Saalfeld/Altensalzwedel l Der 32-jährige Remo Günther ist nicht nur selbst Leistungsträger und Kapitän bei den Kreisklasse-Herren, sondern nebenbei als Vorsitzender auch noch für viele Angelegenheiten rund um den Klub verantwortlich. Die SG Saalfeld ist nur ein kleiner Verein. Es existiert nur die Sparte Fußball, in der wiederum nur eine Mannschaft um Punkte kämpft. Dennoch muss die SGS Jahr für Jahr hart dafür arbeiten, um diese auch im Spielbetrieb zu halten. Dank einer Verjüngungskur haben die Saalfelder schon einmal vorgesorgt und streben nun mit Remo Günther als Kapitän den Kreisliga-Aufstieg an.

Im ersten Spiel den Arm gebrochen

Günther war schon immer großer Fußballliebhaber. Der Altensalzwedeler spielte mit acht Jahren zum ersten Mal für „seine“ SG Saalfeld. Damals hörte er in der D-Jugend auf die Kommandos von Trainer Klaus Förster. An seine erste Partie überhaupt erinnert sich der Westaltmärker, der auf nahezu allen Positionen einsetzbar war, allerdings nur ungern zurück: „Damals musste ich ins Tor und habe mir direkt den Arm gebrochen.“ Klar, dass die Laufbahn als Keeper daraufhin beendet war. Doch als Feldspieler bewies Remo Günther ohnehin mehr Potenzial.

Speziell als Mittelstürmer fühlte sich der Mann mit dem eingebauten Torriecher am wohlsten. Klar, dass auch das eine oder andere Angebot von anderen Vereinen ins Haus flatterte, doch der heute 32-Jährige hielt der SGS, die sich in der A-Jugend zwischenzeitlich mit dem Kuhfelder SV zu einer Spielgemeinschaft zusammenschloss, immer die Treue. „Mir waren die Leute im Verein sehr wichtig. Viele von ihnen sind Freunde oder ehemalige Schulkameraden. So hat man sich am Wochenende immer gern zum Fußball getroffen“, verrät der seit jeher sehr ehrgeizige Remo, der mit der Saalfelder D-Jugend seinerzeit sogar das Kreispokalfinale erreichte.

Die größeren Erfolge kamen dann aber doch erst im Herrenbereich. In der Spielzeit 2003/2004 freute sich die SG Saalfeld über den Staffelsieg in der 2. Kreisklasse Nord sowie den Aufstieg in die 1. Kreisklasse. Gleiches schaffte die SGS auch 2012/2013. Dazu kam in besagter Saison auch noch der Sieg im extra eingeführten Kreispokal-Wettbewerb für Teams der untersten Spielklasse. Im Finale wurde der SV Eintracht Berge am 29. Juni 2013 mit 3:2 bezwungen. „Das war meine erfolgreichste Serie überhaupt“, verrät Remo Günther. Der kam zwar zumeist in der Offensive zum Einsatz und war der Mann für die wichtigen Tore, doch ab und an wurde er auch als Vorstopper aufgeboten.

Vor gut einem Jahr stand die SGS kurz vor der Auflösung. Es standen nicht mehr genügend Spieler zur Verfügung. Dann allerdings wurde die damals von Trainerin Bärbel Habedank aufgebaute B-Jugend aufgelöst, so dass allein fünf junge Spieler in den Herrenbereich aufrücken konnten. Dazu schlossen sich dann auch noch Akteure wie Patric Peysa (Diesdorfer SV) sowie die beiden Ex-Kuhfelder Tino Peysa und Aron Kummer dem Vertreter der 1. Kreisklasse an. Mittlerweile umfasst der Kader 18 Akteure, so dass es personell keine größeren Probleme geben dürfte. „Wir sind gut aufgestellt und wollen in der neuen Saison Meister werden“, verrät Günther. Schon in der Spielzeit 2016/2017 lagen die Saalfelder lange gut im Rennen, letztendlich mussten sie sich aber mit der Vizemeisterschaft hinter dem SV Kloster Neuendorf zufrieden geben.

Anstelle des verabschiedeten Holger Obeck, der viele Jahre tolle Arbeit in Saalfeld verrichtete und freiwillig um eine Pause bat, hat nun Jörg Pollehn das Traineramt übernommen. Unterstützt wird er vom erfahrenen Spieler Tino Anacker, der als Co-Trainer fungiert. „Ich würde es mir für den Verein sehr wünschen, dass wir noch einmal in der Kreisliga spielen würden. Ich denke, wir könnten dort auch mithalten“, verrät der 32-jährige Spielführer, der den SV Eintracht Salzwedel III und den VfB 07 Klötze II als ärgste Konkurrenten einschätzt.

Seit dem 19. Mai dieses Jahres fungiert Remo Günther auch offiziell als Vereinsvorsitzender. Dort nämlich fand die Wahl in Saalfeld statt. Bereits fünf Wochen zuvor, als eine übliche Mitgliederversammlung über die Bühne ging, hatte sich diese Entscheidung nach dem Rückzug von Bernd Krüger – er war immerhin gut 18 Jahre („Das rechne ich ihm hoch an, er hat tolle Arbeit geleistet“) im Amt – angebahnt, denn lediglich Günther hatte sich zur Wahl gestellt. „Ich wurde praktisch ins kalte Wasser geworfen. Zunächst habe ich mich noch dagegen gewehrt, doch dann habe ich zusammen mit meinem Bruder und meiner Schwägerin beschlossen, dass wir das familienintern in die Hand nehmen“, verrät der Altensalzwedeler.

