Magdeburg l Mit dem Beschluss des Deutschen Tennis Bundes (DTB), bis zum 26. April alle Wettspiele aussetzen, pausiert derzeit auch der Tennissport in Sachsen-Anhalt aufgrund der Auswirkungen des Corona-Virus. Sportredakteur Björn Richter sprach mit dem Präsidenten des Tennisverbandes Sachsen-Anhalt, Axel Schmidt, sowie dem Ressortleiter Sport, Maximilian Pefestorff, über aktuelle Maßnahmen im Verband und die schwierige Vorbereitung der Sommersaison.

Herr Schmidt, haben Sie damit gerechnet, dass die Auswirkungen des Corona-Virus so stark auf den Tennissport sein würden?

Axel Schmidt: Die Auswirkungen und Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist für uns alle eine Situation, für die es keine vergleichbaren Erfahrungen gibt. Am 6./7. März feuerten noch 5000 Zuschauer unser Davis-Cup Team in Düsseldorf an. Eine Woche später mussten wir unseren Landesverbandstag verschieben. Allein diese Dynamik war nicht vorhersehbar. Inzwischen ist der komplette Sportbetrieb in Sachsen-Anhalt eingestellt worden. Auch unsere Winterpunktspiele wurden vorzeitig beendet. Angesichts der aktuellen Situation habe ich Verständnis für diese Maßnahmen.

Am Wochenende musste der Landesverbandstag abgesagt werden. Wie ist der aktuelle Stand bezüglich einer möglichen Verlegung?

Axel Schmidt: Am 14. März wollten wir mit 39 Vereinen und rund 100 Delegierten und Gästen in Magdeburg das 30-jährige Jubiläum des Tennisverbandes Sachsen-Anhalt feiern. Zuvor standen auf der Tagesordnung des Landesverbandstages zahlreiche Beschlüsse für die strategische Ausrichtung des TSA. Es war außerdem eine Podiumsdiskussion zum Thema ‚Ist der Verein fit für die Zukunft?‘ mit der Präsidentin des Landessportbundes, Silke Renk-Lange, und der Vizepräsidentin des DTB, Dr. Eva-Maria Schneider, vorgesehen. Derzeit prüfen wir die Verschiebung des Verbandstages. Wir haben im September und Oktober zwei Termine vorbestellt, werden und müssen für eine endgültige Entscheidung aber die Entwicklung in den nächsten Wochen und Monaten abwarten.

Herr Pefestorff, suchen die Vereine Hilfe beim Tennisverband?

Maximilian Pefestorff: Die Vereine haben verschiedenste An- und Nachfragen, die sowohl den Spiel- und Turnierbetrieb betreffen oder beispielsweise auch die Instandsetzung der Plätze für die Sommersaison. Die Geschäftsstelle bleibt zu den gängigen Öffnungszeiten telefonisch erreichbar und vermittelt gerne Anfragen, die beispielsweise durch den Landessportbund, das Gesundheitsamt oder das Landesverwaltungsamt geregelt werden. Darüber hinaus stehen die Ressortleiter für spezifische Fragen in ihren Bereichen zur Verfügung.

Welche Empfehlungen geben Sie den Vereinen, auch was den regulären Trainingsbetrieb betrifft?

Axel Schmidt: Unsere Empfehlungen orientieren sich an den Vorgaben des Landes und der Kommunen. Inzwischen sind aus den Empfehlungen, die sozialen Kontakte einzuschränken, klare Anweisungen der Behörden geworden. Auch der Landessportbund und der TSA haben sich diese klare Sprache zu eigen gemacht. Zur Zeit ist kein Vereins- und Trainingsbetrieb möglich. Die Tennisplätze in den Vereinen sind noch nicht spielfähig und die Nutzung der kommerziellen Tennishallen ist ebenfalls nicht mehr möglich, da sie nach der Schließungsanweisung der kommunalen Sportstätten und den behördlichen Vorgaben nicht mehr öffnen.

Der Punktspielstart wurde auf den 06. Juni verschoben. Welche Beweggründe gab es zu dieser Entscheidung?

Maximilian Pefestorff: Die Sportkommission und das Präsidium haben sich in den vergangenen Tagen über Für und Wieder einer Verlegung ausgetauscht. Nach einer abschließenden konstruktiven Telefonkonferenz mit den Sportwarten der Regionalliga Nordost haben sich die Landesverbände dazu entschlossen, einheitlich mit dem 06. Juni als Starttermin zu beginnen. Das halte ich für einen guten und solidarischen Schritt in einer schwierigen Lage. Wir wollen mit der Verschiebung besonders die Vereine unterstützen, die damit mehr Zeit für die Instandsetzung der Plätze erhalten. Wir hoffen, dass wir dann auch wirklich am 06. Juni starten können. Das hängt aber einzig und allein von der Entwicklung des Corona-Virus ab.

Auf welche Veränderungen müssen sich die Vereine durch den verschobenen Saisonstart einstellen? Gibt es bereits verschiedene Szenarien, falls der Spielbetrieb ab dem 6. Juni nicht aufgenommen werden kann?

Maximilian Pefestorff: Die Staffeleinteilungen und das Spielformat bleiben gleich. Wir prüfen derzeit mehrere Varianten neuer Rahmentermin-Pläne. Dabei gilt es einige Parameter zu berücksichtigen. Einerseits müssen wir die Aufstiegsspiele zur Ostliga ab September berücksichtigen, Terminkonflikte mit größeren Turnieren im Verband vermeiden und bestenfalls nicht in den Sommerferien spielen. Wir hoffen dort auch auf das Verständnis der Vereine, in dieser besonderen Lage flexibel zu sein. Die Organisation alternativer Wettspielformate für einzelne Spiel- oder Altersklassen haben wir diskutiert. Wir wollen den geregelten Spielbetrieb im bewährten Format aber vorrangig aufrecht erhalten. Unsere Vereine werden über die Homepage und die sozialen Medien über immer zeitnah informiert.

Herr Schmidt, was möchten Sie Ihren Vereinen abschließend noch mitgeben?

Axel Schmidt: Im Vordergrund steht für uns jetzt erst einmal die Bewältigung der Corona-Krise. Danach müssen wir als Sportverband mit den Folgen und Langzeitauswirkungen umgehen. Ich möchte an dieser Stelle ein Lob an die Geschäftsstelle und die Ressorts Sport und Jugend aussprechen, die sich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigen und vertrauensvoll arbeiten. Dabei ist die Frage nach einem geregelten Spielbetrieb aber nur eine von vielen Fragen. Ich wünsche mir für unsere Mitglieder, dass sie alle gesund durch die nächsten Wochen kommen, beziehungsweise gesund werden. Wir müssen solidarisch mit den Folgen der Krise für den organisierten Sport umgehen und werden unseren Teil dazu beitragen. Genauso wichtig ist für uns aber auch, dass die Landesregierung den organisierten Sport in der Diskussion um Hilfen und Unterstützung nicht aus dem Blick verliert. Vereine leisten mit ihrem ehrenamtlichen Engagement einen unverzichtbaren Beitrag für das Gelingen des gesellschaftlichen Miteinanders.