Stendal l Meinschien verabschiedete sich damit in den Funktionärsruhestand. Im Gespräch mit Volksstimme-Autor Stefan Rühling blickt er noch einmal auf die Zeit zurück.

Volksstimme: Werner Meinschien, wie geht es Ihnen nach dem Ausscheiden aus dem Ehrenamt?

Werner Meinschien: Bei mir persönlich geht es seit zwei Jahren gesundheitlich stark bergab. Dieter Marks hat mir in dieser Zeit schon sehr viel abgenommen. Dennoch ist es eine große Erleichterung für mich, nun keine Pflichten mehr zu haben.

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Sie haben einst am 4. März 2004 von Alois Foller übernommen – können Sie sich noch daran erinnern, wie es dazu kam und wie die Übergabe verlief?

Ja, das kann ich gut. Alois Foller wollte eigentlich schon zur Jahrtausendwende aufhören, doch gab es keinen geeigneten Nachfolger für das Amt des Präsidenten, weshalb er weitermachte. Die Zeichen standen dann darauf, dass Dieter Marks ihm folgen sollte. Es gab aber auch Sportkameraden die mich, da ich gerade in Ruhestand gegangen war, auf eine Kandidatur angesprochen hatten. Letztlich standen Dieter und ich in der Stichwahl, zu der er aber nicht mehr angetreten ist. Dass ich dann tatsächlich Präsident wurde, hat mich schon überrascht, da ich als Vorsitzender des Sportgerichts zuvor keinen so angesehenen Posten hatte und bei den westelbischen Vereinsvertretern auch nicht sonderlich bekannt war. Die Übergabe verlief dann problemlos. Alois hatte ja alles akribisch dokumentiert, worin er mir um Längen voraus war. Als Beispiel möchte ich nur seine lückenlose KFV-Chronik erwähnen. Darüber hinaus habe ich mir das, was ich für den Posten brauchte, zusammengetragen.

Foller wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt, hat er sich darüber noch eingebracht?

Ja, er war sehr aktiv, was vielleicht auch nicht immer hilfreich war, obwohl er es natürlich stets gut gemeint hat.

Wie werden Sie das handhaben?

Ich werde gut daran tun, mich rauszuhalten. Bei einer Übergabe ist es leichtgetan, zu sagen, dass man sich bei Fragen meldet. Doch tatsächlich kommt es sicher selten vor. Sollte ich aber das Bedürfnis verspüren, meine Meinung einbringen zu wollen, dann werde ich dies intern machen.

Planen Sie die regelmäßige Teilnahme an Vorstandssitzungen oder Veranstaltungen?

Es ist zwar etwas komisch, beispielsweise eine Einladung zum Pokalfinale nicht mehr selbst zu schreiben, sondern künftig zu erhalten, doch möchte ich nach Möglichkeit auch an solchen Veranstaltungen teilnehmen. In Vorstandssitzungen sehe ich mich eher nicht mehr.

Was waren die größten Herausforderungen während Ihrer Präsidenten-Zeit?

Meiner Meinung nach war es, die Vereine und den KFV in Einklang zu bringen. Zu meiner Anfangszeit war dies noch so, als es nur um Fußball ging. Doch dann kam immer mehr Multimedia, Futsal und weitere Neuerungen hinzu und wir mussten uns damit beschäftigen. Social Media beispielsweise ist noch immer ein böhmisches Dorf für mich. Im Jahr 2004 haben wir zudem die Hallenkreismeisterschaft wieder eingeführt, die zuvor wenig Zuspruch hatte. Heute ist diese auf einem guten Niveau und es wird auch weniger über die Teilnahme daran gejammert, was an der verminderten Verletzungsgefahr liegen mag. Finanziell war der KFV auch nicht besonders gut ausgestattet.

Obwohl die Meldezahlen zuletzt rückläufig waren, ist es uns dennoch mit Hilfe von Sponsoren gelungen, solide zu wirtschaften und den Verband auf gesunde Füße zu stellen. Das war nicht zuletzt ein Verdienst unserer Kassenwarte Norbert van Rennings und danach Marc Jensen. Doch auch Frank Ede, der mir in der Vergangenheit etwas zu kurz gekommen ist, hatte daran einen Anteil. Nach dem Ableben van Rennings hat er Marc ausführlich eingearbeitet und unterstützt. Natürlich gilt es auch Corona als Herausforderung zu nennen.

Sie sprechen es an: Wie haben Sie die Corona-Zeit erlebt?

Das war der Höhepunkt, was einem Funktionär im Fußball passieren kann. Ich hätte nie geglaubt, dass der Sport einmal so zum Erliegen kommen kann. Doch unser Spielausschuss unter der hervorragenden Leitung von Christoph Blasig hat meiner Meinung nach gut und richtig reagiert, das Ende der Saison anzustreben und entgegen dem Plan des Fußballverbands Sachsen-Anhalt zu arbeiten, der gern fortgesetzt hätte. Die Umfrage unter den Vereinen hat dies bestätigt. Nun erwartet alle Beteiligten ein schweres Jahr.

Konnten Sie zurückblickend alle Ziele erreichen, die Sie sich gesteckt haben?

Nein, natürlich nicht. Ich denke auch, dass das niemand von sich behaupten kann. Sowas gibt es nicht.

Was blieb auf der Strecke?

Ich denke, im Frauenfußball hätten wir uns breiter aufstellen können oder müssen. Auf der anderen Seite sind wir aber auch ein Flächenland mit wenig Frauen, die sich für den Fußballsport interessieren. Der demografische Wandel hat uns zudem nicht gerade in die Karten gespielt.

An welche Momente erinnern Sie sich gern zurück?

Zu allererst möchte ich sagen, dass ich die gesamte Zeit nicht als Last wahrgenommen habe. Für mich war es eher eine Berufung und damit positive Erfahrung, diese ehrenamtliche Arbeit machen zu dürfen. Natürlich erinnere ich mich gern an einige Auszeichnungen zurück, wobei mir das aufgrund der Anhäufung zuletzt schon etwas unangenehm war.

Immer erinnern werde ich mich an unsere Ehrenamtsveranstaltungen. Damit haben wir einmal ganz klein angefangen und sogleich positive Rückmeldungen bekommen. Heute ist diese bei Vertretern der Vereine, benachbarten Verbänden und auch Institutionen sehr beliebt und angesehen. Das zeigt ihren Stellenwert und freut mich besonders.

Auf welche Erfahrung hätten Sie gern verzichtet?

Es war natürlich nicht immer alles gut, es gab auch mal hitzige Zeiten und zu lösende Probleme sowie Auseinandersetzungen. Das war nicht immer schön, doch es gehörte eben auch dazu.

Michael Müller wurde nun Ihr Nachfolger – Ihr Wunschkandidat?

Das spielt gar keine Rolle, ob er mein Wunschkandidat war oder nicht. Er war zum Verbandstag in Klietz der einzige Bewerber auf das Amt des Präsidenten. Dazu gehörte es dann, dass er meine Unterstützung erhält. Diese hat er bekommen und wird dies auch weiterhin, wenn es nötig ist. Davon gehe ich aber nicht aus, weil ich davon überzeugt bin, dass er das ordentlich machen wird.

Was haben Sie ihm mit auf den Weg gegeben?

In manchen Situationen sollte er noch etwas ruhiger werden. Michael ist manchmal sehr entscheidungsfreudig, was nicht immer gut ist. Allerdings denke ich grundsätzlich, dass er meinen Rat nicht braucht.

Wie sehen Sie den KFV über Michael Müller hinaus aufgestellt?

Aus meiner Sicht ist das eine tolle Mannschaft! Es sind einige junge Leute dabei, die aber richtig Ahnung haben, wie der bereits erwähnte Christoph Blasig. Auch Tobias Petzke hat in den vergangenen Jahren eine tolle Entwicklung genommen. Trotzdem fehlt es nicht an der nötigen Erfahrung, die jeder für seinen Bereich mitbringt.

Eine letzte Frage: Was denken Sie persönlich, wo steht der kreisliche Fußball in zehn Jahren?

Ich würde mich schwer wundern, wenn es ihn in zehn Jahren noch so gibt, wie heute. Das war in der Vergangenheit schon so. Die zu erbringenden Leistungen des KFV sind mit den aktuell vorliegenden, finanziellen Mitteln nur schwer zu realisieren. Daher betone ich noch einmal, dass ich ein absoluter Verfechter eines großen KFV in der Altmark bin. Meiner Meinung nach wäre das händelbar. Wir waren bisher stets offen für einen Zusammenschluss und auch die Reaktionen der Vereine haben mir gezeigt, dass sie mitgehen würden.

Vielen Dank für das Gespräch, Wir wünschen Ihnen weiterhin, vor allem gesundheitlich, alles Gute.