Wernigerode l Unter den sieben Nachwuchshoffnungen ist mit Kim Amy Duschek auch wieder eine Weitenjägerin vom Ski-Klub Wernigerode.

„Mit drei Jahren hat Kim bei uns begonnen, wie alle Kleinen auf der Po-Rutsche. Mit sechs Jahren hat sie ihre ersten Sprünge auf der Schanze gemacht. Von diesem Zeitpunkt an hat sie sich unter der Regie ihres Opa als Trainer kontinuierlich weiter entwickelt“, erzählt Klaus-Dieter Götze, langjähriger Vereinschef des Ski-Klub Wernigerode und international erfahrener Sprungrichter. „Wir hoffen, dass es bei ihr nun auch an der Sportschule so weiter geht und sie gesund bleibt“, hofft Götze, dass Kim Amy Duschek ihren erfolgreichen Weg im Skispringen fortführt.

„Ich glaube am Sportgymnasium, wo sie vom Leistungsstand unter ihresgleichen ist, wird ihre Entwicklung noch weiter gehen. Die Sportschüler pushen sich ja auch gegenseitig. Hier in Wernigerode ist sie die Beste im Team, die stärkere Konkurrenz wird ihr den nötigen Ansporn geben“, sieht Klaus-Dieter Götze großes Potenzial in Kim Amy Duschek.

Bilder

Schülerin freut sich auf neue Herausforderung

Die Zwölfjährige freut sich schon auf den neuen Lebensabschnitt. „Wir waren vor zwei Wochen das erste Mal in Klingenthal, haben uns das Internat angeguckt und haben die ersten Sprünge gemacht. Es hat mir sehr gefallen und ich freue mich auf jeden Fall, dass es zum neuen Schuljahr los geht. Gleichzeitig wird es auch schwer, die Familie hier zurückzulassen und nicht mehr so oft Zuhause zu sein“, ist sich Kim Amy Duschek der großen Umstellung bewusst.

In Klingenthal trifft sie auf ihr Vorbild, dass aus der unmittelbaren Nähe kommt und den gleichen Weg gegangen ist. „Josephine Laue ist auch im Internat in Klingenthal“, freut sich Kim Amy Duschek zusammen mit der Vize-Junioren-Weltmeisterin zu trainieren, die mit dem Erststartrecht über ihren Heimatverein SFV Rothenburg und damit ebenfalls für den Skiverband Sachsen-Anhalt startet.

Spagat zwischen Schule und Sport

Die schulischen Voraussetzungen sind bei der Harzerin gegeben, in Klingenthal wird die Zwölfjährige das Gymnasium besuchen. „Da sehe ich keine Bedenken, auch wenn sie mir nicht alle Zensuren erzählt“, meint ihr Opa und Trainer Jürgen Duschek mit einem Zwinkern. „Aber das haben wir früher auch nicht gemacht.“

Besonders freut sich Kim Amy auf den ständigen Kontakt mit Skispringerinnen, die sie sonst nur von den Wettkämpfen im Verlauf der Saison kennt. „Und auf die Schanze, und dass ich da besser klar komme. Weil die ist richtig schön“, erzählt die Wernige­röderin, die bei einem ersten Springen in Klingenthal vor zwei Wochen sehr gute Sprünge auf der 60-m-Schanze zeigte. „Kimmi, Du musst schon die Wahrheit sagen, dass Du Dich auf den Aufzug freust“, fügte Klaus-Dieter Götze aus dem Hintergrund hinzu.

Vorraussetzungen sind anders

Die fehlende Aufstiegshilfe ist dem Ski-Klub Wernigerode schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Da die Aktiven den Weg hinauf zur Schanze mit ihren Skiern auf den Schultern zu Fuß über die Treppe zurücklegen müssen, sind in einer Trainingseinheit deutlich weniger Sprünge möglich, als zum Beispiel in Klingenthal. Und bei Kim Amy waren diese Ski beim letzten Training immerhin 2,10 Meter lang.

Dass sie zum ersten Mal in ihrer sportlichen Karriere von ihrem Opa getrennt ist, sieht Kim Amy Duschek zwiegespalten. „Ich freue mich schon, einen neuen Trainer zu bekommen. Aber irgendwie werde ich Opas spezielle Trainingsmethoden dann auch vermissen“, erzählt Kim Amy nach neun Jahren unter den Fittichen der Wernigeröder Trainerlegende. „So ein Trainerwechsel ist schonmal wichtig, weil es über die vielen Jahre ja doch abstumpft. Die fühlen sich bei Hinweisen etwas angegriffen, aber eine Korrektur ist eine Korrektur und keine Kritik. Und wo andere Eltern mit ihren Kindern schon nach Hause fahren, sagt man ,Komm, noch einen Sprung!‘, erzählt der 68-Jährige.

„Wir hoffen, dass sie wieder dahin kommt, wo sie im Oktober und November letzten Jahres war. Dann kam ihr Wachstumsschub und ein größerer Sturz beim Schülercup, wo sie kopfüber den ganzen Hang herunter gerutscht ist. Aber ich hoffe, dass dies nicht mehr im Unterbewusstsein ist“, weiß Trainer Jürgen Duschek genau, dass gerade im Skispringen viel Kopfsache ist. Zudem ist Kim Amy binnen acht Monaten zwölf Zentimeter in die Höhe geschossen, dies ging am Körper nicht spurlos vorbei.

Zwischenziel geschafft

„Sie hat sich schon vor vielen Jahren ein Ziel gestellt, dass sie es gern zum Internat schaffen würde. Das hat sie nun wahr gemacht. Nun wird sich zeigen, wo die Entwicklung hingeht. Der Wachstum kann es ja mit sich bringen, das gar nichts mehr funktioniert. Aber wer den ersten Schritt nicht wagt? Denn jetzt fängt der eigentliche Sport ja erst richtig an“, kommentiert Jürgen Duschek den Wechsel seiner Enkelin in die erste Förderstufe.

Mit Beginn des neuen Schuljahres wird Kim Amy Duschek auch während der wettkampffreien Zeit nur alle drei Wochen in der Heimat sein. „Auch die Wochenenden werden an den Eliteschulen des Sports intensiv zum Training genutzt. Natürlich werden wir auch mal runter fahren, die Fahrt wird ja von der Zeit durch die Autobahnanbindung auch immer kürzer“, verspricht Jürgen Duschek.