Staßfurt l Nach dem 22. April dieses Jahres werden die Spiele des HV Rot-Weiss Staßfurt gegen den HC Burgenland wohl immer unter besonderen Vorzeichen stehen. Damals brach der Vater vom RWS-Kapitän Sebastian Retting kurz vor dem Spielende zusammen, beide Seiten „einigten“ sich fair auf ein 27:27-Remis. Doch während es Matthias Retting schon wieder besser geht, trug sich an diesem Tag auch ein Ereignis zu, dass die Staßfurter aus der Mitteldeutschen Oberliga bis zum heutigen Tag schmerzt.

Enrico Lampe, der wichtige Mittelmann der Rot-Weissen, verletzte sich schwer, zog sich einen Kreuzbandriss zu. Und auch mehr als ein halbes Jahr später, sieht es beim Heilungsprozess „nicht so gut“ aus, sagt er selbst. Erst in der vergangenen Woche hat Lampe mit leichtem Lauf- und Schwimmtraining angefangen. Fit werden zur Rückrunde? „Das wäre Augenwischerei“, muss Lampe selbst zugeben. Und somit fehlt den Staßfurtern schon seit Monaten eine Alternative im Rückraum und ein wichtiger Führungsspieler. Aber Lampe selbst fehlt es natürlich auch, das Zusehen fällt ihm gerade in den schwierigen Zeiten schwer. „Ich hätte gern mitgewirkt.“

Rückkehrer macht guten Eindruck

Mit einem Transfer hat sich die Situation beim Schlusslicht zuletzt etwas entspannt. Mit Alexander Ernst holten die Staßfurter von Eiche Biederitz einen Spieler zurück, der schon jahrelang beim HV Rot-Weiss gespielt hat. „Es ist sehr gut, im Spiel und im Training noch Optionen zu haben und jemanden, der für Entlastung sorgen kann“, sagt Lampe. Auch der Staßfurter Trainer Uwe Werkmeister konnte sich in zwei Trainingseinheiten schon ein Bild vom Rückkehrer verschaffen: „Er macht ein guten Eindruck. Ich würde mir wünschen, dass er uns auch in den Spielen sofort helfen und seine gute Angriffsleistung abrufen kann.“

Denn personell hat sich die Situation, auch durch Ernst, zwar „punktuell etwas entspannt“, so Werkmeister. „Mit Niclas Kaiser, Maurice Wilke und Cosmin Tiganasu fehlen aber weiterhin drei ganz wichtige Spieler.“ Auch Lampe fühlt da mit seinem Coach mit: „Es ist sehr schwierig für den Trainer. Er muss jede Woche mit einer anderen Aufstellung spielen, sich immer wieder etwas neues ausdenken.“ Der verletzte Spieler betonte: „Wir sind eben nicht der FC Bayern und haben keine 15 gleichwertigen Spieler. Momentan gibt es kaum eine Möglichkeit zu rotieren.“

Doch für Werkmeister soll das keine Ausrede sein für das heutige Spiel (Anwurf 19 Uhr in der Paul-Merkewitz-Halle) gegen den HC Burgenland. „Unabhängig von unserer Situation zählt nichts anderes als ein Sieg, wenn wir was bewegen und unser Ziel erreichen wollen“, fordert Werkmeister.

Rote Laterne soll abgegeben werden

Denn das Ziel Klassenerhalt hatten die Staßfurter mit bislang nur zwei Siegen aus acht Spielen etwas aus den Augen verloren. Mit zwei Punkten wollen die Staßfurter die Rote Laterne so schnell wie möglich wieder abgeben. Doch gegen den HC Burgenland wird das alles andere als eine einfache Aufgabe. Die Naumburger sind eine gestandene Größe in der Oberliga. Werkmeister betont: „Jeder Gegner in dieser Liga ist unangenehm und hat eine hohe Qualität.“

So auch der HCB, der furios mit drei Siegen gestartet ist, zuletzt aber aus fünf Spielen nur einen Punkt holte. Das kann für die Gastgeber gleichermaßen Gefahr und Chance sein. „Dort gibt es auch Verletzungssorgen, aber wir sollten uns nicht auf den Gegner konzentrierten“, fordert Lampe. Auch sein Trainer betont, dass sich sein Team auf die eigenen Stärken berufen muss.

Wie immer wollen die Staßfurter aus einer kompakten und stabilen Defensive heraus zu einfachen Toren kommen. Doch das ist im Vorfeld leichter gesagt als getan. Entscheidend wird dabei sein, dass wir die „Summe der vermeidbaren Fehler reduzieren“, so der Coach. Denn diese führte häufig, und so auch zuletzt bei der 27:32-Niederlage im Heimspiel gegen den HSV Apolda, zum Misserfolg. „Wir haben bislang immer eine gute Abwehr gestellt“, betont Lampe. „Wenn wir auch eine gute Angriffsleistung zeigen, dann haben wir gute Chancen.“

Neben einem variablen und geduldigen Offensivspiel sind für den Trainer aber auch noch andere Faktoren entscheidend. „Wir sind handballerisch nicht die Besten der Liga“, gibt er ehrlich zu. „Gerade in unserer Situation müssen wir deshalb auch über den Teamgeist und die Emotionen kommen.“ Und egal, ob damit die Krise erstmal zu entkräften oder auch um die vielen negativen Erlebnisse in Verbindung mit dem HC Burgenland vergessen zu machen, Lampe betont vor dem Spiel: „Es wäre ein sehr guter Zeitpunkt für einen Heimsieg.“