Salzlandkreis l Es lief alles sehr harmlos an. Doch am vergangenen Sonntag kam es zum großen Bruch. Die Angst vor einem unsichtbaren Gegner ist schlagartig in die Höhe geschnellt. Hamsterkäufe sind an der Tagesordnung, denn bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) müssen die betroffenen Personen für 14 Tage in Quarantäne. Weiter ging es mit Schulschließungen und dem Eindämmen von sozialen Kontakten. Bars, Clubs, Restaurants. Alles ist geschlossen, die Welt scheint sich weiter zu verlangsamen. Als die generelle Spielabsage des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt (FSA) am Donnerstag vergangener Woche publik wurde, reagierten viele ebenfalls skeptisch. Die Maßnahme sei vielmehr Panikreaktion als wirksamer Schutz vor der Ausbreitung der Corona-Epidemie. Doch nach den folgenden Maßnahmen hat sich das Bild etwas geändert.

Das wurde über das Wochenende auch anhand der Online-Umfrage auf unserem Amateurfußball-Portal FuPa deutlich. Vor dem Wochenende gestartet, beteiligten sich bis zum Montagabend rund 1500 Nutzer. 57,4 Prozent befürworten demnach die Aussetzung des Spielbetriebs, 42,6 Prozent sprachen sich dagegen aus. Eine knappe Entscheidung, jedoch wurde ein Großteil der Stimmen bereits am Freitag, beziehungsweise Sonnabend abgegeben; also zu einem Zeitpunkt, als die jüngsten Entwicklungen noch nicht absehbar waren. Es mag Spekulation bleiben, doch darf als wahrscheinlich gelten, dass die Zahl der Befürworter einer Absage nach dem Wochenende gestiegen ist.

Schutz im Vordergrund

Für einen Großteil der Spieler, Trainer und Funktionäre im Salzlandkreis ist dies jedoch ein logischer Schritt, denn „der Schutz aller steht im Vordergrund“, sagt Mathias Rhode von Union Schönebeck. „Es können Leute aus dem Urlaub wiederkommen, die keine Symptome zeigen. Dann stehen alle gemeinsam auf dem Platz und die Ansteckung nimmt rapide zu“, liefert der Kapitän des Landesligisten eine plausible Erklärung nach, warum eine Unterbrechung richtig ist.

Auch Christoph Berlau stuft die Generalabsage als vernünftig ein. „Zu einem Spiel oder auch Training kommen nicht nur zehn Mann. Rechnet man mit beiden Mannschaften, dem Schiedsrichter und allen ehrenamtlichen Helfern, können es ganz schnell über 50 Personen werden und das ohne Zuschauer“, sagt der Spieler des MTV Welsleben. „Alles vorerst auf Eis zu legen, ist die richtige Entscheidung, auch wenn es in meinen Augen etwas zu spät geschah.“

„Die Gesundheit der Spieler und allen anderen beteiligten Personen stehen in diesen Zeiten besonders im Vordergrund“, meint auch Bernhard Knoll, der sportliche Leiter der ZLG Atzendorf. „Natürlich bin auch ich enttäuscht, aber wir müssen damit eben leben. Dieser Virus ist nicht wirklich einzuschätzen, daher sind diese Maßnahmen für mich richtig. Jeder trägt eben auch etwas Verantwortung für sich selbst.“

Nicht nur im Fußball sollte dabei die Ausbreitung im Vordergrund stehen, sondern auch im alltäglichen Leben. Denn nicht nur der Sport muss Verantwortung übernehmen. Alle Mitmenschen sollten darauf achten, sich an die Tipps zu halten, um die Ausbreitung zu verlangsamen. „Bis auf weiteres alles einzustellen ist genau der richtige Weg. Die Zustände im Ausland sind viel schlimmer. Da gibt es Ausgangssperren und ohne schwarzmalen zu wollen, ich denke, das wird uns auch noch bevorstehen“, sagt Markus Evert, Spieler und Pressewart der TSG Unseburg/Tarthun. „Dennoch fahre ich weiterhin ganz normal einkaufen.“

Normal ist nichts

Doch so recht „normal“ ist in Zeiten der Corona-Krise nichts. Denn auch wenn ein Großteil der Bevölkerung die Generalabsagen befürwortet, bleibt auch die große Frage, wie es weitergehen soll. „Es wir immer schwerer, die Liga zu Ende zu bringen. Keiner kann sagen, wie es weitergeht und wenn, wie? Ich denke nicht, dass sich die Lage bis zum 28. März gebessert hat“, meint der Abteilungsleiter der TSG Calbe, Rainer Schulze. Die UEFA (Union of European Football Associations) verschiebt die Europameisterschaft in das Jahr 2021 und macht somit auch den Weg frei, die bisher unterbrochene Saison bis weit in den Sommer laufen zu lassen.

„In dieser Entwicklung müssen alle konsequent bleiben. Die Saison abzuschließen ist in meinen Augen der richtige Weg“, positioniert sich Knoll. Und vertritt damit die Meinung vieler Menschen.

Sport ist nicht alles

„Sport ist eben aber auch nicht alles“, sagt Christoph Kühne, Trainer des VfB Glöthe. „Es ist die richtige Entscheidung. Wir als Verein haben zudem den Trainingsbetrieb eingestellt. Jeder ist in diesen Zeiten für den anderen mitverantwortlich“, so Kühne. Für das Privatleben gab es jedoch einige Einschnitte, die auch der VfB-Coach zu bewältigen hat. „Am Sonnabend zuhause zu sein ist doch schon sehr ungewohnt“, ist sich der Übungsleiter sich nicht ganz sicher, ob das nun gut oder schlecht ist.

Im Endeffekt ist es aber gut, denn die Zeit mit der Familien ist auch wichtig. Zudem sind Spaziergänge in der Natur gerade voll im Trend und um sich fit zuhalten, kann die Gangart ja auch etwas verschärft werden. Je schneller der Virus bekämpft und eingedämmt werden kann, umso schneller werden die Sportplätze wieder bevölkert werden. Und die Generalabsage war die richtige Entscheidung.