Staßfurt l Diese leidvolle Erfahrung musste auch der HV Rot-Weiss Staßfurt in der Handball-Sachsen-Anhalt-Liga machen. Ein Spiel. Es geht um alles oder nichts. Ziel erreichen oder scheitern. Das alles erlebten die Handballer des HV Rot-Weiss Staßfurt in der vergangenen Sachsen-Anhalt-Liga-Saison. Am letzten Spieltag ging es für die Rot-Weissen daheim gegen die SG Spergau. Ein Sieg und der Traum vom Aufstieg, der Rückkehr in die Mitteldeutsche Oberliga, wäre gelungen. Doch Staßfurt verlor mit 26:32. Das bedeutete Rang drei. Damit war der Aufstieg futsch. Zum Scharfrichter der Spielzeit wurde aus RWS-Sicht aber das Hinspiel in Spergau. Und so ist der 9. Dezember 2018 letztlich der Schicksalstag der Rot-Weissen-Saison.

Schwere Verletzungen

Dieser endete kurioserweise im Jubel. Spergau wurde, trotz zwischenzeitlich beinahe aussichtslosem Rückstand mit 30:29 bezwungen. Doch die Freude wich schnell dem Schock. Über dem Sieg lag ein dunkler Schatten. Nils Hähnel (Kreuzbandriss im Knie) und Martin Strnad (Bandscheibenvorfall) verletzten sich schwer. Zwei Schlüsselspieler brachen weg. Ein Rückschlag, der am Ende wohl hauptursächlich für das Verpassen des Saisonziels Aufstieg war.

Zuvor begann die Spielzeit turbulent. Neben deutlichen Siegen gegen Aufsteiger Osterburg (40:19) und beim SV Langenweddingen (33:23) gab es auch zwei schmerzliche Niederlagen. Im prestigeträchtigen Derby gegen die TSG Calbe wurden die Bodestädter beim 19:27 regelrecht abgewatscht und auch beim TuS Radis verlor das Team mit 24:26. Danach trat Trainer Sven Liesegang zurück. Mannschaftskapitän Sebastian Retting übernahm als Spielertrainer. „Die Niederlagen am Anfang haben uns wehgetan. Wir haben schnell gemerkt, dass es mit dem Aufstieg nicht so leicht wird, wie viele vielleicht gedacht haben. Und auch der Trainerwechsel hat natürlich Unruhe mit sich gebracht“, erinnert sich Retting. Doch das Blatt wendete sich zum Guten. Die Rot-Weissen starteten eine Erfolgsserie. Einschließlich des Spergau-Spiels blieb Staßfurt neun Spiele in Serie ungeschlagen. „Das war der Höhepunkt der Saison. Ich hatte in dieser Phase ein wirklich gutes Gefühl. Nach dem emotionalen Sieg in Spergau hätte wahrscheinlich jeder kommen können. Wir hätten wohl alle geschlagen“, beschreibt Retting die damalige Euphorie im Team.

Doch diese verschwand in der Weihnachtspause schnell, denn das Wegbrechen von Nils Hähnel, der in Angriff und Abwehr der Fels in der Brandung war und der gleichzeitige Ausfall von Spielmacher Martin Strnad, stellte sich nachfolgend als zu große Hypothek heraus. „Wir sind in ein mentales Loch gefallen“, meint Retting.

Zu Beginn der Rückrunde versuchte man in Staßfurt mit den Neuverpflichtungen von Patrik Postelt und Andy Beinhoff trotz der Schwierigkeiten das Saisonziel Aufstieg nicht aus den Augen zu verlieren. Auch Spieler aus der zweiten Reihe, wie Alexander Ernst, übernahmen deutlich mehr Verantwortung. Richtig rund lief es fortan aber nicht mehr. Ein Remis gegen Langenweddingen, die zweite Derby-Pleite in Calbe und später ein Remis bei der SG Kühnau sorgten für zu viele Punktverluste. Zähler gab es indes zweimal kampflos, weil der HSV Magdeburg und der Dessau-Roßlauer HV II wegen Spielermangel nicht antreten konnten. Diese Tatsache trug ebenfalls dazu bei, dass RWS nie wieder richtig ins Rollen kam.

Chance am letzten Spieltag

Dennoch bestand am letzten Spieltag im Heimspiel gegen die SG Spergau noch die Chance auf Platz zwei. Dieser hätte zum Aufstieg genügt, weil Meister Calbe frühzeitig verzichtete. Doch diese Möglichkeit konnten die Staßfurter nicht nutzen und nehmen nun, nach der 26:32-Niederlage in der kommenden Saison einen neuen Anlauf. Dazu wurde das Team bereits zahlreich verstärkt. „Im Sport ist vieles vorbestimmt und Glück und Pech spielen eine große Rolle. Es sollte in diesem Jahr einfach nicht sein“, lautet Rettings abschließendes Saisonfazit.