Stendal l  Das ist Grund genug, um auf seine Leistungen zurückzublicken und ihn zu würdigen. Björn Buchhorn wurde am 4. Dezember 1973 in Stendal geboren. Das Ringen war ihm in die Wiege gelegt, denn seine beiden großen Brüder Andreas und Kai betrieben bereits diese Olympische Sportart.

Start im Alter von drei Jahren

Mit drei Jahren war er mit den beiden und den Eltern beim Training. Seit 1978 trainierte er selbst bei der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Lok Stendal unter Jürgen Grabensdorf. Bevor er volljährig wurde, hat er bereits Übungseinheiten geleitet. Sein Bruder Kai weiß zu berichten: „Björn unternimmt sehr gern etwas mit Kindern und Jugendlichen. Deshalb ist er auch Trainer geworden.“

Nach der politischen Wende übernahm der junge Buchhorn dann die Geschicke des Ringens beim ESV Lok Stendal. Für regelmäßig sechs bis sieben Sportler ergatterte er Hallenzeiten, leitete das Training, verteilte Informationen über die Sportart und beantragte Fördermittel.

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Diesen unermüdlichen Einsatz weiß auch Heidi Thiele zu würdigen: „Moppel (so wird er von seinen Freunden genannt, Anm. d. Red.) opfert viel von seiner Freizeit für das Ringen. Er hat stets im Sinne des Vereins einen guten Draht zu den Sportlern, aber auch Eltern und Mitgliedern aufgebaut und gehalten – und das trotz aller Widrigkeiten.“

So kam es, dass Thiele zu Beginn der 1990er einen Flyer über den Sport sah und ihre Söhne zum Training schickte. Dazu merkt sie schmunzelnd an: „Mein Mann Bernd hat früher auch gerungen.“

So kam die Familie Thiele mit Trainer Björn Buchhorn in Kontakt. Mehreren Elternteilen wurde beim Training irgendwann langweilig und so gründete man eine Volleyball-Sportgruppe bei den Ringern, um sich gemeinsam betätigen zu können.

Bis heute ist die Trainingsgruppe der Volleyballer ein wichtiger Bestandteil für das Vereinsleben. Sie helfen bei Vereinsveranstaltungen und Wettkämpfen. Seit der Gründung dieser Trainingsgruppe hat Buchhorn selbst mitgespielt und die Volleyballer nach Kräften unterstützt.

Erfolg als Trainer

Mit seiner Tätigkeit als Trainer erkämpften die Stendaler Ringer auch wieder Medaillen und vordere Platzierungen bei Meisterschaften und Turnieren.

Besonders zu nennen sind unter anderem die Erfolge von David Eggestein, Patrik und Alexandra Paufler, Sven Harfenmeister, Marcel Ehm, Björn und Sebastian Thiele, Enrico Schwarz sowie Maximilian Nagel.

Rolandpokal hat lange Tradition

So suchten sich die Stendaler Ringer eine neue Herausforderung und riefen den Rolandpokal ins Leben. Das eigene Kinder- und Jugendturnier wurde am 10. Oktober 1993 zum ersten Mal ausgerichtet. Die lokalen Zeitungen titelten einen Tag später, dass es sich dabei um eine Werbung für das Ringen handelte.

In den folgenden Jahren wuchs das Teilnehmerfeld immer weiter an. Regelmäßig starten Ringerinnen und Ringer aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und ganz Sachsen-Anhalt. Die kontinuierliche Förderung des Stendaler Ringernachwuchses ist immer schon ein wichtiges Anliegen von Buchhorn gewesen. Am 31. August 2019 wird zum 20. Mal der Rolandpokal in Stendal ausgetragen. Dieser Erfolg wäre ohne den Einsatz von Björn Buchhorn nicht möglich gewesen.

Jan Rotenburg ringt seit 1988 in Stendal. Er ist durch einen Freund aus dem Kindergarten zu dieser Kampfsportart gekommen. Sein Trainer war Björn Buchhorn.

Rotenburg erinnert sich: „Er ist ein guter Trainer, weil er immer sehr ehrgeizig war. Er hat sich voll für den Sport eingesetzt.“

So konnte das Gespann bei den Deutschen Meisterschaften 1996 in Münster sogar den dritten Platz erreichen.

Mehrere der von Buchhorn trainierten Schützlinge sind auch heute noch zum Teil aktive Mitglieder im Verein. Ende der 1990er-Jahre wurde sogar eine zweite Trainingsgruppe eröffnet. Buchhorn hat Thomas Feindt zu seiner Tätigkeit als Übungsleiter überzeugen können. So wuchs die Zahl der Nachwuchsringer weiter.

