Tangermünde l Frank Schauer vom Tangermünder Elbdeichmarathon e. V. ist der bekannteste Läufer aus der Altmark. Volksstimme-Sportredakteur Frank Kowar unterhielt sich mit dem Profi, der sich für die Olympischen Spiele qualifizieren wollte.

Volksstimme: Herr Schauer, wie sind Sie über den Winter gekommen?

Frank Schauer: Die Wettkampfvorbereitung über den Winter war sehr gut. Im Januar absolvierte ich in Kenia ein Trainingslager und konnte dort sehr gute Grundlagen für die bis dato kommende Saison legen. Im Anschluss habe ich fünf Wochen zuhause trainiert, bevor ich am 5. März ins Trainingslager nach Südafrika geflogen bin. Dieses musste ich aufgrund der Situation mit dem Corona-Virus dann vorzeitig beenden und nach Deutschland zurückreisen. Anfang letzter Woche haben mein Trainer und ich entschieden, die Marathonvorbereitung, das ist ein Wochenumfang zwischen 200 bis 250 Kilometer, zu beenden. Ich gehe in eine kleine Saisonpause für ein bis zwei Wochen. In dieser Zeit werde ich mich etwas fit halten und danach wieder ins Grundlagentraining übergehen.

Was waren die Pläne für 2020?

Ursprünglich wollte ich Anfang April direkt aus dem Trainingslager in Südafrika den Berlin-Halbmarathon am 5. April laufen und mich dort für die Leichtathletik-Europameisterschaft in Paris empfehlen. Drei Wochen später sollte dann der Frühjahrshöhepunkt, der Hannover-Marathon, stattfinden, bei dem ich das Ziel hatte, mich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Eine Woche zuvor war als Vorbereitungswettkampf die 10 Kilometer beim Elbdeichmarathon geplant.

Wie hart trifft Sie der Ausfall von den geplanten Veranstaltungen?

Als Marathonläufer hat man ja sowieso nur zwei Hauptwettkämpfe im Jahr, also ist jeder Ausfall umso schmerzlicher. Finanzielle Verluste entstehen dabei für mich ebenfalls.

Was erhoffen Sie sich noch für das Jahr 2020? Wo wollen Sie noch starten?

Man muss erstmal sehen, wann die nächsten Wettkämpfe überhaupt stattfinden. Ich plane erst einmal, einen Herbstmarathon zu laufen. Der Ort ist noch fraglich, aufgrund der derzeitigen Lage.

Ein Wort noch zum Ausfall Ihres Heimatlaufes, dem Elbdeichmarathon. Wie bitter ist das für Sie und den Verein?

Sehr bitter. Um es mit den Worten von der Vereinsführung zu sagen: „Es ist finanziell eine Katastrophe.“ Und für mich persönlich ist es auch nicht schön, meinen Heimatlauf nicht bestreiten zu können. Leider kann ich dadurch meine regionalen Sponsoren, Avacon, Humanas, Schubert GmbH, Malerei Busse, nicht präsentieren, die mir überhaupt den Leistungssport ermöglichen.

Die Olympischen Spiele sind nach langem Hickhack verlegt. Ihre Meinung dazu?

Es war an der Zeit, dass endlich eine Entscheidung getroffen wurde. Viele Athleten dürfen nicht mehr an ihren Trainingsstätten trainieren. Als Marathonläufer hätte ich gar keine Chance mehr zur Qualifikation gehabt, weil alle Städtemarathonläufe abgesagt wurden.

Dafür gibt es jetzt einen virtuellen Lauf.

Ja. Mein Verein hat als Ersatz für den Elbdeichmarathon vom 17. bis 19. April einen virtuellen Lauf angeboten. Bei Zusendung eines Fotos von der gelaufenen Zeit auf der Laufuhr wird diese Zeit in eine Datenbank eingetragen und jeder kann sich seine Urkunde ausdrucken. Nähere Hinweise findet man auf der Webseite meines Vereins.

Wie geht es jetzt für Sie privat und beruflich weiter?

Ich bin Profisportler. Dadurch, dass keine Wettkämpfe stattfinden, mache ich eine ein- bis zweiwöchige Saisonpause. In dieser Zeit werde ich mich etwas fit halten, regenerieren und danach wieder in das Grundlagentraining zurückkehren. Mein großes Ziel bleibt jedoch die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio.