Staßfurt l Der Schiedsrichterbeobachter war da. Da wollte das Referee-Gespann am Sonntag beim Derby in der Sachsen-Anhalt-Liga zwischen dem HC Salzland 06 und Lok Schönebeck natürlich alles richtig machen. Vielleicht war so die Szene kurz vor Beginn des Spiels zu erklären, das der HC Salzland am Ende mit 31:23 gewann. Beide Mannschaften hatten sich akustisch eingestimmt, die Zuschauer waren alle da, die Spielerinnen hatten sich positioniert. Alle waren startbereit. Doch die Schiedsrichter schickten die Teams zurück zur Bank. Es waren ja noch drei Minuten bis zur anvisierten Anwurfzeit.

Erst dann konnte es losgehen. Der verzögerte Beginn war eine Erklärung für den schwachen Start der Schönebeckerinnen. „Die Spielerinnen haben sich in der kalten Halle nicht richtig warm gemacht“, erklärte Schönebecks Coach Dirk Schedlo. Vielleicht waren die Frauen nach der dreiminütigen Zwangspause durch die Schiedsrichter aber auch einfach schon wieder kalt.

Wie auch immer. Jedenfalls lag Schönebeck schnell mit 0:4 hinten nach fünf Minuten. „Individuelle Fehler, schlechte Abspiele, wenig Körperspannung. Das waren fünf verheerende Minuten“, sagte Schedlo. Sein Gegenüber Stefan Rähm war natürlich voll des Lobes über die Anfangsphase. „Das war genau unsere Vorgabe“, erzählte der Trainer vom HC Salzland. Konzentriert stehen in der Abwehr, eine schnelle erste Welle spielen. „Das hat gut funktioniert.“

Wenn man so will, waren die ersten fünf Minuten schon die entscheidenden gewesen. Die Gäste aus Schönebeck rannten dem Rückstand während des gesamten Spiels hinterher. Zur Halbzeit stand es dann 15:10. Besonders Victoria Göpel zeigte ein bemerkenswertes Spiel. Sieben Tore erzielte sie in der ersten Halbzeit. „Das ist schon Weltklasse“, sagte Rähm, der aber zugleich die Mitspielerinnen lobte. „Die Pässe kamen zentimetergenau.“

Etwas mehr als zehn Kontertore hatten die Staßfurterinnen am Ende des Spiels gezählt. In der zweiten Halbzeit war es dann Neuzugang Juliane Schuldes, die für Staßfurt glänzte. Sie kam da allein auf sechs Tore.

Für Schönebeck waren die ersten fünf Minuten umso bitterer, weil die Gäste im restlichen Verlauf gegen den favorisierten HCS gut mithalten konnten. In der 40. Minute war die Lok bis auf drei Tore ran an Staßfurt, es lag Spannung in der Luft. Doch da kam der nächste Nackenschlag.

In kürzester Zeit kassierte Schönebeck drei Zweiminuten-Strafen. Zwischenzeitlich standen die Gäste nur noch mit drei Feldspielerinnen auf dem Parkett. „Da ziehen wir uns noch gut aus der Affäre. Doch kurz bevor wir uns ergänzen, bekommen wir die vierte Zeitstrafe“, erklärte Schedlo. Und dann ging es dahin für Lok. In zehn Minuten vergrößerte Salzland den Vorsprung auf zehn Tore. Ob die Zeitstrafen gerechtfertigt waren? Schedlo windet sich bei der Antwort. „Ich will mich nicht mehr aufregen“, sagte er und tut es dann doch. „Eine war völlig überzogen.“ Fakt ist: Ab der 50. Minute war das Spiel entschieden. Rähm sah die hektischen zehn Minuten da entspannter, logischerweise. „Jede Mannschaft würde diesen Vorteil doch ausnutzen. Aber ich habe auch keine Gefahr gesehen, dass die Partie kippt. Im gesamten Spiel nicht.“

Rähm war rundum zufrieden, auch mit den letzten Minuten, als Schönebeck die Niederlage noch etwas erträglicher gestalten konnte. Was auch an Rotationen beim HCS lag. Vor allem die jungen Spielerinnen durften da nochmal ihr Können beweisen. „Erfahrung kann nur im Spiel gesammelt werden, das ist unsere Philosophie“, so Rähm. Schönebeck hingegen zeigte noch mal Moral. Das war positiv für Schedlo. „Wir haben uns nie aufgegeben. Wir wissen, woran es liegt“, sagte er.

Und so zogen, untypisch, beide Trainer am Ende ein positives Fazit. Salzland festigte seine Spitzenposition. Die Lok hat erkannt, dass sie mithalten kann gegen Topteams. Das blieb hängen.

HC Salzland: Braune, Weiß – Zeidler (3), Schuldes (6), Mittwollen (2), Fiedler (1), Kregelin (1), Nahrendorf (1), Brunne (1), Ellermann, Friedrichs (1), Sachse (5), Göpel (7), Hähnel (3)

Schönebeck: Krakau, Nowicki – Sejdovic (1), Schedlo (5), Depta (2), Bertelmann (4), Sauer (3), Stagge, Vivien Goldgraebe (5), Moschner, Bullert (3), Degen

Siebenmeter: Salzland 3/3 – Schöneb. 7/6 Zeitstrafen: Salzland 4 – Schönebeck 7