren. Zwei Serien in Folge war er bester Werfer der WUM – und zweitbester der Liga. In der vergangenen Saison mit 54 Toren, in dieser traf er bislang siebenmal. „Das ist für mich ein zusätzlicher Ansporn, am Ende der beste Schütze zu sein“, betont Schulle. Der Rechtshänder krault dabei zumeist über die linke Seite auf das gegnerische Gehäuse zu. Aber grundsätzlich ist er der Allrounder im Team.

Gegen Wedding werden nun alle Fähigkeiten von allen abverlangt, wenn der Dritte den Zweiten empfängt. Das Topspiel ist dem Internetportal „sportdeutschland.tv“ sogar eine Liveübertragung wert. Zum ersten Mal in der WUM-Geschichte widerfährt einem Team dieses Glück. Und Lukas Schulle kann sich heute Abend sicher damit anfreunden, wenn Wedding eine gute Mannschaft ist, gegen die wiederum seine Mannschaft auch gut spielt. Wenn nur der Sieg im Dynamo-Bad bleibt.