Mieste l Und dieser Pokalsieg war in vielerlei Hinsicht ein besonderer für die Heide-Kicker aus Letzlingen. Schon seit Jahren geben sie dieses Ziel aus, scheiterten mitunter aber immer nur knapp. Zum anderen widmeten die Letzlinger diesen Sieg auch dem kürzlich tötlich verunfallten Klaus Girmann, der in früheren Jahren selbst aktiv beim FSV Heide mitwirkte und zwischen den Pfosten seinen Mann stand. Für ihn gab es vor dem Duell auch eine Schweigeminute.

Aber auch die Salzwedeler waren in den vergangenen Jahren immer knapp am Titel gescheitert. In den letzten drei Finals, die sie seit 2017 spielen durften, waren sie am Ende jeweils unterlegen - bitter.

Das Match an sich begann sehr hektisch und darf durchaus als kampfbetont bezeichnet werden. Man merkte beiden Mannschaften vor einer doch sehr großen Kulisse in Mieste an, dass es um etwas ging. Zusätzlich sorgten aber auch beide Coaches - Helge Kietzke auf der einen und Dirksen Höft auf der anderen Seite - und die Mannschaftsbänke dafür, dass „genug Zunder“ dabei war.

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Spielerisch war zunächst wenig zu sehen. Beide operierten mit langen Bällen und standen erstmal hinten sicher. Mitunter schien es so, als würden sich beide Keeper den Ball durch die Luft zuspielen. Während sich die Salzwedeler zwar um einen konstruktiven Spielaufbau bemüht waren, zerstörten die Letzlinger meist schon an der Mittellinie alles, was auf sie zukommen würde - mit Erfolg.

Die Eintracht-Kicker fanden keine Mittel, um groß gefährlich zu werden. Den ersten Abschluss der Partie hatte dann Salzwedels Niklas Gille nach einer Viertelstunde, allerdings ging das Leder weit über den Kasten von Heide-Schlussmann Andreas Lenz, der extra seinen Urlaub unterbrochen hatte, um am Finale teilnehmen zu können. Auf der anderen Seite verpasste Marc Schlamann einen Freistoß per Kopf für die Letzlinger.

Allerdings kehrte irgendwie keine Ruhe ins Spiel ein. Das war weiterhin geprägt von vielen kleinen Fouls und Spielunterbrechungen. Das Schiri-Gespann hatte also auch alle Hände voll zu tun.

Dennoch versuchte vor allem Phillip Müller auf Seiten der Eintracht etwas Spielkultur reinzubringen. Immer wieder hatte er kluge Ideen, oder aber trat die Eckbälle und Freistöße. Eine Ecke konnte Stefan Schmidt (21.) nicht nutzen.

Dann wurden die Salzwedeler aber kalt erwischt. Nach einem langen Abschlag von Lenz, angelte sich Albrecht Bock auf der rechten Seite das Leder und flankte in die Mitte. Dort musste Stefan Saluck nur noch die Birne hinhalten - 1:0 (26.). Das ärgerte die Salzwedeler natürlich sehr, da die Hintermannschaft in dieser Szene nicht gut aussah und das Tor den Letzlingern voll in die Karten spielte.

In der Folge bekamen die Eintrachtler immer mehr Oberwasser, allerdings scheiterten Stefan Heuer, Phillip Müller und auch erneut Schmidt aussichtsreich. So ging es mit der knappen Letzlinger Führung in die Halbzeitpause.

Die zweiten 45 Minuten sollten es aber noch einmal in sich haben. Salzwedel begann entschlossen, doch erneut wurden sie kalt erwischt. Zunächst foulte SVE-Keeper Röhl Saluck im 16er - Elfmeter (48.). Den Strafstoß von Torsten Kühnast parierte Röhl allerdings glänzend und machte damit seinen Fehler wieder gut.

Kurz danach wurde Heide-Coach Dirksen Höft mit Rot aus der Kabine geschickt. Doch die Letzlinger hatten die Antwort parat - und zwar auf dem Platz. Diesmal machte es Kühnast aus dem Spiel heraus besser, war frei durch und traf zum 2:0 (60.).

In der Folge konnten sich die Letzlinger bei Keeper Andreas Lenz und der schwachen Chancenverwertung der Salzwedeler (Gille, Heuer, Müller und zuvor Stolz) bedanken, dass es beim 2:0 blieb.

Danach kassierte Kühnast aber nach Foul an Seehausen den Gelb-Roten Karton (80.) und musste vorzeitig zum Duschen. Das nutzten die Salzwedeler zur Schlussoffensive. Die läutete Phillip Müller mit dem Anschlusstreffer zum 1:2 (82.) ein. Von da an stand das Match auf des Messers Schneide. Müller hätte selbst wenig später auch zum 2:2 nachlegen können, doch er scheitert an Lenz, der im Nachfassen klären konnte.

Bis zur 90. Minute blieb die Partie äußerst hektisch. Noch dazu ging es mit Zehn gegen Zehn weiter, da der eingewechselte Christoph Stolz (90.+1) ebenfalls Gelb-Rot sah.

In der Nachspielzeit gab es rein fußballerisch nicht mehr viel zu sehen. Während die Letzlinger nur noch versuchten, das Spiel irgendwie über die Zeit zu bringen, rannten die Salzwedeler mit Mann und Maus an. Doch von Erfolg war das Aufbäumen nicht mehr gekrönt. Kurz vor dem Ende hatte Salzwedels Julian Seehausen sogar per Kopf noch die Möglichkeit, die Eintracht in die Verlängerung zu bringen, doch der Ball strich knapp vorbei.

Kurz danach war Schluss und die Letzlinger rissen völlig erschöpft die Arme in die Höhe. Sie hatten ihr großes Ziel erreicht und waren endlich Kreispokalsieger. Auf der anderen Seite waren die Salzwedeler - wie schon im vergangenen Jahr und 2016/2017 - wieder nur zweiter Sieger. Sie werden sicher einen neuen Anlauf 2020/2021 nehmen.