Staßfurt l Pierre Altnau musste sich schon zusammenreißen, damit ihm nicht die Kinnlade herunterfällt. Der Coach des HC Salzland konnte am Sonnabend nur staunen. Im Finale des diesjährigen HVSA-Pokals empfing das gestandene Team aus der Sachsen-Anhalt-Liga den unterklassigen SV Oebisfelde (1. Nordliga). Und ließ sich dabei völlig überrollen. Das Spiel endete eindeutig mit 23:36 (11:21). Im Nachgang konnte Altnau den Gästen nur Respekt zollen. „Sie hatten eine gute Spielidee und haben diese konsequent umgesetzt.“

Aus einer stabilen Abwehr heraus hatte der Nordligist Konter gesucht und diese eiskalt genutzt. Von der ersten Sekunde an. So setzte sich der SV Oebisfelde auf 5:1 ab (7.). „Das war der Überraschung geschuldet“, begründete Altnau den Fehlstart. Nach fünf torlosen Minuten, in denen sich das Spiel etwas beruhigte, folgte wieder ein Tor der Gäste (6:1, 13.). Und darauf eine Auszeit von Altnau, in der er „Tacheles redete“. Doch ohne Wirkung. „In der ersten Hälfte haben wir überhaupt keine Ruhe hinein bekommen, es war total hektisch.“ Was Altnau am meisten ärgerte, war die Unsicherheit seiner Spielerinnen. „Was sonst gut klappt, hat in diesem Spiel nicht funktioniert. Wir haben uns völlig von unserem Plan abbringen lassen.“

Und so lief offensiv fast gar nichts zusammen. Jo-Ann Brunne war mit ihren zwölf Toren noch der einzige Lichtblick. Insgesamt „haben wir uns mit der Abwehr des Gegners aber sehr schwer getan“. Und das lag vor allem an den „drei robusten Spielerinnen“ um Lena Witzke. „Sie haben sich überhaupt nicht herauslocken lassen. Meine Spielerinnen konnten die Vorgaben nicht umsetzen. Sie wollten nicht in die Lücken gehen. Und hatten dann auch noch Pech, dass die Pfiffe ausblieben.“ Die nur drei erzielten Tore nach mehr als einer Viertelstunde sprachen Bände (3:11, 17.).

Auf und ab

Nachdem Salzland den Rückstand nach 23 Minuten zumindest etwas verträglicher gestalten konnten (10:15), folgte wieder eine schwache Phase, in der Oebisfelde bis zur Pause eine Zehn-Tore-Führung herauswerfen konnte. Dabei kam neben den Defiziten im Angriffspiel das zweite Problem des Tages zum Tragen. Auch die Leistung in der Deckung stimmte überhaupt nicht. „Ich bin mit der Einstellung in der Abwehr nicht zufrieden. Keine Spielerin hat ein Zeichen gesetzt, keine hat Verantwortung übernommen“, kritisierte Altnau. Natürlich fehlt die verletzte Führungsspielerin Yvonne Sachse. An allen Ecken und Enden. Und keiner konnte diese Lücke schließen.

Das bereits zur Pause entschiedene Hinspiel des Finales nutzte Altnau in Hälfte zwei dann schon, „um Dinge für die Liga auszuprobieren“. So wie das Spiel mit sieben Feldspielerinnen, das sich „sehr positiv entwickelt.“ Ein Stück weit zeigte das aber auch: Das Finale ist wohl schon entschieden, obwohl es noch ein Rückspiel am 5. Mai gibt. „Der Rückstand ist sehr groß, aber wir werden uns etwas überlegen.“ Richtiger Optimismus hört sich jedoch anders an.

Salzland: Braune, Ellermann - Zeidler (2), Wolff-Reike (3), Mittwollen (2), Kregelin (1), Nahrendorf (2), Brunne (12), Friedrichs, Kriebel (1)

Siebenmeter: Salzland 6/4 - Oebisfelde 4/4 Zeitstrafen: Salzland 2 - Oebisfelde 4