Gardelegen l (tko) Die neuformierte Damen-Fußballmannschaft der SG Pretzier/Gardelegen/Chüden „darf“ in der Saison 2020/2021 in der Verbandsliga antreten. Über diese Entscheidung, Ziele und Empfindungen vor der Saison unterhielt sich Sportredakteur Thomas Koepke mit dem SG-Coach Lars Neumann.

Volksstimme: Herr Neumann, Sie und Ihre Mannschaft wurden nun in die Verbandsliga gesteckt. Damit haben Sie ja das erste Saisonziel erreicht, oder?

Lars Neumann: Wir freuen uns natürlich sehr, dass unserem Antrag stattgegeben wurde, dass wir in der Verbandsliga auflaufen können. Ich glaube, das war auch keine leichte Entscheidung für den Verband, es gab Für und Wider. Normalerweise soll leistungsbezogener Fußball natürlich grundsätzlich über ein Aufstiegsrecht gehen. Die andere Fraktion plädierte dafür, den Frauenspielbetrieb überhaupt aufrecht zu erhalten.

Bilder

Warum wollten Sie unbedingt in die Verbandsliga und nicht in die Landesliga?

Für uns waren es hauptsächlich auch fahrtechnische Gründe. Wenn wir in der Landesliga hätten antreten müssen, wären auf uns bei jedem Auswärtsspiel mindestens zwei Stunden Fahrt für eine Tour zugekommen. Das war für uns nicht akzeptabel. Ich glaube so ähnlich war das damals mit Saxonia Tangermünde auch. Die sind auch vom Kleinfeld direkt in die Verbandsliga eingestuft worden. Zudem meldet man bei den Frauen für den Landesspielbetrieb, nicht für eine spezielle Liga. Von daher kann man sich erstmal was wünschen. Und wir haben uns eben für die Verbandsliga entschieden.

Der FSA hat also mehr oder weniger unkompliziert und zeitgemäß gehandelt?

Ja, der Verband sieht das mittlerweile auch so. Keiner weiß, wo die Reise im Frauenfußball auf Großfeld in Zukunft hingeht. Und da ist der FSA der Meinung, dass es wichtiger ist, den Spielbetrieb am Laufen zu halten, als an irgendwelchen alten Regelungen festzuhalten, die dazu führen, dass sich noch mehr Mannschaften aus dem Großfeldspielbetrieb zurückziehen.

Was sind denn aus Ihrer Sicht die Gründe dafür, dass sich so viele Teams zurückziehen?

Es scheint privat doch recht schwierig zu sein, dass noch zu stemmen. Der Aufwand am Wochenende ist für die Spielerinnen immens hoch. Da kommen für ein Auswärtsspiel schon mal unendliche Weiten zusammen. Aber das wurde beim FSA seit einiger Zeit erkannt. Der FSA befragt auch seit zwei Jahren immer wieder die Vereine und Mannschaften, was gewollt ist und was nicht. Das finde ich persönlich sehr gut.

Der FSA hatte ja auch zwei Modelle zur Auswahl. Wie sahen die aus?

Ja, zum einen sollte es zwei Landesligen geben. Da sollten am Ende die beiden Staffelsieger ein Finale um die Landesmeisterschaft ausspielen. Die andere Variante ist die heutige mit einer Verbandsliga und einer Landesliga, so wie im letzten Jahr auch.

Hat der FSA dann auch spezielle Erwartungen, wenn man gleich in die Verbandsliga eingestuft wird.

Ich denke schon. Wir sollten das Vertrauen natürlich auch sportlich untermauern, nicht dass der Verband für seine Entscheidung dann ausgelacht wird. Gerade auch von den Mannschaften aus der Landesliga.

Die Landesligateams haben das also nicht so positiv aufgenommen?

Manche Vereine aus dem Hallenser Raum haben die Entscheidung natürlich scharf kritisiert. Aus der Landesliga ist nur Union Sandersdorf sportlich aufgestiegen. Ich kann ihre Sichtweise aber auch verstehen. Im Endeffekt hatte ich das Gefühl, als wenn alle Teams aus der Landesliga plötzlich gern aufgestiegen wären.

Wie sehen denn die Ziele der Mannschaft aus?

Wir freuen uns natürlich riesig auf die Saison in der Verbandsliga. Wir müssen natürlch erstmal schauen, wo wir in der Nahrungskette stehen. Das ist vorab natürlich schwer zu beurteilen. Allerdings denke ich, dass wir in der Verbandsliga nicht unten zu finden sein werden, sondern eher in Richtung Mittelfeld. Wir müssen aber erstmal zwei feststehende Teams zu einem formen.

Das ist natürlich nicht ganz so einfach. Worauf liegt da das Hauptaugenmerk?

Beide Mannschaften hatten natürlich auch Führungsspielerinnen in ihren Reihen, die zum Teil auch auf den gleichen Positionen spielen, das muss sich erstmal finden. Jeder muss seine neuen Aufgaben erledigen. Ich hatte mir zuletzt auch Hilfe von einem Fachmann geholt. Ich hatte Ronny Müller, mit dem ich die A-Junioren Salzwedel trainiert habe, mit dabei. Er sollte einfach mal mit hinschauen und beratend zur Seite stehen.

Wie sind die Vorbereitung und die Testspiele gelaufen bisher?

Das lief alles schon sehr gut. Sicher hatte das 17:0 gegen Potzehne keine wirkliche Aussagekraft, aber das letzte Match gegen Gifhorn hatte es in sich. Wir waren voll gefordert, konnten aber gut den Ball laufen lassen und auch viel hinten rum spielen. Vielleicht schaffen wir es, am Wochenende noch ein Spiel gegen Uchtspringe zu absolvieren. Da der Hallesche FC ja nun im Pokal ran muss, haben die Medizinierinnen auch keinen Gegner.

Vielen Dank für das Gespräch und maximale Erfolge in der neuen Saison.