Während René Pollehn seinem Bruder als stellvertretender Vorsitzender zur Verfügung steht, fungiert Sandra Pollehn als Kassenwartin. „Wir sind eine junge Gruppe, doch ich hoffe, dass wir etwas bewegen und vor allem das Vereinsleben noch weiter stärken können“, erklärt der 32-Jährige, der ergänzt: „Wir wollen noch mehr Leben in den Verein bringen. Es ist immer schwierig, neue Leute in einem kleinen Dorfverein zu gewinnen, aber wir versuchen es natürlich.“

Familie unterstützt Klubchef

Die wirkliche Arbeit für Remo Günther beginnt erst jetzt. „Den Anfang habe ich mir sicherlich etwas leichter vorgestellt, doch ich arbeite noch viel mit dem alten Vorstand zusammen und habe mit meiner Schwägerin eine Frau mit im Boot, die viel Ahnung in Sachen Schriftkram hat und mir oft hilft. Zusammen werden wir es schon irgendwie meistern“, klingt Günther optimistisch. Vor allem die Vorbereitung der einzelnen Partien bedarf einer Menge Arbeit. Drei bis vier Stunden hat der 32-Jährige wöchentlich damit zu tun. Dazu kommen die freitäglichen Trainingseinheiten sowie die Partien am Sonntag. „Der alte Vorstand hat sich oft getroffen und beraten. Das machen wir nun familienintern auch“, erklärt Remo. Ihm ist es wichtig, dass der Zusammenhalt, der den Verein schon seit Jahren auszeichnet, bestehen bleibt. „Wir hatten auch immer mal wieder schwierige Phasen dabei, haben aber immer wieder eine Mannschaft stellen können. Ich hoffe, dass das vor allem mit den euphorischen und jungen Spielern auch weiterhin so bleibt und der Verein auch dauerhaft auf sicheren Beinen steht“, so der Klubchef.

Apropos junge Spieler: Dass die kurzzeitig eingeführte Nachwuchsarbeit in Saalfeld seit gut einem Jahr ein Ende hat, sieht Remo Günther mit einem weinenden, allerdings auch mit einem lachenden Auge. „Die Jungs hätten damals in die A-Jugend gemusst und in der Landesliga spielen müssen. Das wollten sie selbst, aber auch die Eltern nicht. Durch die langen Fahrten wären sie fast den ganzen Sonntag unterwegs gewesen. Das kann ich schon verstehen, auch wenn es natürlich schade ist“, verrät der Altensalzwedeler. Die SGS-Herren freute es hingegen ein Stück weit, denn gleich fünf junge Akteure rückten auf.

Allerdings haben auch viele Spieler mittlerweile ihre Laufbahn beendet. „Ich denke, dieses Problem haben viele Vereine aus unserer Region auch“, so Günther. Die Hoffnung auf neuen Nachwuchs in Saalfeld hat der neue Vereinsvorsitzende aber noch nicht aufgegeben. „In der Region sind in den letzten Jahren viele Kinder geboren worden. Vielleicht können wir mit ihnen irgendwann wieder etwas aufbauen. Es ist jedenfalls unser Traum, auch wenn es sicherlich noch eine Weile dauern wird“, ist sich Remo Günther natürlich auch der Tatsache bewusst, dass viele Akteure der aktuellen Herrenmannschaft – sogar mehr als die Hälfte – bereits die 30-Jahre-Marke überschritten haben.

Allerdings spielen die Routiniers bei der SGS noch immer eine tragende Rolle. Beispielsweise auch Remo Günther als Kapitän: „Viele Kollegen kommen zu mir und suchen das Gespräch. Sie wissen, dass ich mit den Trainern im engen Kontakt stehe. Ich möchte immer das Beste geben und der Mannschaft weiterhelfen, lasse mir aber auch viel sagen, wenn ich zum Beispiel mal etwas falsch gemacht habe“, beschreibt sich der 32-Jährige selbst. Auch als Vereinsvorsitzender tickt er ähnlich: „Jeder, der ein Problem hat, kann damit zu mir kommen und wir reden darüber.“ Günther ist ein sehr umgänglicher Typ, was viele seiner Kollegen an ihm schätzen. Sicherlich auch ein Grund, warum sie ihn als neuen Vereinschef wählten.

Remo Günther selbst wünscht sich, dass „die Knochen noch lange halten und ich noch eine Weile spielen kann“. Vor ungefähr zwölf Jahren zog sich Günther einen Knöchelbruch zu – es war seine bislang schwerste Verletzung. „Erreichen muss ich nicht mehr viel, ich möchte vor allem Spaß haben“, verrät der Altensalzwedeler. Der könnte sich vorstellen, irgendwann auch als Nachwuchstrainer zu arbeiten. Schon bei der damaligen B-Jugend leitete er ab und an das Training. „Ich habe viel von meinen ehemaligen Trainern Holger Obeck, Bernd Krüger und Klaus Förster gelernt und möchte ihnen auch noch einmal dafür danken. Ich würde schon gern einen Trainerschein erwerben und später vielleicht mal Kinder trainieren – am liebsten natürlich in Saalfeld“, verrät der 32-Jährige, der eine Funktion als Schiedsrichter („Diese suchen wir allerdings trotzdem händeringend“) erst einmal ausschließt. Als Spieler und Vereinsvorsitzender hat Remo Günther bei der SG Saalfeld schließlich auch so schon genug um die Ohren.