Seehausen l Der Wulferstedter 3:1-Sieg beim SV Seehausen ist eine dicke Überraschung. Seehausen hatte die eigene Welt zuvor mit zwei Siegen etwas verbessert. Wulferstedt hatte die letzten drei Spiele gewonnen, reiste als Tabellendritter an.

Großer Teamgeist bei Wulferstedt

Die Germanen waren nicht die bessere Mannschaft. Sie zeigten aber den größeren Teamgeist, blieben hochkonzentriert und machten weniger Fehler. Selbst bestraften sie die Fehler des SVS eiskalt.

Wulferstedt verlor die Platzwahl. Seehausen wollte den Vorteil nutzen, ließ Wulferstedt mit Torhüter Mantke gegen die blendend gleißende Sonne beginnen. Die Treffer fielen aber auf der Gegenseite, im schattigen Tor von Röber. Vor dem frühen 0:1 missglückte Wischeropp eine Rückgabe, als er den Ball nicht richtig traf. Reimann schaltete sich ein, nahm den Ball mit und netzte durch einen Lupfer über den verdutzten Röber ein (4.). Ein Wirkungstreffer für die Gastgeber, die ohnehin nicht ausgeschlafen wirkten.

Rabenschwarzer Tag

„Es war der sechste Spieltag und zum fünften Mal liefen wir einem Rückstand hinterher, weil wir so naiv sind. Zudem hatte Wische (Karsten Wischeropp, Anmerkung der Redaktion) einen rabenschwarzen Tag erwischt“, konnte Seehausens Coach Patrick Horn nach der Partie nur mit dem Kopf schütteln.

Wenig später schickte der starke Rzehaczek Breitenbach, der bis zur Grundlinie durchlief und zurückspielte, wo der SVS gerade noch vor dem einschussbereiten Reimann klärte (7.). Einen von Eric Mann straff durch die Mauer gezogenen Freistoß ließ Röber durch die Handschuhe ins eigene Netz abklatschen. Es stand 2:0 für Wulferstedt (16.).

SV Seehausen unter Druck

Seehausen musste jetzt etwas machen, ob sie wollten oder nicht. Unter dem Druck entstand aber kaum kontrollierter Spielaufbau. SVS-Coach Patrick Horn gefielen die Abstände im Mittelfeld nicht. Nach vorn blieb vieles Stückwerk. Dazu kam die schwer zu überwindende Abwehrleistung der Gäste einschließlich ihres Torhüters. Mantke klärte mit starker Fußabwehr gegen Hasse (26.), noch spektakulärer den Schuss von Hoppe (30.).

Auf Wulferstedter Seite musste bereits gewechselt werden. Für Breitenbach ging es wegen eines dicken Knöchels nicht mehr weiter, Jahn kam für ihn. Als Reimann angespielt wurde und sich geschickt vor den Verteidiger schob, hatte er aus kurzer Distanz einen Riesen zum 3:0 auf dem Fuß. Röber reagierte stark (37.). Nach einer Ecke köpfte Hasse recht deutlich am Tor vorbei (42.). Als Seehausen auf Abseits spekulierte, sich nur auf den passiv stehenden Reimann konzentrierte, kam Rzehaczek von hinten durchgebrochen, stand plötzlich frei vor Röber und schoss konzentriert zum 3:0-Pausenstand ein (45.+1).

Angriffe von Seehausen

Wegen der sicheren 3:0-Führung war die Fallhöhe der Wulferstedter in der zweiten Halbzeit beachtlich. Wie erwartet fuhr Seehausen jetzt wütende Angriffe und erzeugte Dauerdruck. Hoppe schoss vorbei (47.). Das frühe 1:3 tat der Spannung gut. Wulferstedt verlor einen Zweikampf und Bader jagte den Ball aus gut 23 Metern unhaltbar in den Winkel (52.).

Es ging ein Ruck durch das Seehäuser Team, die Aufholjagd sollte beginnen. Wulferstedt musste sich in der Defensive beweisen, und tat es mit Cleverness, Herz und Verstand. Hasses Kopfball ging knapp vorbei (58.). Im Entlastungsangriff wurde Reimann im Strafraum elfmeterreif gestoppt. Der erfahrene Schiedsrichter Ehrhardt, der jetzt gut zu tun hatte, pfiff nicht. Oliver Mantke blieb gegen Hasse sicher stehen (69.).

Volle Konzentration bei Wulferstedt

Seehausen erhöhte den Druck weiter. Wulferstedt musste volle Konzentration aufbieten, um das Ergebnis zu halten. Dies gelang bis zum Schluss. In der langen Nachspielzeit hatte sich Jahn sogar noch durchgesetzt und zwang Röber mit spektakulärem Schuss zu einer Flugeinlage. Die folgende Ecke brachte noch einmal Zeit für Germania.

Der erlösende Abpfiff machte die Germanen zum stolzen Derbysieger. Nach diesem Spielverlauf unter Seehäuser Dauerdruck die zweite Halbzeit so zu überstehen, ist aller Ehren wert und wurde für einen Tag mit dem zweiten Tabellenplatz belohnt.

Klare Worte gefunden

„Biss, Zweikampfstärke, Leidenschaft – das alles habe ich bei meiner Mannschaft nicht gesehen. Und das vor 207 Zuschauern. So darf man sich nicht präsentieren und das ist auch nicht meine Einstellung“, fand Trainer Horn nach der Begegnung klare Worte, obwohl er zumindest mit der zweiten Halbzeit etwas besser leben konnte.

SV Seehausen: Röber – Neugebauer, Bader, Reber, Hoppe, Hasse, Ott, Wischeropp (46. Müller), Nowak, Trautwein (46. Gruhle), Peschek (75. Gegenwarth)

Germania Wulferstedt: Mantke – Ilsmann, Dilge, Brunke, Charwat, Mann, Rzehaczek, Breitenbach (29. Jahn), Stadler, Reimann (79. Grzenda), Herzberg (68. Reschke)

Torfolge: 0:1 Reimann (4.), 0:2 Mann (16.), 0:3 Rzehaczek (45.+1), 1:3 Bader (52.)

Schiedsrichter: Steffen Ehrhardt, Robert Gnade, Christian Keune; Zuschauer: 207