Chüden l Fußball und Tennis sind an sich zwei komplett unterschiedliche Sportarten. Doch auch sie haben Gemeinsamkeiten. Man sollte, um sie auszuüben, nicht nur konditionell gut drauf sein, sondern auch „gut vorausschauen“ können, wie es Martin Todte formuliert. Er muss es wissen, denn mit beiden Bällen kann der Salzwedeler sehr gut umgehen.

Kein großer Titelhamster

Er ist nicht der große Titelhamster, wichtiger ist Martin Todte der Spaß beim Sport. Diesen hat der 29-Jährige zur Genüge – ebenso wie den Erfolg. Mit den Fußballern des SV Eintracht Chüden spielt Todte aktuell um den Kreisliga-Staffelsieg, mit den Tennis-Cracks vom TC Salzwedel ist der zugleich stellvertretende Vereinsvorsitzende und Trainer solide in der Landesliga aktiv.

Seine ersten sportlichen Gehversuche unternahm Martin bereits als Fünfjähriger mit dem Fußball. Er schloss sich unter der Regie von Trainerin Helga Hilgenfeld den F-Junioren des SV Eintracht Salzwedel an. Der gebürtige Freiberger wurde von seiner Vorgesetzten zumeist als Angreifer eingesetzt. Später stellte sich heraus, dass Todte womöglich doch eher Vorbereiter denn Vollstrecker ist. Ab der C-Jugend war er bei der Eintracht im zentralen offensiven Mittelfeld beheimatet. Mit 14 Jahren hing der Salzwedeler seine Schuhe aber vorerst an den Nagel. „Die Lust war einfach verloren gegangen“, blickt der heute 29-Jährige zurück.

Begeistert vom Tennisspielen

Stattdessen schloss sich Martin dem Tennisclub (TC) Freizeitcenter Salzwedel an und spielte dort zunächst in der U18-Mannschaft um Punkte. Dorthin gelangt war der Westaltmärker durch seinen Freund Hendrik Ohk. „Er hatte bei sich in Riebau auf dem Grundstück einen Tennisplatz, wo wir ab und an aus Spaß gespielt haben. Ich bin daraufhin einfach mal mit zum Training gegangen und war schnell begeistert“, erinnert sich Martin Todte zurück, der von Ulf Piepenburg gecoacht wurde.

Zu A-Jugend-Zeiten wurde der Westaltmärker dann auch wieder als Fußballer reaktiviert. Wirklich regelmäßig aktiv war Todte aber erst wieder in der von Dirk Reichelt trainierten zweiten Herrenmannschaft der Salzwedeler Eintracht. Ab und an gehörte der schnelle Außenbahnakteur sogar zum Kader der Erstvertretung, seinen größten Erfolg feierte er aber mit der SVE-Reserve. Diese wurde in der Spielzeit 2006/2007 Kreismeister.

Neue Herausforderung in Liesten

Eine Saison später suchte Martin Todte eine neue Herausforderung und schloss sich auf Nachfrage seines Freundes Christian Minkus dem SV Liesten 22 an. Mit dem SVL war der Jeetzestädter zunächst stets oben in der Kreisliga-Tabelle vertreten. Als dann sechs weitere Akteure aus Salzwedel ins Waldstadion kamen, schaffte die damalige Mannschaft von Trainer Lutz Bierstedt in der Serie 2011/2012 mit 88 von möglichen 90 Punkten die Kreismeisterschaft und den Aufstieg in die Landesklasse.

Dort holten sich die Liestener 2012/2013 auf Anhieb den Staffelsieg, verzichteten aber auf den Gang in die Landesliga. „Wir haben diese Entscheidung in der Mannschaft geschlossen getroffen. Die Landesliga ist sicherlich attraktiv gewesen, aber einige Spieler wollten kürzer treten, wodurch dies die beste Entscheidung war“, so der 29-Jährige.

Kreuzbandriss zwingt zur Pause

Nach einem Kreuzbandanriss, den sich Martin Todte damals in einem Spiel in der zweiten SVL-Mannschaft zuzog, musste der Mittelfeldakteur lange pausieren. „Das war eine langwierige Sache“, blickt der Salzwedeler nur ungern zurück. Zumindest als Tennis-Crack wurde Martin aber durch seine Verletzung wenig behindert.

„Wir sind allesamt gute Freunde und eine richtige Gemeinschaft“, schwärmt der 29-Jährige von der ersten Herrenmannschaft des TC Salzwedel, die aktuell in der Landesliga unterwegs ist. Jonas Malek oder auch Ramon Dammert kennt Todte schon lange, auch in der Freizeit sind die zumeist gleichaltrigen TCS-Akteure oft gemeinsam unterwegs. Bereits seit drei Jahren fungiert der Hansestädter im Verein als stellvertretender Vorsitzender. Sein Amtsantritt ist wohl auch ein Beleg dafür, dass der TCS dem 29-Jährigen sehr wichtig geworden ist.

Wechsel von Liesten nach Chüden

Nachdem Martin sein Studium in Hannover angetreten hatte, war er unter der Woche zumeist nicht vor Ort und konnte demzufolge auch nicht mehr am Trainings- und Spielbetrieb beim SV Liesten 22 teilnehmen. Trainer Michael Piotrowski konnte dem Mittelfeldakteur daraufhin keine langen Einsatzzeiten in der Landesklasse mehr zusichern. Somit entschloss sich Martin Todte, der mittlerweile in Lüchow beruflich tätig ist, im Winter der Spielzeit 2016/2017 zu einem Wechsel zum SV Eintracht Chüden in die Kreisliga.

