Schönberg/Rostock/Dresden l Doch der 27-jährige Kreisläufer aus dem altmärkischen Schönberg bleibt der Spielklasse erhalten. Flödl, der sogar schon über Erstligaerfahrungen verfügt, wechselt zur neuen Saison zum Aufsteiger HC Elbflorenz Dresden.

Von der Ostsee an die Elbe – dicht am Wasser fühlt sich Norman Flödl wohl. Allerdings gilt dies auch für die 2. Liga. Den Gang in die Drittklassigkeit wollte der Altmärker bei aller Verbundenheit zur Rostocker Mannschaft nicht mitmachen. Da kam das Angebot aus Dresden gerade recht – vor allem, weil der 27-Jährige dort zugleich auch noch seine Ausbildung zum Industriekaufmann fortführen kann.

Bessere Chancen auf Sportschule

Seine sportlichen Anfänge unterm Flödl mit sechs Jahren als Fußballer bei Eintracht Osterburg. Dort wurde er zunächst ins Tor beordert, während er in der Folge auf nahezu allen Positionen eingesetzt wurde und damit der Allrounder im Team war. Mit zehn Jahren startete der Altmärker, der zwei Jahre zuvor mit seiner Familie nach Schönberg zog und sich daraufhin den Kickers Seehausen anschloss, dann auch seine Laufbahn als Handballer bei der SG Seehausen. Dort wurde er in der D-Jugend als linker Rückraumspieler von seiner Mutter Marlies trainiert, was ihm persönlich sehr entgegen kam. „Meine Schwester hatte damals schon den Sprung auf das Sportgymnasium sowie in die 2. Liga geschafft. Das wollte ich auch. Beim Handball habe ich diesbezüglich die besseren Chancen gesehen“, verrät Norman.

Und tatsächlich sollte ihm dieser Schritt gelingen. Nach nur zwei Jahren in Seehausen zog es Flödl dank seiner raschen, positiven Entwicklung zur siebten Klasse nach Magdeburg in das Internat. Damals war er gerade mal zwölf Jahre alt. „Die Vereine wurden damals angeschrieben und konnten Kandidaten für die Sportschule melden. Meine Mutter hat mich damals gemeinsam mit mehreren Kollegen zum Sichtungstest geschickt, den ich erfolgreich bestanden habe“, blickt der Sportenthusiast zurück. Mit dem hohen Pensum kam der Youngster seinerzeit gut klar. „Die guten Bedingungen haben es mir wirklich erleichtert. Die Schule, das Internat, die Mensa und die Trainingsstätten waren dicht beisammen“, verrät Norman.

Beim SC Magdeburg wurde Norman Flödl damals noch nicht für gut genug befunden, so dass er für den FSV Magdeburg aktiv war. Dort hatte er mit Helmut Kurrat einen namhaften und ebenso guten Trainer, der das Talent aus der Altmark über die Jahre hinweg fördern konnte. Im Nachwuchs spielte das FSV-Team oft gegen den SCM und konnte sogar den einen oder anderen Erfolg gegen den großen Nachbarn verbuchen. Während der Schulzeit standen für Flödl und seine Kollegen gleich vier Vormittagssporteinheiten auf dem Programm. Zudem wurde täglich unter der Woche nachmittags trainiert.

Im letzten A-Jugend-Jahr schaffte der Altmärker dann doch den Sprung zum SC Magdeburg. Später ging es für ihn hoch in die zweite SCM-Herrenmannschaft. Da ihm dort zunächst noch die nötige Spielpraxis fehlte, wurde Flödl mit einem Zweitspielrecht für den SV Concordia Staßfurt ausgestattet. Beim damaligen Regionalligisten blieb der Schönberger aber nur ein Jahr. Nachdem Norman Flödl bei den SCM-Youngsters immerhin zweieinhalb Jahre Zweitliga-Erfahrung sammelte, schloss er sich dem Dessau-Roßlauer HV in der 2. Liga Nord an. Dort reichte es – da aus einer zwei- eine eingleisige Liga wurde – nicht ganz zum Klassenerhalt. Eintracht Hildesheim, gerade von der 2. in die 1. Liga aufgestiegen, streckte daraufhin seine Fühler aus. Da Flödl auf der Kreisläufer-Position zuvor in Dessau überzeugen konnte und trotz des Abstieges eine starke Saison spielte, vermittelte ihn sein Berater weiter an die Niedersachsen, die wussten, dass sich der Altmärker noch auf Vereinssuche befand.

