Schwiesau l Mit der Entwicklung des Teams in den letzten Kreisoberliga-Jahren ist Toni Müller sehr zufrieden. Bis 2015 war der 28-jährige beim SV Schwalbe Schwiesau jemand, der durchaus das eine oder andere Duell als Spielgestalter mitentschieden hat. Auch auf seine Tore und Vorlagen waren die Schwalben, die sich bis zu diesem Zeitpunkt noch recht oft im Tabellenkeller wiederfanden, angewiesen. Nach zwei schweren Verletzungen hat sich Müller nun dazu entschlossen, die Mannschaft von der Seitenlinie aus zu unterstützen. Da Trainer Senol Isik zumeist selbst auf dem Platz steht, gibt der 28-Jährige von außen die Anweisungen und hat dabei großen Spaß. Allerdings macht der Schwiesauer auch keinen Hehl daraus, dass er im Hinterkopf den Gedanken mit sich herumträgt, irgendwann selbst wieder auf den Rasen zurückzukehren.

Als E-Jugendlicher schloss sich Toni Müller erstmals einem Verein an. Durch seinen Kumpel Kevin Hübner, mit dem er bis zur C-Jugend in einem Team aktiv war, kam er zum SSV 80 Gardelegen, wo er zunächst auf die Kommandos von Trainer Werner Ilgner hörte und als Angreifer, Mittelfeldspieler oder auch Libero so etwas wie ein Allrounder war. „Es war eine schöne Zeit mit tollen Erfahrungen“, blickt Toni auf seine SSV-Nachwuchszeit zurück. In dieser gab es nicht nur mehrere Medaillen zu gewinnen, sondern man duellierte sich auch im Landespokalwettbewerb mit dem 1. FC Magdeburg. Bis zum Ende seiner B-Jugend-Zeit blieb der Westaltmärker in der Rolandstadt, ehe er sich dazu entschloss, eine Pause einzulegen. „Das Leben hatte nun einfach andere Reize“, begründet er diesen Schritt.

Zeitpunkt richtig gewählt

Erst mit 18 Jahren setzte Müller seine Laufbahn fort. Auf eine eher kuriose Art und Weise kam er zum SV Schwalbe Schwiesau. „Ich kannte viele Spieler beispielsweise von Feiern“, berichtet der 28-Jährige. Der nahm des Öfteren an den Trainingseinheiten der Altherren in Schwiesau teil. Zufällig platzte er dann in eine wichtige Besprechung rein. „Damals wurde die Herrenmannschaft nach dem Landesklasse-Abstieg fast komplett neu formiert. Als ich hereinkam, sagte man mir, dass ich genau richtig komme“, erinnert sich Toni mit einem Schmunzeln zurück. Es wurden schließlich neue Spieler gesucht. Seine Freunde Gunnar Waesche und Erik Beneke überzeugten den damals noch in Zichtau wohnhaften Müller endgültig davon, bei den Schwalben anzuheuern. Im Endeffekt die richtige Entscheidung, wurde Toni Müller doch in Schwiesau, zumeist auf der Zehner-Position aufgeboten und sogar zwei Jahre lang Kapitän, sehr glücklich. „Wir hatten schon damals eine coole Truppe mit einer guten Mischung. Erfahrene Spieler wie Senol Isik oder René Schumann haben mir den Einstieg wesentlich erleichtert“, blickt der 28-Jährige zurück.

„In unserem Verein ist die Atmosphäre sehr familiär, der Zusammenhalt groß“, schwärmt Toni Müller, der aus Liebe zu den Schwalben sogar mehrere Angebote von höherklassigen Vereinen ausschlug. Nach einer guten Anfangszeit verletzte sich Müller 2013 das erste Mal schwer in einem Auswärtsspiel in Diesdorf. Die Bänder waren gerissen. Kurz nach seiner Rückkehr auf den Rasen zog er sich in der Halle einen Kreuzbandriss zu. Damit war erst einmal komplett Schluss für Toni.

Unterstützung als Assistenztrainer

Doch er wollte so nah wie möglich an der Mannschaft bleiben und begann den spielenden Coach Senol Isik bei den Spielen sowie auch im Training zu unterstützen. „Ich bin zwar zumeist unter der Woche nicht da, da ich beruflich viel unterwegs bin, doch am Freitag leite ich oft das Training. Senol ist privat ja auch sehr eingespannt und fühlt sich dadurch keinesfalls auf den Schlips getreten. Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander und besprechen viele Dinge gemeinsam“, berichtet der Schwiesauer. Die Aufstellung erarbeiten Isik und Müller gemeinsam mit Kapitän Franz Beneke.

Nach seiner schweren Verletzung vor gut drei Jahren kam der Westaltmärker nicht mehr richtig in Tritt. „Wenn wir hier vielleicht noch einen Mann finden würden, der den Trainer während der Spiele unterstützt, könnte ich mir schon vorstellen, auf den Platz zurückzukehren“, verrät der 28-Jährige. Dafür möchte und muss Toni Müller aber auch noch an seinem Fitnesszustand („Da muss man schon vernünftig sein“) arbeiten. Zudem bereitet ihm die Aufgabe als Co-Trainer große Freude. „Die Jungs haben schon Respekt vor mir. Was sie in den letzten zweieinhalb Jahren geleistet haben, ist schon toll. Aus einer grauen Ligamaus sind wir zu einem unangenehmen Kontrahenten geworden“, so Müller. Mit ihrer enormen Geschlossenheit sind die Schwalben mittlerweile in der Lage, jeden Gegner zu schlagen. Speziell auf heimischem Geläuf haben sie sich zu einer echten Macht entwickelt.

Klassenerhalt ist primäres Ziel

Mit Beginn der laufenden Saison gingen ihnen mit Fernando Göring, Robin Ehrecke und Steve Melchert drei Aktivposten in der Offensive verloren. „Uns fehlt nun natürlich eine Menge Durchschlagskraft, doch das versuchen wir im Verbund zu kompensieren. Wenn alle Spieler da sind, können wir sicherlich auch wieder etwas weiter oben mitspielen, müssen uns aber auch erst einmal neu formieren“, erklärt der Assistenzcoach, der an der Seitenlinie durchaus mal emotional werden kann und sich sonnabends gern höherklassige Partien anschaut. Offiziell lautet das Saisonziel der Schwalben Klassenerhalt. Man möchte nach dem dritten Platz aus der Vorsaison nicht zu forsch sein und lieber Vorsicht walten lassen. Das 1:4 vor kurzem in Langenapel war schon mal ein Warnschuss. „Ich möchte mich bei unseren Fans für diese Leistung entschuldigen. Die Einstellung hat überhaupt nicht gestimmt“, ist auch Toni Müller noch immer enttäuscht.

Verein gewinnt mehr Ansehen

Müller erhält laut eigener Aussage viel positives Feedback, was seine Arbeit als Co-Trainer angeht. „Man sagt mir schon des Öfteren, dass ich einen guten Job mache. Mir persönlich macht es aber auch Spaß, mit den Jungs zusammen zu arbeiten“, verrät der Westaltmärker. Der könnte sich vorstellen, irgendwann die Trainer-C-Lizenz zu erwerben. „Ich wurde damals ins kalte Wasser geworfen und versuche mich seitdem immer weiterzuentwickeln. Senol freut sich, dass er die Unterstützung erhält“, so Toni. In der Sommerpause führte er Gespräche mit mehreren potenziellen Neuzugängen. „Zwar hatte ich da nicht allzu viel Erfolg, doch man hat schon gemerkt, dass unser Verein immer mehr Ansehen gewonnen hat“, erklärt der 28-Jährige.

In den kommenden Jahren haben sich die Schwalben vorgenommen, in der Kreisoberliga eine solide Rolle zu spielen. „Wir sind eine sehr gesellige Truppe. Bei manchen Auswärtsspielen ist der Gegner schon vor uns weg“, verrät Müller mit einem Grinsen. Nach den sonntäglichen Partien fahren die Spieler oft noch gemeinsam zum Abendessen. Auch dank der Arbeit von Toni Müller, der sich erfolgreich um die Sponsorengewinnung kümmerte, wurden die Schwiesauer in den vergangenen Jahren oftmals mit neuen Textilien eingedeckt. Eine Aufgabe im Vorstand kommt für den akribischen Westaltmärker aber zumindest derzeit nicht in Frage. „Das wäre zu viel für mich. Ich komme erst freitags nach Hause und brauche dann auch noch etwas Zeit für private Dinge oder andere Hobbys. Leider ist der Tag keine Woche“, erklärt er. Lieber unterstützt er stattdessen die Mannschaft („Ich brauche den direkten Bezug“) von der Seitenlinie aus.

Stimmung im Verein sehr positiv

Der Schwiesauer wünscht sich, dass es im Verein weiterhin so harmonisch abläuft. „Jeder kennt hier jeden, alle haben einen guten Draht zueinander“, beschreibt der 28-Jährige, der sich speziell eine Erneuerung des Sanitärtrakts wünschen würde. Allerdings macht er auch deutlich: „Die Kommunikation könnte teilweise doch noch etwas besser sein. Zudem wäre es schön, wenn wir die Verantwortung manchmal noch auf mehr Schultern verteilen könnten, sich von außen noch mehr Leute mit einbringen würden. Wir haben hier in Schwiesau ja nur den Fußballverein.“

Dieser stellt in der neuen Saison übrigens nicht nur eine Herrenvertretung, sondern auch weiterhin eine Frauen- und Altherrenmannschaft sowie neuerdings auch eine E-Jugend. Aushängeschild ist und bleibt aber die Männertruppe. „Wir wollen in der Kreisoberliga dauerhaft eine gute Rolle spielen, vielleicht auch im Kreispokal mal etwas weiter kommen. Wenn wir so zusammenbleiben und vielleicht noch ein paar starke Spieler dazubekommen, kann man vielleicht irgendwann auch mal wieder über einen Aufstieg in die Landesklasse nachdenken. Momentan ist diese Überlegung aber vermessen“, so der Westaltmärker. Vielleicht wäre das für Toni Müller Motivation genug, selbst noch einmal die Töppen beim SV Schwalbe Schwiesau zu schnüren.