Schönebeck l Sieben Jahre ist es schon wieder her, dass in Deutschland die Wehrpflicht ausgesetzt wurde. Mancher Pazifist war da gar nicht so unglücklich darüber, nicht mehr zum Griff zur Waffe gezwungen zu werden. Aber in anderen Ländern herrschen andere Sitten. In Griechenland zum Beispiel existiert die Wehrplicht nach wie vor. Was ein großes Problem für den Fußball-Verbandsligisten Union Schönebeck ist.

Denn die Elbestädter haben mit Marios Zelekou einen Griechen in ihren Reihen, der kürzlich Post aus der Heimat bekommen hat. Am 10. Mai muss der 22-jährige Stürmer zum Wehrdienst antreten. Am Sonnabend auswärts beim SV Dessau 05 (Anstoß 15 Uhr) macht er sein vorletztes Spiel im grün-roten Dress, am Montag bei Bitterfeld-Wolfen sein letztes. Danach fliegt er nach Griechenland. „Das ist ein herber Verlust. Das tut schon weh“, sagt Trainer Torsten Brinkmann. „Ich schätze seine Qualitäten. Auch als Charakter.“

Weiter Kontakt zu Zelekou

Als Flügelflitzer brachte der Offensivmann viele neutrale Beobachter zum Staunen, seine Fähigkeiten am Ball sind enorm. Vielleicht ist Zelekou der beste Spieler, den die Schönebecker in ihren Reihen haben. Und er überzeugte eben nicht nur sportlich. „Er kam nach Deutschland, ohne ein einziges Wort deutsch zu sprechen“, erinnert sich Brinkmann. „Nun versteht er schon wichtige Fußballerbegriffe wie ‚hintenrum‘ oder ‚Diagonalspiel‘.“ Sonst läuft die Kommunikation auf englisch. Trotzdem war Zelekou auch ein Symbol für die Integrationskraft des Fußballs. Zehn Monate dauert der Wehrdienst. „Wir werden den Kontakt aufrecht erhalten“, sagt Brinkmann. Aber freilich kann der Coach nicht sagen, ob der Grieche danach wieder nach Deutschland zu Union zurückkehrt.

Die Schönebecker müssen die letzten beiden Partien mit ihm einfach genießen. Auch in Dessau. Das Hinspiel hatten die Grün-Roten mit 2:1 gewonnen. „Das war ein gutes Spiel, wir waren taktisch gut eingestellt, das hatte Hand und Fuß“, erinnert sich der Coach. Florian Dethlefsen erzielte Anfang November in der Nachspielzeit den Siegtreffer. Es war sein erstes Tor für Union. Drei weitere folgten. Selten spielte der 25-Jährige aber über 90 Minuten. Erst seit ein paar Wochen ist dem groß gewachsenen Offensivmann viel mehr Selbstbewusstsein anzumerken. Dethlefsen läuft nicht nur mit, sondern geht selbst voran. „Wir hatten im Winter ein ausführliches Gespräch“, verrät Brinkmann. „Er versucht sich zu verbessern, muss dranbleiben.“ Diesen Willen erkennt der Coach aber.

So kann auch Dethlefsen dabei helfen, in Dessau zu punkten. Wobei es da nicht unbedingt ein Sieg sein muss. „Das kommt auf das Spiel an. Wenn es gut ist, kann ich auch mit einem Punkt leben“, sagt Brinkmann. „Wir wollen unseren Mittelfeldplatz festigen.“

Nach vier ungeschlagenen Partien in Folge trägt bei dieser Mission auch das Selbstvertrauen dazu bei. „Das merkt man an der Stimmung im Team.“ Und obwohl die Mannschaft seit Wochen und wohl auch noch bis zum Ende der Saison arg dezimiert ist, punktet sie fleißig. Wobei das „obwohl“ auch einfach in ein „vielleicht genau deshalb“ umgeschrieben werden könnte. Der Teamgeist ist unter diesen Umständen gewachsen. „Die Mannschaft kann gut damit umgehen“, sagt Brinkmann. Auch morgen wird Christoph Irmscher (Rückenprobleme) fehlen. Benjamin Balder ebenso. „Vielleicht greifen wir daher wieder auf Michael Herzog zurück.“ Der letztjährige Kapitän hatte zwar im Sommer 2017 seine Karriere beendet, „hat sich aber angeboten, in der Not auszuhelfen.“ Drei Spiele in Folge hat der 33-Jährige jetzt absolviert. „Ich war überrascht. Er hat das gut gemacht“, so Brinkmann. Solche Siegertypen braucht Union Schönebeck.