Obwohl Norman Flödl mit einer Verletzung nach Hildesheim kam, gestattete ihm Trainer Volker Mudrow anfangs viele Spielanteile in der „Stärksten Liga der Welt“. „Es war schon toll, in großen Hallen mit toller Stimmung zu spielen und sich mit den ganz großen Spielern zu messen“, blickt der 27-Jährige zurück. Die Ergebnisse der Eintrachtler stimmten zumeist allerdings nicht, so dass sie doch recht deutlich an ihrem Saisonziel Klassenerhalt vorbei schrammten. Nachdem sich Flödl im November 2011 einen Innenbandriss zuzog und anschließend in die Mannschaft zurückkehrte, kam er unter dem neuen Coach Gerald Oberbeck kaum noch zum Einsatz.

Auch im ersten halben Jahr in der 2. Liga erhielt der Altmärker nur wenig Einsatzzeiten. „Man hat mir damals nahegelegt, mir einen neuen Verein zu suchen“, verrät der Ex-Seehäuser. Dennoch erinnert sich der Altmärker, der immerhin in dieser Saison auf sein Idol Marcus Ahlm vom THW Kiel traf, gern an die Zeit im Oberhaus zurück. Heute, so glaubt Norman, ist die 1. Liga sogar noch stärker geworden. „Mittlerweile ist die Last auf mehrere Schultern verteilt. Das Spiel ist noch schneller und besser geworden“, erklärt der Kreisläufer. Der wechselte im Januar 2013 innerhalb der Liga zum HC Empor Rostock. Die Mannen von der Küste befanden sich auf Kreisläufer-Suche und konnten diese Lücke mit Norman Flödl schließen.

„Es war definitiv der richtige Schritt. Es hat viel Spaß gemacht und lief zunächst sportlich auch sehr gut. Diese Euphorie hat die ganze Stadt angesteckt“, verrät der 27-Jährige. Mit der Zeit hatten die Empor-Handballer aber immer mehr mit Verletzungspech zu kämpfen, was sich natürlich auch in den Ergebnissen widerspiegelte. Nach und nach ging es immer weiter bergab für die Ostseestädter. „Die Mannschaft ist immer kleiner und damit auch schlechter geworden“, so Norman Flödl. Für ihn selbst kam ein Wechsel aber nicht in Frage. Das hatte einfache Gründe: „Ich war in meinen jungen Jahren schon so häufig gewechselt und wollte einfach mal länger bleiben. Die Stadt hat mir gefallen und eine gute Lebensqualität. Zudem hatte ich dort auch meine Industriekaufmann-Ausbildung gestartet, was ich auch mit dem Training immer gut vereinbaren konnte.“

Wechsel zum HC Elbflorenz

Mittlerweile hat Flödl sein zweites Lehrjahr beendet. Sein drittes bestreitet der Schönberger in Dresden. Der Kreisläufer wechselt nämlich nach Sachsen zum HC Elbflorenz. Der Verein ist gerade von der 3. in die 2. Liga aufgestiegen und hat damit eine entgegengesetzte Entwicklung im Vergleich zu den Rostockern genommen. Diese stiegen nämlich in der gerade abgelaufenen Spielzeit aus der zweithöchsten Spielklasse Deutschlands in die Drittklassigkeit ab. „Der Wechsel hatte vor allem sportliche Gründe. Ich wollte weiterhin in der 2. Liga spielen, zudem hat der Verein ein großes Projekt gestartet und etwas aufgebaut. Der Kader ist stärker, die Spieler erfahrener. Da steckt viel Potenzial drin, das Gesamtpaket passt einfach“, schwärmt Flödl von seinem neuen Arbeitgeber, der kürzlich auch eine neue Halle bekam.

Zwar geht Norman Flödl optimistisch in die Spielzeit 2017/2018, weiß aber auch ungefähr, was den HC Elbflorenz Dresden erwartet. „Die 2. Liga war schon in dieser Saison sehr ausgeglichen. Ich denke, das Feld wird demnächst sogar noch stärker sein. Man weiß nicht, wo man steht“, so der Altmärker. Der hat sich schon in Rostock zu einem Führungsspieler entwickelt und zuletzt sogar die Kapitänsbinde getragen. „Ich habe mich im letzten Jahr, weil ich auch erstmals seit langem wieder verletzungsfrei geblieben bin, weiterentwickelt. Leider konnte ich den Abstieg auch nicht verhindern“, blickt der 1,96 Meter große Kreisläufer mit einem weinenden Auge zurück. Dennoch traut er seinen Ex-Kollegen – die Mannschaft wurde stark verjüngt – in der 3. Liga einiges zu. „Ich hoffe, dass sie sich fangen“, so Flödl. Auch die Stadt Rostock wird der Sportenthusiast vermissen.