Wie zuvor auch in Liesten wurde Todte durch seinen Kumpel Christian Minkus, der kurz zuvor vom SV Eintracht Salzwedel dorthin gegangen war, zur Eintracht gelockt. Nach den ersten Trainingseinheiten entschloss sich der Salzwedeler dazu, dabei zu bleiben. Er fand eine „gute Truppe“ vor. Diese führt aktuell auch das Klassement der Kreisliga an und marschiert in Richtung Staffelsieg und Aufstieg in die Kreisoberliga.

Saison erst einmal zu Ende bringen

„Spielerisch sind wir stark, doch unser Kader ist auch nicht allzu groß. Daher müssen wir von Verletzungen so weit wie möglich verschont bleiben“, weiß der 29-Jährige, der ergänzt: „Über die Kreisoberliga haben wir ehrlich gesagt noch gar nicht nachgedacht. Wir wollen diese Saison erst einmal so erfolgreich wie möglich zu Ende bringen.“

In der Mannschaft vom Trainergespann Werner Malisch/Orlando Konietzny spielen viele ältere Akteure, die mittlerweile auch Familienväter sind und womöglich auch mal bei der einen oder anderen Trainingseinheit aussetzen müssen. „Um in der Kreisoberliga bestehen zu können, müssten wir aber mit Sicherheit kontinuierlich zweimal die Woche mit möglichst guter Beteiligung trainieren. Zudem muss die Mannschaft dies auch wollen“, erklärt Todte.

Es ist nicht alles so einfach

Der muss selbst zugeben: „Auch für mich ist es nicht immer einfach, Beruf, Sport und Privates unter einen Hut zu bringen.“ Etwas einfacher fällt ihm dies womöglich im Winter, denn dort finden die Tennis-Punktspiele zumeist sonnabends statt. Da sonntags Fußball gespielt wird, kommt es nur selten zu Überschneidungen. Etwas anders sieht es im Sommer aus. Dort fallen in beiden Sportarten die Begegnungen zumeist auf die Sonntage.

„Ich entscheide dann immer spontan. Beim Tennis ist der Verlust eines Spielers aber schwerer zu kompensieren, weil wir ein eingespieltes Team sind“, verrät der 29-Jährige. Doch er macht auch deutlich: „Fußball und Tennis sind mir gleichwichtig.“

Erfahrung macht viel aus

Martin Todte ist, wenn er die Spielfelder betritt, nicht nur enorm ehrgeizig, sondern auch sehr flink unterwegs. Genau das braucht der Salzwedeler aber auch in seinen beiden Sportarten. Die Ausdauer spielt jeweils eine große Rolle. „Wichtig ist es aber auch, bestimmte Situationen schon zuvor richtig vorauszuahnen. Ich denke, das gelingt mir zumeist auch ganz gut. Erfahrung macht da schon eine Menge aus“, beschreibt sich Martin selbst.

Als Fußballer hat er womöglich mehr erreicht, als er sich jemals erträumt hatte. „Vor allem die Zeit in Liesten war natürlich sehr erfolgreich. Ich bin mit meinen bisherigen Titeln sehr zufrieden“, benötigt der Jeetzestädter nicht unbedingt weitere in seiner Sammlung. „Wichtiger ist es mir, dass ich gesund bleibe und Spaß am Spiel habe“, verrät der 29-Jährige. Für die Salzwedeler Tennis-Herren wünscht sich Martin den dauerhaften Verbleib in der Landesliga. „Wir sind von Nummer eins bis vier in etwa gleichstark besetzt und treten sehr geschlossen auf. Ich hoffe, dass dies auch so bleibt“, so Todte.

Aufstieg ein nächster Titel

Die Chüdener Eintracht-Fußballer zeichnet gegenwärtig ebenfalls der große Zusammenhalt aus. Klar, dass sich der Salzwedeler auch dort wünscht, dass es ähnlich weiterläuft. Der Kreisoberliga-Aufstieg wäre ein nächster lukrativer Titel für Martin. Von dem, was hinter den Kulissen beim SVE abläuft, bekommt der Mittelfeldspieler aber doch eher weniger mit. Anders sieht es beim Salzwedeler Tennisclub aus. Speziell mit der dortigen Nachwuchsarbeit ist der zweite Vorsitzende sehr zufrieden.

„Wir sind in die Schulen gegangen, haben zudem mit dem Tag der offenen Tür Werbung betrieben. Das alles ist sehr gut angenommen worden“, freut sich der 29-Jährige. Mittlerweile zählt der TCS über 100 Mitglieder. Im Spielbetrieb befinden sich auch drei Herrenteams. „Wir wollen dabei vor allem jüngere Akteure behutsam an die erste Mannschaft heranführen, damit sie uns irgendwann beerben können“, verrät der Westaltmärker. Doch noch ist Martin Todte – auch wenn er in diesem Jahr 30 wird – fit genug, um Fußball und Tennis parallel auf recht hohem Niveau zu spielen.