Niegripp l Sie rannten sich fest, tappten in die Abseitsfalle und letztlich lief ihnen die Zeit davon: Für die Landesliga-Fußballer von Union Schönebeck endete die Reise zum Schlusslicht am Sonnabend mit einem enttäuschenden 0:0-Unentschieden. Mit Blick auf die Lernkurve des jungen Teams dürfte sich das Spiel in Niegripp jedoch noch auszahlen. Thomas Sauer hat gar nicht erst abgewartet, bis seine Mannschaft auch körperlich in der Halbzeitpause angekommen war. Bereits beim Gang in die Kabine knöpfte sich der Schönebecker Trainer seine Schützlinge lautstark vor: „Ihr steht mit drei Leuten im Zentrum herum.“ Momente zuvor hatte sich schon Justin Dehnecke für fehlende Positionstreue auf seiner linken Seite die verbale Kopfwäsche über den halben Platz hinweg vom Union-Coach abgeholt. Und so wurden am Sonnabend bereits nach der ersten Hälfte zwei Dinge augenscheinlich. Erstens: Der Favorit tat sich beim Landesliga-Schlusslicht schwerer, als ihm lieb sein konnte. Zweitens: Das schmeckte ihm absolut nicht.

45 Minuten und eine torlose Punkteteilung später hatte Sauer dagegen seinen Frieden mit dem glücklosen Auftritt seines Teams gemacht: „Natürlich sind es am Ende zwei verlorene Zähler. Wir waren über 90 Minuten die wesentlich bessere Mannschaft, haben uns Torchancen erarbeitet und nichts zugelassen. Aber ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen. Dass die Fehlerquote recht hoch ist, liegt zum Teil auch an den Platzbedingungen. Und dass wir in der ersten Hälfte oftmals die falschen Entscheidungen getroffen haben, ist dieser jungen Truppe absolut zuzugestehen.“

So war den Gästen das geringe Durchschnittsalter von 23 Jahren und das Fehlen wichtiger Routiniers wie Mathias Rhode oder Enrico Palm fraglos anzumerken. Doch auch die Gastgeber waren bislang personell nicht auf Rosen gebettet und haben am Sonnabend mannschaftliche Geschlossenheit bewiesen. Darin sah auch Spielertrainer Marcus Schlüter die Ursachen für den ersten Teilerfolg der Saison: „Wir sind wirklich als Einheit auf dem Platz aufgetreten. Und nur das kann für uns der Weg dort unten heraus sein.“

Gegen den Verbandsliga-Absteiger war der Matchplan der Blau-Weißen dann auch vorherzusehen: Im 4-4-2-System standen die Gastgeber enorm tief und diszipliniert, verschoben gut und ließen die Schönebecker in der ersten Hälfte kaum in die gefährliche Zone gelangen. Wenn doch, schnappte zumeist die Abseitsfalle zu. Nach knapp einer halben Stunde befreite sich der Außenseiter zunehmend.

Druck wird erhöht

Dass die Gäste nach dem Seitenwechsel den Druck weiter erhöhen würden, verstand sich von selbst. So köpfte zunächst Bolze nach einem Eckball nur knapp vorbei (53.). Nachdem der Niegripper Keeper Steffen Rateike stark gegen Erik Nordmann pariert hatte, wehrte Ronny Pantenburg auch den anschließenden Nachschuss auf der Torlinie ab (74.).

Dass es für die Elbestädter wirklich nicht sein sollte, wurde in der 85. Minute deutlich: Nach Flanke von Nordmann fälschte ein Niegripper den Ball ins eigene Tor ab. Schiedsrichertin Elfi Schwander gab den Treffer wegen einer zuvor erkannten Abseitsstellung jedoch nicht. Sauer ordnete ein: „Wenn die Mannschaft das ganze Spiel über solche Rückschläge verkraftet, zeugt das von einer starken Moral. Es gibt eben solche Partien, in denen wir nicht clever genug sind. Mit Blick auf unser Durchschnittsalter bietet das allein aber noch keinen Grund für Kritik.“ Zumindest nicht für solche ohne konkreten Anlass und direkte Ansprache wie in der Halbzeitpause am Wochenende.

Niegripp: Rateike – Zeuch, Westhause, Plünnecke, Pantenburg, Wittpahl, Schlüter, Ackmann, Schaffrath (90. Armbruster), Lindenblatt (87. Blum), Kramer (59. Mlynek)

Schönebeck: Pingel – Baumgarten (71. Schliemann), Reineke, Klepel (46. Schäfer), Weidemeier (65. Jesse), Drewes, Nordmann, Polczyk, Dehnecke, Bolze, Bethke

Tore: Fehlanzeige; SR‘in: Elfi Schwander (Seehausen/Altmark); ZS: 68