 „Dresden liegt allerdings an der Elbe und Schönberg ist ja auch ein Elbdorf. Von daher ist es für mich auch ein Stück weit Heimat“, verrät Norman schmunzelnd. Noch bis zum 30. Juni bleibt er aufgrund seiner Ausbildung an der Ostsee, ehe es am 1. Juli direkt in Dresden mit dem dritten Ausbildungsjahr in einem neuen Betrieb weitergeht. Schon am 3. Juli beginnt dort auch für den HC Elbflorenz die Saisonvorbereitung. Die berufliche Karriere steht beim Altmärker („Mit Handball kann man, speziell in der 2. Liga, leider nicht komplett aussorgen“) aber mittlerweile doch im Vordergrund. „Ich habe den Handball schon oft nach vorne geschoben. Darunter hat teilweise auch mein Studium gelitten. In letzter Zeit habe ich vormittags nicht mehr trainiert“, verrät der 27-Jährige. Der hat seine Stärken vor allem in der Abwehr: „Ich liebe den Körperkontakt und die nötige Aggressivität. Ich bin ein typischer Mannschaftsspieler, ehrgeizig und selbst im Training ein großer Streber.“

Selten in der Heimat

In seiner altmärkischen Heimat ist Norman Flödl nur noch äußerst selten zu Besuch. „Dafür bleibt mir kaum Zeit. Höchstens mal zu Weihnachten oder Ostern“, verrät der Neu-Dresdner. Dennoch ist Flödl noch immer über die Ergebnisse der Herren der SG Seehausen informiert. „Ich habe ja noch viele Freunde und Bekannte dort. Ich habe auch mitbekommen, dass zuletzt in der Verbandsliga nach dem Umbruch nicht alles glatt gelaufen ist“, so der 27-Jährige. Der würde gern auch mal wieder selbst ein Heimspiel der SGS vor Ort verfolgen.

„Schon seit mehreren Jahren habe ich das nicht mehr geschafft, es wäre also mal wieder an der Zeit. Dabei ist es mir eigentlich egal, ob es nun ein Spiel der Herren, Frauen oder im Nachwuchs ist“, äußert sich Norman. Der würde sich wünschen, dass auf Dauer mehr Akteure aus der eigenen Jugend erfolgreich in den Erwachsenenteams („Gerade bei den Männern kommt nur selten etwas nach“) integriert werden können. Dafür müssen aber auch die Trainer im Nachwuchsbereich sorgen. „Heutzutage muss man ja über jeden Coach erfreut sein, der an der Seitenlinie steht“, weiß Flödl, dass die Begeisterung für Ehrenämter womöglich allgemein etwas nachgelassen hat.

Norman Flödl möchte demnächst vor allem verletzungsfrei bleiben. Vor gut zweieinhalb Jahren zog er sich eine Schambeinentzündung zu und konnte nicht trainieren. „Ich möchte möglichst fit bleiben und mich noch weiterentwickeln“, verrät der 27-Jährige. Mittlerweile hat der Altmärker allerdings seit gut einem Jahr keine Beschwerden mehr. Auch mit dem HC Elbflorenz Dresden hat Flödl einiges vor. „Der Verein hat mit seinem Umfeld das Potenzial, es noch weiter nach oben zu schaffen“, weiß der Schönberger. In den ersten zwei bis drei Jahren glaubt Norman jedoch noch nicht an einen Aufstieg, dort strebt er mit den Sachsen einen einstelligen Tabellenplatz an.

Nach seiner aktiven Laufbahn wäre für den Kreisläufer („Ich möchte dem Handball schon gern erhalten bleiben“) eine Aufgabe als Nachwuchstrainer gut vorstellbar. „Das würde mich reizen“, verrät Flödl, für den es die zehnte Saison im Erwachsenenbereich war. Sein dauerhaftes Ziel ist es, irgendwann mit seiner in Berlin lebenden Freundin Madlen zusammenzuziehen. Wo genau das sein wird, kann der Sportenthusiast allerdings noch nicht verraten. Vielleicht Seehausen? „Auch wenn es in der Altmark generell schwierig ist, einen Job zu finden, soll man ja niemals nie sagen“, so der Neu-Dresdner. Womöglich kann sich die SG Seehausen also in ein paar Jahren sogar auf die Rückkehr ihres „verlorenen Sohnes“ Norman Flödl freuen.