Schönebeck l Karsten Bethke weiß, was sich als junger Fußballer, der noch so viel lernen muss, einfach gehört. Da hatte der 18-jährige junge Wilde vor einer Woche im Kreispokal für Union Schönebeck III doch tatsächlich drei Tore beim 4:1-Sieg gegen den BSC Biendorf erzielt. Hebt er jetzt ab? Natürlich nicht. „Das ist schön, ja. Aber ich lass das nicht so heraushängen und will mich nicht aus dem Fenster lehnen.“

Eines ist aber klar: Für den Stürmer, der bisher in der Verbandsliga für Union Schönebeck nur zu einem Kurzeinsatz gegen Blau-Weiß Zorbau kam, könnte das in der Rückblende irgendwann mal so etwas wie ein Dosenöffner gewesen sein, der zeigt, dass mit ihm durchaus zu rechnen ist. Er wird im Auswärtsspiel am Sonnabend beim Haldensleber SC (Anstoß 15 Uhr) sicher nicht von Anfang an spielen. Aber näher dran an der Startformation dürfte er auf jeden Fall sein.

Kreuzbandriss im November 2016

Bethke ist gebürtiger Schönebecker, durchlief die Jugend-Abteilungen beim Schönebecker SC, bevor er im Sommer 2016 in die A-Jugend von TuS Magdeburg wechselte. Dort riss er sich im November 2016 das Kreuzband. Monatelange Reha folgte, seit Ende August steht der Schüler, der 2018 sein Abitur macht, wieder auf dem Fußballplatz. Er sagt Dinge wie: „Es gibt sehr viele gute Spieler bei Union, von denen ich viel lernen kann. Philipp Glage zum Beispiel coacht mich oft und sagt mir, was ich besser machen kann. Ich weiß, dass ich noch Defizite habe.“

Trainer Torsten Brinkmann mag solche Einstellungen. Wie auch Bastian Lorenz ist Bethke „ein junger und begabter technischer Spieler. Ich weiß um seine Qualitäten. Ich rede viel, baue aber keinen Druck auf.“ Wann Bethke mehr Einsatzzeit bekommt? „Fleiß muss irgendwann belohnt werden“, sagt Brinkmann vielsagend. Er hat ja die drei Tore von Bethke vor Ort gesehen. Er hat gesehen, dass Bethke ein gutes Spiel gemacht hat. Vielleicht bekommt einer der beiden Jungspunde schon in Haldensleben eine Chance. Schließlich fällt mit Florian Dethlefsen (Bronchitis) eine Offensivkraft aus.

Der 24-Jährige ist aber wohl der einzige Ausfall. Brinkmann kann also die volle Bandbreite an technischen und taktischen Möglichkeiten beim HSC ausloten. Die Haldensleber, die über viele Jahre zu den besten Mannschaften der Liga gehörten, sind schlecht in die Saison gestartet. Nur ein Sieg aus sieben Spielen bedeutet: Abstiegsplatz. Eine Momentaufnahme, die auch laut Brinkmann keine komplette Augenwischerei ist. Schließlich musste Haldensleben im Sommer Leistungsträger ziehen lassen. Brinkmann fallen da sofort René Hasse (Ummendorf), Tobias Herrmann (Irxleben) und die Brüder Carsten und Christian Madaus (Burger BC) ein. „Das sind gestandene Spieler“, sagt der Coach. Auch von Verletzungssorgen ist die Mannschaft bisher nicht verschont geblieben.

Vollgas bei Union Richtung zweiter Auswärtssieg also? „Drei Punkte sind definitiv möglich. Haldensleben ist ein Team auf Augenhöhe.“ Das schlagbar ist. Wie immer gilt aber: Von der ersten bis zur letzten Minute muss Union an die Leistungsgrenzen gehen. Daran haperte es zuletzt noch. Auch beim 2:1-Sieg vor anderthalb Wochen gegen Sangerhausen. „Das sind Lernprozesse“, erklärt Brinkmann. Die Hänger haben also weniger mit körperlichen Defiziten zu tun, sondern sind ein Kopfproblem. So sieht es auch Brinkmann.

Das freie Wochenende war da bei Union tatsächlich zum Entspannen da. Ein Testspiel gab es nicht, Training auch nicht. Am eigentlichen Regenerationstag Montag stand eine Crossfit-Einheit in Magdeburg an. Dienstag ging es dafür schon komplett um technische und taktische Sachen. „Die Stimmung ist sehr gut. Es wird viel geredet. Die Spieler sind jetzt auch viel aktiver, als noch vor vier bis fünf Wochen“, so Brinkmann. Mit kleinen Schritten hat sich Union in der Liga festgebissen. So wie Karsten Bethke in der Mannschaft. Ein Tor in der Liga wäre natürlich großartig. Das würde dieser aber nie zwingend von sich selbst verlangen. „Mir fehlt noch die Spielpraxis. Wenn die Trainingsleistung stimmt, wird sich alles Weitere ergeben.“ Das ist ein Wort, Karsten Bethke.