Stendal l Gegnerische Spieler oder Spielerinnen werden rassistisch beleidigt, es werden antisemitische Parolen im Stadion gesungen, Frauen werden nicht ernst genommen und Homosexualität wird lieber geheim gehalten – aus Angst vor Ausschluss und Gewalt.

Wenn Kinder aus armen Familien oder Menschen aus abgelegenen Dörfern aufgrund fehlender Anbindung nicht an Sportangeboten teilhaben können, ist das ebenfalls Diskriminierung. Diskriminierung zeigt sich also in vielfältigen Formen auch im Sport – und auch im Landkreis Stendal.

Landkreis hat Nachholbedarf

Björn Landsmann vom Kreissportbund, Philipp Grempler vom TuS Bismark und Maike Simla vom Netzwerk „RESPEKT - Für Teilhabe und gegen Diskriminierung“ sind sie sich einig, dass es im Landkreis Stendal mehr Sensibilisierung zum Thema bedarf. Deshalb haben sie entschieden zusammenzuarbeiten.

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„Rassismus ist in unserem Verein immer wieder Thema. Wir wollen uns als Verein deutlich davon distanzieren“, erzählt Phillip Grempler, der nach dem Auftakt des Netzwerks RESPEKT im März direkt Kontakt zu Maike Simla aufgenommen hatte, und ergänzt: „Bei Champions League Spielen wird zu Beginn immer auf die Wichtigkeit von Antidiskriminierung hingewiesen, daher sollten auch wir als Basis damit anfangen und ganz klar Flagge zeigen.“

Bewusstsein stärken

Der TuS Schwarz-Weiß Bismark hat sich daher entschieden, sich dem Netzwerk „RESPEKT - Für Teilhabe und gegen Diskriminierung“ anzuschließen und mit einem Banner auf die Thematik aufmerksam zu machen. Auch bei verschiedenen Anlässen soll auf das Thema und das Netzwerk hingewiesen werden.

Damit Sport eine gute Fläche für Integration und ein faires Miteinander bietet, ist es wichtig, Diskriminierung vorzubeugen und Vorurteile abzubauen.

Auch für den Kreissportbund Stendal-Altmark steht fest, dass sie sich als größte Personenvereinigung im Landkreis Stendal der Thematik nähern müssen.

Sie sind von Anfang an Mitglied im Netzwerk RESPEKT und haben gemeinsam mit dem Netzwerk ein Verfahren zum Mitteilen von Diskriminierungserfahrungen entwickelt. „Wir wollen den Mitgliedern einfach zeigen, dass wir im Sport gegen Diskriminierung sind. Um dagegen vorzugehen müssen wir aber erst einmal erfahren wie, wo, in welcher Form und wie häufig Sporttreibende, Sportbegeisterte auch Zuschauer und Zuschauerinnen Diskriminierung erleben“, so Landsmann, der auch als Anlaufstelle im Netzwerk tätig ist.

Dabei gehe es nicht darum, mit erhobenem Finger auf Täter/innen zu zeigen, sondern darum, Betroffene zu unterstützen und gezielte Maßnahmen gegen Diskriminierung zu entwickeln.

Vorfälle sind aktenkundig

Bei Björn Landsmann als Anlaufstelle und bei Maike Simla, die als Mitarbeiterin der Hochschule Magdeburg-Stendal die Dokumentation von Diskriminierungsvorfällen übernimmt, sind bereits einige Mitteilungen von Diskriminierung im Sport eingegangen.

„Das Teilen von Erfahrungen hilft, auf Diskriminierung aufmerksam zu machen, mehr Teilhabe für alle zu erreichen und Hilfestrukturen auf- und auszubauen“, erklärt Maike Simla.

Die Anlaufstellen des Netzwerks vermitteln auf Wunsch an geeignete Beratungsstellen oder zeigen Möglichkeiten auf, gegen Diskriminierung aktiv zu werden.

Auch online erhalten Betroffene oder Zeugen diese Möglichkeiten und Hinweise. Das Mitteilen von Vorfällen beschränkt sich nicht nur auf dem Bereich Sport.

Alle Infos zum Netzwerk und zum Mitteilen von Diskriminierungserfahrungen.

Einrichtungen, Vereine und Einzelpersonen sind herzlich willkommen, gemeinsam mit dem Netzwerk aktiv zu werden – für Teilhabe und gegen Diskriminierung.