Wulferstedt l Wer Wulferstedts Fußball jahrzehntelang begleitet, für den sind die aktuellen Symptome zumindest nachdenkenswert. Nicht dieses eine Spiel, doch die Tendenz verlangt Klärungsbedarf. In Halberstadt wiederholten sich die Abläufe der letzten Woche, nur mit dem Unterschied des jetzt glücklichen 4:3-Sieges. Mit einer sicheren Führung bricht die Mannschaft in sich zusammen. Unruhe von außen überträgt sich auf die Mannschaft, die dadurch verunsichert ist und unter Wert agiert. Verwundert äußerte sich VfB-Trainer Hannes Deicke, ehemals Osterwieck, nach Abpfiff: „Es hat uns erstaunt, wie Wulferstedt mit sicherer Spielkontrolle bei stabiler 3:1-Führung noch zu so einem Hühnerhaufen wird.“

Bei Halberstadts Reserve sollte Stürmer Daniel Holtzheuer den fehlenden Torhüter ersetzen, Routinier Enrico Gerlach spielte Mittelstürmer. Deicke: „Gerle sollte versuchen, vorne was zu machen. Wir hatten keine Alternative.“ Im Spiel hatte dann klar Wulferstedt die Oberhand. Der VfB II schob seine Kette zu weit vor, stand dadurch sehr hoch. Wulferstedt kam mit guten weiten Pässen mehrfach hinter die Kette und hatte immer wieder freien Zug. Der Ball wurde aber zu schnell oder versprang auf dem ungewohnten Kunstrasen. Nach schönem Spielzug wurde für Jahn durchgelassen, dessen Schuss Holtzheuer mit Fußabwehr hielt (9.). Nach starker Vorarbeit von Schütze und Elle rollte der Ball flach zum langen Pfosten, wo Christian Reimann aus drei Metern drüber schoss. Der Torwart lag schon im Netz, der Ball folgte nicht (16.). Christian Schütze trat dann neben dem Strafraum zum Freistoß an. Sein Kunstschuss über die Mauer, in die kurze Ecke herabfallend, entlockte Holtzheuer keinerlei Reaktion. Ein schönes und längst verdientes 1:0 (26.).

Wulferstedt ist Spielgestalter

Danach war Wulferstedt zu sehr Spielgestalter, ahnte keine Gefahr. Mit dem ersten gefährlichen Pass war Leon Pust durch und markierte den Ausgleich (38.). Elle scheiterte danach am gut reagierenden Holtzheuer (40.). Leon Thiepold wischte einen sich ins Tor senkenden Kopfball von Wiekert in Rücklage aus der Luft (43.).

Das Pausen-1:1 war schmeichelhaft für Halberstadt. Daran wollte Christian Schütze, auffälligster Germane auf dem Platz mit einem Tor und zwei Assists, schnell etwas ändern. Sein Freistoß in den Strafraum war in der Flugbahn nicht zu verteidigen. Martin Ilsmann drückte den Ball entschlossen zum 2:1 hinein (49.). Der nächste Angriff brachte das 3:1. Ilsmann legte Christian Reimann den Ball in den Lauf. Dessen erster Schuss prallte vom Pfosten zurück, den zweiten Ball schob er mühelos ein (54.).

Unruhe kommt auf

Anschließend kam zunehmend Unruhe auf. Viel wurde kommentiert: untereinander, mit dem Schiedsrichter, mit der Trainerbank. Durch einen Flachschuss ins Tor neben den Pfosten kam Halberstadt mit dem 2:3 zurück (62.). Der Zugriff schwand immer mehr. Hektik hatte Hochkonjunktur. Halberstadt drückte auf den Ausgleich, schöpfte alle Mittel aus.

In der 80. Minute suchte ein VfB-Spieler den Kontakt im Strafraum und fiel. Es gab Strafstoß, der sicher zum 3:3 verwandelt wurde (81.). Den Auftrieb hielt der Gastgeber bei. Mit viel Mühe wurde durch Jahn und Thiepold knapp vor der Torlinie der nächste Treffer verhindert (84.). Schütze brach noch einmal rechts durch, ging entschlossen in den Strafraum, spielte von der Grundlinie flach vor das Tor, wo Jahn den Ball zum 4:3 „reinmüllerte“ (87.).

Antwort folgt von Halberstadt

Und Halberstadt anwortete: Thiepold ließ einen Ball nach vorn prallen. Enrico Gerlach trat an, hatte den Ausgleich eigentlich sicher, schoss aber völlig frei am Tor vorbei (88.). Das war es dann. Richtige Freude kam bei Wulferstedt nicht auf – und das ist nach einem Sieg bedenkenswert.

Tore: 0:1 Schütze (26.) 1:1 Pust (38.), 1:2 Ilsmann (49.), 1:3 Reimann (54.), 2:3, 3:3 k.A. (62., FE, 81.), 3:4 Jahn (87.)