Staßfurt l Freude und Leid liegen oft nah beieinander. Das durfte Sebastian Retting am Sonnabend am eigenen Leib spüren. Im Kellerduell der Mitteldeutschen Oberliga gegen den HC Einheit Plauen stieg er hoch und erzielte das 26:22 (59.). Anderthalb Minuten vor dem Ende der Partie war es das Tor, das den 27:23-Sieg der Staßfurter besiegelte. Für den Kapitän war es aber ein schmerzhafter Treffer.

Im Wurf wurde er vom Einheit-Spieler Jan Richter, der dafür die Rote Karte sah, so hart gefoult, dass seine Lippe aufplatzte und er behandelt werden musste. „Handball ist ein Kontaktsport. Keiner in der Liga macht so etwas absichtlich“, sagte der Staßfurter Coach Sven Liesegang im Nachgang. „Der Cut ist doch egal. Er hat das entscheidende Tor gemacht. Nichts anderes zählt.“ Und dennoch: Dieser Treffer hatte für das Spiel symbolischen Charakter, war der Heimsieg der Staßfurter doch schwer erkämpft. Liesegang wusste: „Kampf ist eine Staßfurter Tugend.“ Und genau damit wurde das Spiel letztlich gewonnen.

Das Duell gegen die Sachsen startete auf Augenhöhe. In der Anfangsphase konnte sich keines der Teams absetzen (3:3, 10.). Weil der HV Rot-Weiss vorn aber nicht akribisch genug agierte und viele Chancen vergab, setzten sich die Gäste etwas ab. Als Einheit mit vier Toren führte (12:8, 28.), vermuteten viele in der Merkewitz-Halle schon eine erneute Pleite. Noch vor der Pause erzielte zunächst Nils Hähnel das 9:12. „Er war unser einziger Angriffsspieler, dem in der ersten Hälfte etwas gelang“, war auch Liesegang nicht zufrieden. „Alle anderen waren nicht mutig genug.“ Andreas Steinbrink gelang drei Sekunden vor der Pause mit einem Wurf aus der Drehung das 10:12.

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Und unter anderem dieser Treffer scheint die Hausherren für die zweite Hälfte beflügelt zu haben. Nach dem schnellen Ausgleich zum 13:13 (36.) war das Spiel wieder völlig offen. Die Staßfurter waren in der Folge die klar bessere Mannschaft. Konnten sie sich zunächst noch nicht richtig absetzen, kam es ab der 45. Minute zu einer entscheidenden Phase. Eine gute Parade von Patrick Tuchen verschaffte den Rot-Weissen vorne Luft. Egal ob Hähnel den Ball hinter dem Rücken für Schöne liegen ließ (17:16, 46.) oder eben dieser Oliver Jacobi bediente (17:18, 47.), die Angriffe der Gastgeber waren sehr ansehnlich.

Starke Kombinationen über Jacobi

Der Lohn? Die erste Zwei-Tore-Führung. Im dritten Anlauf traf wieder Jacobi. Als dann im Gegenzug Tuchen wieder stark parierte, leitete er den folgenden Ballbesitz ein, der wieder zu einem Jacobi-Tor führte (20:17, 50.). Der Kreisspieler erwischte einen guten Tag, war mit acht Treffern sogar bester Werfer. Anerkennung gab es dafür sogar von Einheit-Coach Rüdiger Bones. „Wir haben es nicht geschafft, das Kreisläuferspiel der Staßfurter zu unterbinden. Wir haben in der zweiten Hälfte total die Linie verloren.“

Ganz anders der HV Rot-Weiss, der sich nach einer Auszeit beim Stand von 22:20 (53.) fast in einen Rausch spielte. Jacobi tankte sich an drei Gegenspielern vorbei und erzielte das 23:20. Toni Fanselow musste kurz danach nur das leere Tor treffen, zelebrierte das aber, lief bis zum Kreis und schloss wuchtig ab. Die Erleichterung war ihm anzusehen. Auch wenn er das nicht gerne macht, musste Liesegang dem 20-jährigen Fanselow ein „Sonderlob“ aussprechen: „Er hat die Vorgaben sensationell umgesetzt.“

Nachdem Retting schon das 25:20 erzielte (56.), wackelten die Gastgeber nochmal kurz. Erst sein nächster, mit großen Schmerzen verbundener, Treffer hat das Spiel zugunsten der Rot-Weissen entschieden. Vor allem mit der zweiten Hälfte war Liesegang sehr zufrieden. Mit Tobias Ortmann „kam viel mehr Bewegung rein“, lobte der Coach, der vor dem Spiel kurzfristig auf die Absage der Polizisten Maurice Wilke und Niclas Kaiser reagieren musste. Weil auch Cosmin Tiganasu mit Rückenproblemen fehlte, standen die Staßfurter „mit dem Rücken zur Wand“.

Doch sie lösten die Aufgabe in der zweiten Hälfte mit Bravour und erlaubten sich keine Schwächephasen wie zuletzt. „Wir haben die Ausfälle super kompensiert“, sprach Liesegang ein Lob an sein Team aus. „Du brauchst nicht unbedingt eine breite Bank, wenn sich alle voll reinknien.“ Und das haben die Staßfurter getan. Auch wenn es teilweise schmerzhaft war. So wie beim Siegtreffer von Retting.

Doch das war, in erster Linie für den Staßfurter Coach, schnell abgehakt. Nach dem Spiel ging er zum 33-Jährigen und sagte: „Du bist jetzt in einem Alter, da musst du nicht mehr gut aussehen.“ Sie können wieder scherzen und lachen in Staßfurt. Und nach diesem wichtigen 27:23-Sieg gegen Einheit Plauen haben sie sich das auch verdient.

Staßfurt: Tuchen, Schliwa - Fanselow (2), Zimnick, Ortmann, Ernst, Retting (6), Jacibi (8), Steinbrink (2), Spadt, Schöne (3), Hähnel (6)

Siebenmeter: Staßfurt 0 - Plauen 1/0 Zeitstrafen: Staßfurt 5 - Plauen 2 Rot (o.B.): Jan Richter (59.)