Buchhorn liegt Vereinsleben am Herzen

Für Björn Buchhorn sind nicht nur das Training und die Turniere wichtig. Er arbeitet immer engagiert an einem gesunden Vereinsleben. Aus diesem Gedanken heraus entschied er sich in den 1990er- Jahren dazu, Ferienfreizeiten anzubieten.

Fast immer gab es diese sowohl im Sommer als auch im Winter. Das Skifahren im Januar oder Februar findet traditionell in Tschechien statt.

In den Sommerferien besuchten die Ringer bereits die Inseln Poel und Rügen, aber auch die Mecklenburgische Seenplatte, Havelberg und die Region rund um Rathenow. Letztere beherbergte mehrere Jahre das durch die Vereinsmitglieder selbst gebaute Schiff „Poseidon“, welches für viele Events benutzt wurde.

Aufgrund von beruflichen Veränderungen konnte Buchhorn seit den frühen 2000er Jahren nicht mehr selbst als Trainer regelmäßig mit den Kindern und Jugendlichen des Vereins aktiv sein.

Er plante jedoch weiterhin im Hintergrund, fuhr mit zu Wettkämpfen und sprang ein, wenn es von Nöten war. Bis heute schätzen dies seine Vereinsmitglieder.

Thomas Schulz, Übungsleiter beim RSV, berichtet lächelnd: „Er funktioniert wie eine träge Sicherung. Er lässt die Menschen machen, berät und unterstützt bevor etwas schief geht.“

Der Ehrgeiz von Buchhorn führte auch immer wieder dazu, dass in Stendal Landes- und sogar Mitteldeutsche Meisterschaften ausgetragen wurden. Dies begleitet er von der Bewerbung über die Vorbereitung und Durchführung bis hin zur Nachbereitung. Ein Höhepunkt in dieser Beziehung dürften die offenen Mitteldeutschen Meisterschaften der C- und D-Jugend sowie der weiblichen Schüler im freien Stil gewesen sein. Dabei machten sich in Juni 2014 insgesamt 290 Sportlerinnen und Sportler aus Bayern, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt auf den Weg in die Altmark. Fast 500 Kämpfe mussten ausgetragen werden. Die Helfer und Sponsoren dafür konnten zu einen wesentlichen Teil durch Björn Buchhorn motiviert werden.

Tätigkeit beim Verband

Mittlerweile war Buchhorn weit über die Grenzen des eigenen Vereins hinaus bekannt. Er ist sogar als Kassenprüfer des Landesringerverbands Sachsen-Anhalt tätig.

Bis in die 2000er Jahre hinein mussten die Stendaler Ringer in verschiedenen Turnhallen ihr Training absolvieren. Dies brachte während der Trainingszeit oftmals ein langwieriges Auf- und Abbauen der Matte mit sich. Somit entwickelte sich eine weitere Idee von Buchhorn: ein eigenes Trainingszentrum für die Ringer. Rainer Stoll lobt dieses Vordenken: „Björn hat immer wieder neue Ideen. Bei der Umsetzung ist er die wichtigste Person.“ So kam es am 2. Mai 2007 zur Gründung des RSV Stendal 07.

Die Gründungsmitglieder waren Björn Buchhorn (Vorsitzender), Rainer Stoll (stellvertretender Vorsitzender), Christina Rotenburg (Finanzwart), Thomas Feindt, Angelika Kohlert, Bernd Thiele und Kai Buchhorn. Der neue Ringersportverein Stendal 07 konnte dann im Oktober 2010 in die renovierte und energetisch sanierte Sporthalle in der Erich-Weinert-Straße einziehen. Es entstand ein Trainingszentrum für die Ringer, wo permanent eine 12 mal 12 Meter große Matte liegen bleiben kann. Der Kraftraum ist mit vielen Geräten ausgestattet. Diese idealen Trainingsbedingen ermöglichten nun, dass vier Trainingsgruppen das Ringer erlernten konnten.

Bis heute ist der Name Björn Buchhorn fest verbunden mit dem Ringen in Stendal. Unter seinem Wirken ist aus fast nichts ein eigener Verein mit eigenem Trainingszentrum und aktuell rund 100 Mitgliedern entstanden. Dies war nur möglich durch viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit und mit sehr viel Einsatz. Die Kampfsportler des RSV Stendal 07 wollen ihm dafür herzlich Dank sagen.