Staßfurt l September 1998. Spätsommerliches Wetter in Staßfurt. Es war wie immer an einem Sonnabend in der Bodestadt. Es wurde gekickt. Damals empfingen die Staßfurter in der Vorrunde des Landespokals den VfB Germania Halberstadt. Und retteten sich durch ein Tor von Artan Krasniqui (heute Isufi, Spielertrainer des SV Förderstedt) mit 1:1 in das Elfmeterschießen. Der erste Schütze für Staßfurt ging entschlossen aber doch leicht nervös an den Punkt. Er hieß Jens Liensdorf. Der damals erst 17-Jährige verwandelte. Das Pokalspiel ging dennoch mit 4:5 verloren. Doch die Erinnerung bleibt.

Über 21 Jahre später denkt der heute 38-jährige Coach des Landesliga-Vertreters SV 09 Staßfurt gern zurück. „Ich kann mich noch genau an das Spiel erinnern. Das war mein erster Elfmeter im Männerbereich. Es war natürlich schön, dass ich getroffen habe, aber es war ärgerlich, dass wir ausgeschieden sind.“

Und während die beiden Teams in den 90er-Jahren noch auf Augenhöhe agierten, ist das vor dem erneuten Duell ganz anders. Morgen um 14 Uhr empfängt im Stadion der Einheit ein Landesligist einen drei Klassen höher spielenden Regionalliga-Vertreter. In der Zweitrunden-Partie des Sachsen-Anhalt-Pokals liegt die Favoritenrolle mehr als eindeutig beim Gast. Die Vorfreude an der Bode ist dennoch riesig. „Es ist eine super Sache, dass wir mal ein Heimspiel im Pokal haben und dann auch noch gegen einen Regionalligisten. Das ist der Höhepunkt der Saison“, sagt Liensdorf.

Gleichermaßen weiß der Coach auch, dass die Chancen auf ein Weiterkommen gegen Null tendieren. Spätestens seitdem er das jüngste 1:1 der Vorharzer gegen den SV Lichtenberg gesehen hat, weiß er, dass der VfB über „eine enorme Klasse“ verfügt. „Die Spieler sind alle jung, schnell und haben eine top Ausbildung genossen“, spricht er auch das Durchschnittsalter der Halberstädter von gerade einmal 21,87 Jahren an. „Es ist ein Team für die Zukunft, ein mutiges Projekt“, äußerte auch VfB-Trainer Sven Körner jüngst gegenüber der Volksstimme.

Fehlende Erfahrung

Die fehlende Erfahrung ist sicher auch der Hauptgrund, warum es in der Regionaliga mit nur zwei Siegen aus elf Spielen noch nicht läuft. Ob sich die 09er diese Unerfahrenheit des Kontrahenten zunutze machen können? „Wenn wir das Spiel lange ausgeglichen gestalten, wird der Gegner vielleicht unruhig“, blickt Liensdorf in die Glaskugel, hält aber fest: „Ich kann es mir nicht vorstellen. Manche Spieler haben trotzdem schon mehrere Stationen hinter sich und auch in jungen Jahren viel Erfahrung.“

Die Devise ist, wie immer bei derartigen Konstellationen, klar. „Solange wie möglich die Null halten“ wollen auch die Staßfurter. Und Liensdorf macht auch keinen Hehl um die taktische Marschroute: „Wir werden mauern.“

Fakt ist: Um die Zuschauer wieder milde zu stimmen, muss ein ganz anderes Gesicht gezeigt werden als bei der 1:4-Niederlage gegen den MSV Börde zuletzt. „Die Wunden waren enorm, die Spieler waren am Boden zerstört“, weiß Liensdorf. Aber sie haben in der Trainingswoche auch entsprechend auf den blutleeren Auftritt reagiert. „Die Spieler haben ein Zeichen gesetzt, dass es so nicht weitergehen kann. Es muss jetzt auch ein Ruck durch die Mannschaft gehen, sonst verkorksen wir uns die Saison selbst. Und das wäre nach unserem guten Start unnötig.“

Das Ergebnis am Wochenende wird dabei nicht entscheidend sein, sondern der Auftritt gegen den Regionalligisten. „Wenn wir defensiv gut stehen, können wir uns Selbstvertrauen holen. Das wäre ein erster kleiner Schritt“, so Liensdorf. An Motivation sollte es ja nicht mangeln. „Alle Spieler fiebern der Partie entgegen, vor allem die jüngeren. Das hat man ja nicht jedes Jahr.“ Entsprechend gab es bislang auch keine Absagen.

Die Zuschauer, und die 09er hoffen auf eine „gute Kulisse“, dürfen sich auf ein interessantes Spiel freuen. Der Eintritt wird sieben Euro kosten, Parkplätze sind nur außerhalb des Stadiongeländes verfügbar. Es ist also angerichtet. Und wird vielleicht sogar spannend. Abzuwarten bleibt dann nur noch, wenn es tatsächlich zu einem Elfmeterschießen kommen sollte, ob Liensdorf dann auch einen 17-Jährigen voran schickt.