Staßfurt l Wie halten Sie es mit dem Glauben? Sind Sie religiös? Kann Ihr Glaube allein Berge versetzen, gibt er Ihnen Halt in schwierigen Lebenslagen? Nun wird dem Sport im Allgemeinen keine religiöse Bedeutung zugemessen. Aber auch die Handballer vom HV Rot-Weiss Staßfurt aus der Mitteldeutschen Oberliga müssen sich angesichts ihrer sportlich so ausweglosen Situation als Schlusslicht der Liga mittlerweile auch mit guten Worten helfen, um sich überhaupt noch zu motivieren.

Am Sonnabend müssen die Staßfurter auswärts beim HSV Apolda in Thüringen antreten (Anwurf 20 Uhr). Glaubt Staßfurt tatsächlich an einen Sieg? „Wenn wir nicht dran glauben würden, hätten wir keine Motivation mehr. Dann bräuchten wir gar nicht erst hinzufahren“, sagt Trainer Sven Liesegang. „Es wird immer enger für uns. Aber nichts ist unmöglich im Sport.“ Die Gretchenfrage ist damit also beantwortet.

Abstieg kein Weltuntergang

Liesegang ist kein Freund davon, gedanklich weit in der Zukunft herumzustreifen, er denkt gerne nur an das nächste Spiel, aber auch er hat schon einmal darüber nachgedacht, was denn nun wäre, wenn Staßfurt tatsächlich absteigt. „Dann geht das Leben trotzdem weiter. Wir sind keine Handball-GmbH in Staßfurt, wo das Überleben des Vereins an die Liga gebunden ist.“ Was er sagen will: Oberliga-Handball ist in Staßfurt Halbprofitum. Kein Spieler verdient hauptamtlich Geld. So gesehen kann der HV Rot-Weiss auch mit einer gewissen Gelassenheit in das Spiel in Apolda gehen. Vielleicht hilft das? „Vielleicht liegt darin auch eine Chance, wenn keiner mehr mit uns rechnet“, sagt Liesegang.

Aber auch ganz konkret sieht er genug Anlass, um für den Sonnabend die Flinte nicht ins Korn zu werfen. „Apolda hat internationales Flair, spielt sehr körperbetont mit einer aggressiven aber nicht unfairen Abwehr. Das sieht man auch an den Ergebnissen.“ Apolda wirft nie viele Tore, bekommt aber auch nie viele Treffer. Apolda und Staßfurt ähneln sich dabei sogar in der Spielweise. Denn auch der HV Rot-Weiss kommt über eine gesunde und aggressive Abwehr. „Ich denke, Apolda liegt uns“, sagt der Coach also. „Wir sind nicht chancenlos.“ Was auch am Personal liegt. Cosmin Tiganasu wird wieder im Kader stehen. Das macht Mut. Auch Marvin Frank ist an Bord. Der 22-Jährige ist eine große Stütze in der Abwehr. Aber nicht nur da. Der Rückraumspieler verfügt auch über einen tollen Wurf. Das hat auch Liesegang erkannt. „Ich sehe ihn jetzt seit anderthalb Wochen im Training. Ich muss schon sagen, ich bin sehr angetan.“ Sagt der Mann, der einst beim SC Magdeburg Deutscher Meister wurde und die Champions League holte.

Sicher kann Frank helfen, die Partie länger offen zu halten. Dabei muss aber auch die gesamte Mannschaft an sich selbst arbeiten. „Durch Ball wegwerfen, Meckerei oder Revanchefouls haben wir unnötig viele undisziplinierte Zeitstrafen bekommen“, klagt Liesegang. Das wurde am Montag thematisiert. Das hat was mit der Einstellung zu tun. Die muss sich positiv verändern.

Aber es ist tatsächlich so: Eine Niederlage würde den Abstieg ein kleines Stückchen mehr zur Realität machen. Natürlich denkt der Verein schon über die Saison hinaus. Erste Spieler haben den Daumen gehoben, um auch in der Sachsen-Anhalt-Liga für Staßfurt auf der Platte zu stehen. Und der Trainer? „Es ist noch ein bisschen früh. Aber es wurde schon mit mir gesprochen. Ich muss noch mit meiner Frau drüber reden. Klar ist: Ende des Monats sollte das feststehen. Aber das wäre schon reizvoll mit der neuen Halle einen Neustart zu machen.“ Ganz abgeneigt ist er also nicht.