Staßfurt l Vor einem Endspiel werden oft zahlreiche Vergleiche bemüht, um einen Favoriten auf den Titel auszumachen. Nicht anders ist es beim Finale des Salzlandpokals heute um 18 Uhr im Stadion der Einheit in Staßfurt, wenn die ZLG Atzendorf (Landesklasse III) und der FSV Rot-Weiß Alsleben (Landesklasse IV) aufeinander treffen. In einer Kategorie dürften die Blau-Weißen dabei aber klar die Nase vorn haben: der Erfahrung. Allein auf dem Trainerstuhl hat die ZLG mit Heinz Weile einen Coach, der in seiner Karriere schon so viel gesehen und zahlreiche Endspiele als Spieler und Trainer mitgemacht hat. „Da lief es immer sehr gut, ich bin schon Bezirkspokalsieger in der DDR geworden“, sagt der 65-Jährige. „Ich habe erst ein Endspiel verloren.“

Und das in einer sehr langen Karriere. Dazu soll sich nun im besten Fall kein zweites gesellen. Denn immer noch brennt Weile für dieses Erlebnis. „Es geht um alles oder nichts, beide wollen gewinnen.“ Natürlich ist sich nicht nur der Coach bewusst, was dieses Spiel für einen Stellenwert für den Verein hat. „Das ist ein Highlight. Wir können die Saison nochmal aufwerten.“ Doch nicht nur das: Auch eine historisch schlechte Bilanz im Pokal, in den vergangenen acht Jahren war sieben Mal in der ersten oder zweiten Runde Schluss, könnte aufgebessert werden. Zwar ist schon der Finaleinzug ein Erfolg, aber wer in einem solchen Endspiel steht, der will auch gewinnen. „Die Vorfreude ist riesig. Jeder weiß, worum es geht. Was besseres als so ein Endspiel gibt es doch nicht.“

Alsleben leicht favorisiert

Doch mit den Erwartungen steigt auch der Druck. Deshalb fordert Weile: „Wir dürfen nicht überdrehen, wir müssen cool bleiben.“ Dann könnten es die Blau-Weißen schaffen und Historisches leisten. Dass die Aufgabe dabei alles andere als einfach wird, ist bei der ZLG allen bewusst. „Alsleben ist nicht umsonst fast aufgestiegen“, so Weile. Der FSV belegte in der Landesklasse IV den zweiten Rang, nur zwei Punkte hinter Eintracht Emseloh. „Das ist eine sehr gute und kompakte Mannschaft mit großer individueller Klasse“, warnt Weile. „Das wird eine große Herausforderung. Wir müssen alle Kräfte mobilisieren.“

Leicht favorisiert sind die Alsleber, die den Salzlandpokal im Jahr 2016 gewinnen konnten, nach dieser Saison sicherlich. Aber das muss nichts heißen, das weiß keiner besser als Weile: „ So ein Endspiel ist meist von Sicherheit geprägt, die Gegner tasten sich erst einmal ab und dann gilt es, die richtige Reaktion zu zeigen.“

Sollte diese Initialzündung von den Rot-Weißen kommen, müssen die Atzendorfer besonders auf Sebastian Horner aufpassen. Der Stürmer ist die fleischgewordene von Weile angesprochene individuelle Klasse. Der 30-Jährige erzielte nicht nur in dieser Saison 20 Tore in 21 Spielen, er ist seit Jahren der Torgarant beim FSV. „Wir müssen uns gut auf ihn einstellen und die Räume zumachen“, fordert Weile. Ähnliches wird der Kontrahent mit Sebastian Tolle vorhaben. Die Atzendorfer Torgarantie kam auf 18 Treffer für den Tabellenneunten der Landesklasse III. Und er soll auch im Finale eine wichtige Rolle spielen. „Wir müssen seine Qualitäten ins Spiel bringen, dürfen uns aber auch nicht nur auf ihn verlassen“, so der Coach.

Torhüterfrage noch offen

Immerhin wird die ZLG nicht wieder mit einer Notelf spielen müssen wie so oft in den schwierigen vergangenen Wochen. „Wir werden mit unser zurzeit besten Formation in das Spiel gehen.“ Auch in der Defensive, in der mit Phillip Voigtländer ein wichtiger Innenverteidiger fehlt, hat der Trainer keine Bauchschmerzen. „Karel Tupy kann ihn gut ersetzen“, so Weile. Und dahinter? Immerhin zeigte nicht erst das jüngste Finale in der Champions League, dass ein Keeper einen hohen Stellenwert einnehmen kann. Spielt der erfahrene Lukas Fiser oder doch der junge und hungrige Dave Nöpel? „Mal sehen“, so Weile. „Wenn zwei sich streiten, freut sich auch oft der Dritte“, scherzt er. Auch Sascha Eisenträger, der seine Karriere eigentlich schon beendet hatte, zuletzt aber häufiger wieder dabei war, ist eine Option.

Der Trainer möchte sich da nicht in die Karten schauen lassen. Zu wichtig ist das Spiel, zu groß die Chance auf den Titel. Und wenn es klappen sollte? Verabschiedet sich Weile dann nach einer langen Karriere mit einem Titel in den Trainerruhestand? „Nein, wir haben uns schon geeinigt, dass ich noch ein Jahr weitermache“, so der 65-Jährige, der einfach zu viel Spaß an dieser Tätigkeit hat. „Ich hoffe, dass wir uns noch weiter verbessern in Zukunft.“ Und ein Pokalsieg würde sicherlich sein Übriges dazu beitragen.