Oschersleben l Die Volksstimme sprach mit Thomas Klare, der den sportlichen Teil des NFZ verantwortet.

Volksstimme: Herr Klare, Sie wollen die Nachwuchsarbeit beim OSC nach vorne bringen. Bitte stellen sie Ihr Konzept kurz vor.

Klare: Das Konzept hier zu erläutern würde den Rahmen sprengen. Wir haben uns auf Leitlinien geeinigt, um Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen die Voraussetzung da ist, an frühere sportliche Erfolge anzuknüpfen. Dazu zählt die Lizenzierung aller Nachwuchstrainer. Aktuell findet in Oschersleben, wegen Corona derzeitig unterbrochen, ein Lehrgang für die erste Lizenzstufe statt. An diesem Lehrgang nehmen sieben Trainer unserer Nachwuchsabteilung teil. Mit der Qualifizierungsoffensive hoffen wir, mehr Qualität ins Training zu bringen und daraus resultierend gut ausgebildete Nachwuchskicker zu bekommen. Eine weitere Rahmenbedingung ist die Stärkung der Identität. Dazu zählen zum Beispiel eine einheitliche Grundausstattung, wie Trikots, Anzüge, Jacken, Taschen etc. wie auch gemeinsame Aktivitäten. Auch ein eigenes Zuhause gehört zur Identität. Hier sind wir auf einem guten Weg, einen Anlaufpunkt für Spieler, Trainer und Eltern zu schaffen. An einem Ort, an dem man sich wohl fühlt, da hält man sich gerne auf und hat idealerweise auch die nötige Motivation, sich als Trainer und Spieler weiterzuentwickeln. Außerdem wollen und müssen wir als Ansprechpartner greifbar sein. Um den eigenen Anspruch auch stets vor Augen zu haben, läuft der Nachwuchsbereich künftig unter dem Namen „Nachwuchsförderzentrum des Oscherslebener SC, kurz NFZ. Wir haben dazu aber auch einen gesellschaftlichen Auftrag.

Wann kam Ihnen der Gedanke, etwas ändern zu müssen ?

Ich bin mit ein, zwei kurzen Unterbrechungen schon lange für diesen Verein aktiv. Bis vor einem halben Jahr war ich vier Jahre für unsere erste Herrenmannschaft verantwortlich.

Aktuell bin ich Trainer der F-Jugend, da mein Sohn dort spielt. In diesen Funktionen und während der ganzen Jahre konnte ich mir schon einen guten Überblick verschaffen. Als ich im Frühjahr 2019 mit verschiedenen potenziellen Neuzugängen gesprochen habe, fiel mir auf, dass es offensichtlich nur noch ums Geld geht. Aus Vereinssicht ist diese Entwicklung natürlich fatal. Ich konnte nahezu keinen Spieler davon überzeugen, zum OSC zu wechseln, ohne irgendwelche finanziellen Aufwendungen in die Hand zu nehmen. Wir mussten also mit dem Kader, den wir hatten, in die Saison starten. Im Jahr darauf lief es genauso ab.

Die Entwicklungs- und Leistungskurve geht nach unten statt nach oben. So hart wie das klingt, aber es war vorhersehbar und keiner hat etwas dagegen getan. Das letzte Mal war es 2017, als wir fünf Spieler erfolgreich in die Erste integrieren konnten. Ohne diese fünf Jungs würde es mit ziemlicher Sicherheit aktuell keinen Fußball auf Landesebene in Oschersleben geben. Man sieht an diesem Beispiel also, wie wichtig eine Nachwuchsabteilung für einen Verein sein kann. Weitere Beispiele haben wir quasi vor der Haustür. Der Haldensleber SC betreibt eine herausragende Nachwuchsarbeit und bringt jedes Jahr einige Talente in seinen Herrenteams unter. Auch Fortuna Magdeburg, deren A-Jugend aktuell in der Regionalliga spielt, tritt mit vielen hoffnungsvollen Nachwuchskickern in der Herren-Verbandsliga an. Da werden uns Wege aufgezeigt, wie man nachhaltig Fußball im Herrenbereich auf Landesebene etabliert und das muss unser Anspruch und auch Ziel sein.

Mit welchem Personal gehen Sie diese Aufgabe an ?

Da ist zum Einen Daniel Domeier. Daniel ist Unternehmer in Oschersleben und sein Sohn spielt bei mir in der F-Jugend. Zu ihm bin ich als erstes mit meinem Konzept gegangen. Er hat das Netzwerk, um ein solches Vorhaben umzusetzen. Daniel unterstützt uns also mit vielem unternehmerischen Know How und stellt Kontakte zu potenziellen Sponsoren her. Zudem hat er auch einen Draht zu einem Bundesligisten aus der Nähe, bei dem man sich viele Dinge, sicherlich im kleineren Rahmen, abschauen kann. Zum Anderen ist Hans Martin Schneegans dabei. Er ist, ebenso wie ich, lange in diesem Verein aktiv und hat sämtliche Positionen bekleidet.

Er war vor ein paar Jahren schon Nachwuchsleiter und wir freuen uns, dass wir ihn wieder für diese Aufgabe gewinnen konnten. Er kennt sich mit den vorhandenen Strukturen bestens aus. Was die Organisation betrifft ist er die ideale Besetzung. Für den sportlichen Bereich bin ich zuständig. Die letzten Monate haben gezeigt, dass uns diese Aufgabe viel abfordert aber auch viel Spaß bereitet. Wir ergänzen uns gut und konnten für unser Vorhaben schon Einiges auf den Weg bringen. Natürlich muss ich hier noch die Trainer erwähnen, die, nicht zuletzt wegen ihres derzeitigen Lehrgangs, viel Motivation für die anstehenden Aufgaben haben und schon mit den Hufen scharren, um endlich richtig loszulegen.

Was sind ihre mittelfristigen Ziele ?

Es gab Zeiten, da hat der OSC mit nahezu jeder Nachwuchsmannschaft auf Landesebene gespielt und war im Kreis für seine gute Nachwuchsarbeit bekannt. Das ist der klare Auftrag für unsere Nachwuchstrainer und auch für uns persönlich das mindeste Ziel. Wenn uns das gelingt, ist die Chance größer, mittelfristig qualitativ gute Fußballer in den Herrenbereich zu übergeben, denn man wächst mit seinen Aufgaben. Weiterhin wollen wir quantitativ wachsen, das heißt wir wollen die Mitgliederzahl erhöhen. Das setzt natürlich voraus, dass wir uns im Trainerteam breiter aufstellen und auch dort qualitativ voran kommen. Außerdem haben wir Nachholbedarf in der Außendarstellung. Wir wollen dahin kommen, dass jeder in der Region Oschersleben merkt: beim OSC passiert etwas. Wie aber schon erwähnt wird uns das nicht von heute auf morgen gelingen. Es ist ein Prozess, der Zeit braucht und bei dem wir sicher auch mit kleinen Rückschlägen rechnen müssen. Wir werden Geduld brauchen.