Stendal l Letztgenanntes Wort trifft gleich zweimal zu. Erstens waren die wegen der Corona-Pandemie veränderten Bedingungen zu meistern, zweitens regnete es sprichwörtlich Bindfäden.

Verschoben ist nicht aufgehoben und trotzdem mussten alle Athleten und Verantwortliche bis zum Schluss abwarten, ob der 8. Stendaler-Hansecup nach dem Verschieben von Mai auf September stattfinden kann. Eines ist klar, die Leistungen der Mehrkämpfer sprechen unter diesen Bedingungen Bände. Und so können auch in diesem Jahr wieder einige Rekorde verbucht werden, die dem miserablen Wetter die kalte Schulter zeigten.

Wim Threels (Niederlande) zum Beispiel sicherte sich mit starken Leistungen im Fünfkampf den Weltrekord der Senioren M 65. Er warf den Diskus auf 33,37 m, den Speer auf beachtliche 38,47 m. Er brachte 5,04 m in die Sprunggrube,lief über 200 m 27,49 sek und rundete seinen Erfolg mit 5.40 Minuten über 1.500 m ab.

Teufert mit neuem Rekord

Der älteste Teilnehmer war Karlheinz Teufert vom LC Langenhagen. Er startete in der AK M 90 im Fünfkampf und machte sein Wettkampfwochenende zu einem besonderen. Er verbesserte den aktuellen Europarekord seiner Altersklasse um über 400 Punkte und steht jetzt mit 2.454 Punkten auf Platz 1. Er absolvierte alle Disziplinen und freute sich umso mehr, gesund und munter ins Ziel gekommen zu sein.

Andere Leistungen der Mehrkämpfer brauchen sich dahinter nicht zu verstecken. In der Altersklasse M 60 überzeugte Vytautas Zaniauskas aus Litauen mit der viertbesten jemals erzielten Leistung im Zehnkampf. Er war durchweg am Abliefern, zwei Leistungen stechen jedoch hervor: mit 12,91 sek sprintete er ins 100 m Ziel, 15,77 sek zeigte die Anzeigentafel nach dem 100 m Hürdenlauf. Weltklasse!

Weia Reinboud aus den Niederlanden – eine gewohnt starke und gern gesehene Mehrkämpferin beim SHC – erzielte am Sonnabend in der W 70 eine Hochsprunghöhe von 1,30 m. Bei starkem Dauerregen und kalten Temperaturen ist sie nur knapp am Weltrekord vorbeigesprungen.

Hiltscher gewinnt bei den Damen 65

In der W 65 lieferten sich Ulrike Hiltscher (Deutschland, Neiße) und Eliane Piret (Frankreich) ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Das Duell zeichnete sich schon zu Beginn ab. Die 80 m Hürden meisterte Eliane mit 15,70 sek und erzielte schon in der ersten Disziplin des Tages neuen französischen Rekord. Ulrike holte über die kommenden Disziplinen aber auf und konnte sich mit 5.306 Punkten über eine Weltklasseleistung und den ersten Platz in ihrer Altersklasse freuen. Sie sicherte sich Platz vier der ewigen Weltbestenliste.

Eliane Piret auf dem zweiten Platz freute sich über einen neuen französichen Rekord im Siebenkampf. In der W 60 egalisierte Siebenkämpferin Sigrid Böse aus Boxberg ihren eigenen deutschen Rekord über 80 m Hürden mit 13,98 sek. Ihr nächster Lauf bei Sonnenschein und besseren Temperaturen wird spannend.

Drei Nationalhymnen erklingen zum Schluss

Der 8. SHC endete nach der Siegerehrung der Zehnkämpfer mit drei Nationalhymnen. Der Litaue Vytautas Zaniauskas erzielte mit seiner Spitzenleistung Platz eins der Gesamtwertung aller Zehnkämpfer und wurde Internationaler Altmark-Meister 2020. Frauke Viebahn von Blau-Weiß Annen konnte sich zusätzlich zu ihrem deutschen Rekord über 1,45 m in der W 60 auch über den Gesamtsieg der Siebenkämpferinnen freuen. Mit der Punktzahl von 5.554 reiht sie sich auf Rang sechs der ewigen Weltbestenliste ein. Interessant ist, dass es ihr erster Mehrkampf war. Last but not least kann Brigitte van de Kamp aus den Niederlanden in der W 60 den Gesamtsieg der Frauen im Zehnkampf für sich verbuchen. Sie ist Internationale Altmark-Meisterin der Frauen. Ihre starke Gesamtpunktzahl von 7.171 steht nun auf Platz zwei der ewigen Weltbestenliste.

Was es mit der ewigen Weltbestenliste auf sich hat? Bernd Rehpenning, mit vollem Herzen Leichtathlet, hat sich zur Aufgabe gemacht, alle nationalen und internationalen Mehrkampfergebnisse in akribischer Kleinstarbeit zu sammeln, zu prüfen und in einer Liste für alle zugänglich zu erfassen. Bernd war mit seinen über 80 Jahren extra zum 8. SHC angereist und konnte sich auch so wieder von den neuen Weltbestleistungen überzeugen. Die Liste dient dank ihrer Detailliertheit über alle Verbandslisten hinaus als Orientierung und Vergleich der Leichtathletik-Weltspitze.

Auch wenn das Starterfeld ausgedünnt war und auch zum Schluss noch einige Athleten aus Risikogebieten kurzfristig nicht teilnehmen konnten, hat es sich doch für alle gelohnt, den Wettkampf durchzuziehen. Dieser ist einer der wenigen, der 2020 in der Weltklasse der Seniorenleichtathletik überhaupt stattfinden konnte. Und umso schöner ist es, wenn es Athleten gibt, die von der ersten Stunde an dabei waren und jedes Jahr wiederkommen.