Schönebeck l Dass dies längst ein Vorurteil ist, belegen die Sportler von Union Schönebeck. In der 2. Bundesliga erinnert nichts mehr an das „Kneipenimage“. Ein kurzes Klacken, dann klirren auch schon die Kegel aneinander und bleiben am Ende der Bahn liegen. Die Geräusche, welche entstehen, wenn die 2850 Gramm schwere Kugel auf die neun Holzkegel trifft, sollte jeder schon einmal gehört haben. Denn fast bei jeder Firmen-, Geburtstags- oder Weihnachtsfeier fällt der Vorschlag, eine Kegelbahn zu besuchen, um dort eine „ruhige Kugel zu schieben“. Dieses Image hat sich in den Köpfen festgesetzt. Doch in der 2. Bundesliga erinnert nichts mehr an den typischen „Kneipensport“. Alkohol, früher normal, ist strengstens untersagt und auch so schauen die Vereine, wie sie das Image widerlegen können. Darüber machen sich auch die Verantwortlichen von Union Schönebeck einen Kopf.

Ganz vorne mit dabei ist Guido Müller, der neben seiner Position als Mannschaftsführer der ersten Mannschaft (2. Bundesliga) auch als Sportwart aktiv ist. Er selbst spielte zuerst Fußball, entschied sich dann aber für den Kegelsport. Das Interesse am Sport ist groß, doch für den Kegelsport opfert Müller jegliche Freizeit. „Ein gewisser Fanatismus muss schon sein, um erfolgreich zu werden“, sagt er. Denn Kegeln ist mehr als die Kugel über die Bahn zu rollen: „Es ist, als würde man einen Halbmarathon laufen. Ein enormer Kraftaufwand ist nötig, mehr in den Beinen als in den Armen“, so der Sportwart. Beim ersten Versuch ist ein Muskelkater also vorprogrammiert, dennoch bietet der Sport allerhand Vorteile, die andere nicht bieten können. „Es gibt keine Grenze, egal ob man sechs oder 100 Jahre alt ist. Bei Union gibt es Senioren, die sind weit über 80 und die spielen immer noch. Auch als 50-Jähriger kann man als Quereinsteiger noch ein gutes Niveau erreichen. Dabei ist auch die körperliche Statur nebensächlich“, erzählt Müller. „Wir sind eben wie eine richtige Familie. Alle werden gleichbehandelt.“

Kopf spielt große Rolle

Denn nicht nur der Körper ist beim Classic-Kegeln wichtig, vor allem der Kopf spielt eine große Rolle. So zum Beispiel bereits beim Anlaufen. Viele Dinge, die mit dem eigentlichen Sport nichts zu tun haben, sind inzwischen wichtig geworden und genau in diese Kerbe wollen die Schönebecker weiter schlagen. „Wir sind immer bestrebt, das Training zu verfeinern. Wir machen Übungen zur Konzentrationsförderung und wollen in Zukunft mit einer Ernährungsberaterin zusammenarbeiten“, erzählt Müller. Ein gewisses Talent muss allerdings auch vorhanden sein, sonst wird es schwer. Doch neben all der Professionalität steht auch der Spaß im Vordergrund – ohne geht es auch beim Kegeln nicht.

Mit allen Mitteln versuchen die Classic-Kegler von Union Schönebeck, eine gewisse Professionalität aufzubauen. Die ersten Schritte dafür wurden bereits getan. Vor jedem Heimspiel der Männer laufen die Teams durch eine Nebelwand und werden dabei mit Namen aufgerufen. Diese Idee hat sich Guido Müller bei den Handballern des SC Magdeburg abgeguckt. „Das ist schon eine Art Alleinstellungsmerkmal. Michael Barth zum Beispiel hat erzählt, dass er danach richtig Gänsehaut hatte. Ich gucke mir viel bei anderen Sportarten ab und ziehe mir das Beste heraus“, erklärt Müller. Die Sache mit dem Einlauf war ein erster kleiner Schritt.

Denn Kegeln wird immer eine Randsportart bleiben, das sagt zumindest auch Abteilungsleiter Thomas Stacke. „Die Schritte bis zur richtigen Professionalität sind dennoch weit. Wir sind aber auf einem guten Weg und können immer wieder Zwischenziele erreichen.“

Allerdings sind diese wirklich klein, denn die Massen an Zuschauer bleiben aus. Ein Rätsel für alle Verantwortlichen. „Die Stimmung bei uns ist immer phänomenal. Wir haben sogar Trommeln. Aus dem Hobby ist längst ein Event geworden. Verrauchte und von Biergeruch getränkte Säle gehören der Vergangenheit an. Viele, die schon bei uns waren, sagen, dass es sehr schön bei uns ist“, so Müller.

Das Stichwort, welches dem Sportwart dann in den Kopf schießt, ist Vermarktung. „Samswegen ist das ‚stärkste Dorf der Welt‘. Störbeck ist ein Schachdorf. So etwas fehlt in Schönebeck“, stellt Müller fest.

Aber das soll sich in der Zukunft noch weiter ändern. Das Image des Kneipensports bestätigt sich nicht. Vor allem dann nicht, wenn ein Spiel auf der Anlage an der Barbarastraße live miterlebt wird.

Wer selbst Lust bekommen hat, die Sportart Classic-Kegeln auszuprobieren, kann sich telefonisch bei Guido Müller unter (0152) 03 83 79 89 melden.