Dessau/Zerbst l Nachdem im vergangenen Sommer erstmals öffentlich über diese Idee gesprochen wurde und auf einer Abteilungsleitersitzung auch die Vereinsvertreter darüber informiert wurden, sollten zu Beginn des Jahres 2020 Nägel mit Köpfen gemacht werden. Und dies wurde nun getan. Bei der Abteilungsleiter-Versammlung des KFV Anhalt wurde das Thema nun auch von KFV-Präsident Mario Pinkert offen auf den Tisch gelegt. Die Vereine bekamen bereits am Abend zuvor das Papier vorgelegt.

In dem offiziellen Schreiben wird der Schritt, der die Verschmelzung notwendig macht, untermauert und bei einem Meeting mit dem Fußballverband Sachsen-Anhalt, dessen „federführende Vorgabe“ nicht notwendig ist, diskutiert.

In der Mitteilung heißt es, dass „die Zusammenführung dieser drei Verbände aus diversen Gründen sinnvoll ist“. „Diese wären die regionalen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen sowie die nicht mehr aufzuhaltenden demographischen Veränderungen in den jeweiligen Kreisfachverbänden.“

Größere Probleme für ordentlichen Spielbetrie

So ist es hinlänglich bekannt, dass der KFV Anhalt in den letzten Jahren größere Probleme hatte, einen ordentlichen Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Die Anzahl der Mannschaften schrumpfte in allen Ligen. „Das Aufrechterhalten eines geordneten Spielbetriebes gestaltete sich als außerordentlich schwierig. Weiterhin stehen zukünftig auch strukturelle sowie personelle Veränderungen innerhalb des KFV Anhalt an.“

Dieses Problem stellte sich nicht nur den Anhaltern, auch für den KFV Wittenberg sieht es im Spielbetrieb problematisch aus. Während beim KFV Anhalt in zwei Ligen 27 Mannschaften mitspielen, sind es im KFV Wittenberg in drei Ligen auch nur 36 Teams.

„Durch diesen Rückgang, der auch nicht durch das eingeführte Norwegermodell aufzuhalten war, waren wir gezwungen, uns Gedanken zu machen“, so Pinkert, der diese Überlegungen für „sinnvoll und nicht aufhaltbar“ hält.

Im KFV ABI sieht es (noch) besser aus, ist „die derzeitige Situation noch etwas stabiler, da durch eine bereits realisierte Verschmelzung der KFV Bitterfeld und KFV Köthen ein geordneter Spielbetrieb erzielt wurde“. Hier wurde bereits die Zusammenarbeit in den Bereichen Nachwuchs (Kreisunionsligen), Schiedsrichterwesen sowie Frauenfußball praktiziert. „Seit Jahren wird hier ein gemeinsamer Spielbetrieb im Nachwuchs organisiert und Schiedsrichter gebietsübergreifend eingesetzt“, heißt es in dem Statement.

„Erste Sondierungsgespräche zwischen den Kreisfachverbänden ergaben bereits zum Ende des vergangenen Jahres, dass die beiden KFV Anhalt und Wittenberg zukünftig nicht mehr alleine handlungsfähig sind. Aus diesem Grund trafen sich die verantwortlichen Vorstände der drei KFV Anhalt, Wittenberg sowie Anhalt-Bitterfeld am Donnerstag, 23. Januar, mit dem Präsidium des FSA.“

Dort wurde eine „ausführliche Analyse der derzeitigen Situation“ vorgenommen und „ein mögliches Zukunftsmodell“ diskutiert.

Wie geht es nun weiter? Diese Frage wird viele Fußballer und Fußballfans beschäftigen: „Ich habe im Vorfeld mit vielen Vereinen gesprochen. Es geht mir vorerst nur um den sportlichen Wert. Der sportliche Wert ist das höchste Gut“, betonte Pinkert, der über Personalfragen vorerst nicht reden möchte.

Vorerst sollen Arbeitsgruppen gebildet werden. „Die Vorstandsmitglieder aller drei KFV sowie Vereinsvertreter aus den regionalen Arbeitsgruppen analysierten die derzeitige Ist-Situation, um daraus Möglichkeiten aufzuzeigen, wie ein gemeinsamer zukünftiger Weg als ein Kreisfachverband aussehen könnte.“

Diese Arbeitsgruppen sollen sich mit weiteren Fragen, wie Spielbetrieb, Nachwuchs, Schiedsrichterwesen, Sportgerichte und Finanzen, beschäftigen, wobei die Vereine eng in die Betrachtungen und Überlegungen einbezogen werden sollen.

Sportliche Weichen für die Zukunft

„Zielsetzung ist eine unkomplizierte und zügige Zusammenarbeit, damit bis zur Saison 2021/22 die Verschmelzung abgeschlossen ist. Voraussetzung ist die Erstellung einer einheitlichen Ausschreibung in den Arbeitsgruppen bis zum 30. Juni 2020. In der Übergangssaison 2020/21 werden dann im gesamten Gebiet die sportlichen Weichen und Qualifikationen für die Zukunft gelegt.“

Den Verantwortlichen der Fusion und ihren Mitstreitern ist viel Fingerspitzengefühl gepaart mit viel Glück und Verständnis für die Belange der Vereine zu wünschen, so dass das „neue Konstrukt“ die Voraussetzungen für eine starke und dauerhafte Fußball-Zukunft hat.