Volksstimme sprach mit Präsident Lothar Müller über die abgelaufene Spielzeit, ökonomische Zwänge und Zukunftsperspektiven im Zerbster Vorzeigeclub.

 

Volksstimme: Herr Müller, wie fällt Ihr Saisonfazit über alle vier Herren- und die Frauenmannschaft aus?

Lothar Müller: Sportlich gesehen war die abgelaufene Saison wie in den Vorjahren wieder sehr erfolgreich. Die erste Männer-Mannschaft war mit dem Vize-Weltpokalsieg, Bronze bei der Champions League, mit der 14. Deutschen Meisterschaft infolge und zum Abschluss dem Pokalsieg wieder unser Aushängeschild. Die Zweite hat mit ihrem dritten Platz in der zweiten Bundesliga ebenfalls echt überzeugt. Und das ohne Hilfe aus der Ersten. Dieses Selbstbewusstsein tut auch Not, denn in der kommenden, ganz schweren Spielzeit mit der anstehenden Strukturreform müssen sie sich ja ganz weit vorn platzieren, um die Klasse zu halten.

International und national sieht man den SKV ja schon über Jahre ganz weit vorn. Wie sieht es regional und lokal, auf Landes- und Kreisebene aus?

Hier präsentieren unsere Teams den Verein wirklich gut. Die dritte Männer-Mannschaft hat souverän die Landesklasse gehalten. Die Vierte hat die Kreisklasse sogar gewonnen, steigt aber aus Personalmangel, in der Kreisliga müsste mit sechs Keglern gespielt werden, nicht auf.

Und die Frauen waren ja auch sehr erfolgreich?

Ja, unsere Frauen waren mit ihrem Landesmeister-Titel überaus erfolgreich und spielen ab diesem Jahr ebenfalls national in der zweiten Bundesliga. Das Highlight war das DKBC-Pokalspiel gegen Bamberg, das echte Werbung für den Frauen-Kegelsport darstellte. Die zweite Bundesliga wird die nächste große He- rausforderung für den Verein. Auch finanziell.

Das ist aber zu wuppen? Der Unterstützung Ihrer Partner können Sie sich doch weiterhin gewiss sein?

Die Frauen haben sich selbst um entsprechende Mittel gekümmert, das hat gut funktioniert. Unsere Sponsoren stehen fest an unserer Seite. Alle haben ihre Unterstützung auch für die kommende Saison zugesichert. Wir sind natürlich immer noch dabei, den Kreis der Unterstützer zu erweitern. Akquise und Sponsorensuche sind keine Selbstläufer. Die sportlichen Erfolge bringen in unserer Sportart ja keine finanziellen Erträge.

Die kosten wohl eher viel Geld?

Gerade die Champions League in der letzten Saison hat richtig gekostet. Wir mussten nach Bosnien und Kroatien. Das waren auch finanziell schon echte Herausforderungen. Da stoßen wir ausgabenseitig schon an Grenzen.

 

Wer sind denn da Ihre Haupt-Unterstützer?

Ich finde das immer unglücklich, hier tatsächlich Einzelne zu nennen. Ich sage immer, unsere regionalen Player helfen uns teils uneigennützig. Man würde mit Sicherheit den einen oder anderen Unterstützer in der Aufzählung vergessen und das würde dem Engagement des Einzelnen nicht gerecht werden. Wir sind sehr breit aufgestellt. Außerdem haben wir auch die Politik mit dem Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann und dem Land Sachsen-Anhalt als Netzwerk im Rücken, das uns die eine oder andere Tür in die Wirtschaft öffnet. Und alle unsere Unterstützer sind auf das, was wir machen und wie wir es machen, sehr stolz.

Jetzt hat sich der Verein auch in der Struktur teils neu aufgestellt. Zeigt das schon Auswirkungen?

Wir haben nach 20 erfolgreichen Jahren auch im Vorstand neue Wege bestritten, auch da eine Verjüngung eingeleitet. Wir werden ja auch nicht jünger und da mussten wir neue Leute an die Vereinsarbeit heranführen, die das Geschaffene auch langfristig erhalten können und wollen. Das muss natürlich schrittweise erfolgen. Das heißt nicht, dass die Arbeit in der Vergangenheit schlecht war. Ganz im Gegenteil. Der Vorstand hat über 20 Jahre hervorragend funktioniert. Ich danke nochmals meinen ausgeschiedenen langjährigen Vorstandskollegen für ihr Engagement und ihre tolle Arbeit. Aber der Übergang in jüngere Hände ist eingeleitet. Da kommen schon neue, moderne Impulse in die Vereinsarbeit.

Gibt es Neues rund um die Infrastruktur, sprich um das Stadtwerke Kegelsportcenter?

Puh, die Unwetter in der Region machen leider nie einen Bogen um unsere schöne Anlage. Im vergangenen Jahr hat uns der Sturm Bäume aufs Dach geweht mit einem riesigen Dachschaden (lacht), jetzt hatten wir einen Überspannungsschaden durch Blitzschlag. Hier war das aber glücklicherweise versicherungstechnisch abgesichert. Da die Anlage ja Vereinseigentum ist, müssen wir in der Beziehung alles selber regeln.

Aber für die neue Saison ist alles technisch, finanziell und sportlich im Lot?

Die Saison ist geplant und gut vorbereitet, begann Anfang August mit den Vorbereitungsspielen der einzelnen Teams. Die Erste macht, teils gemeinsam mit dem Zweitliga-Kader, vom 22. bis 25. August ein Trainingslager hier in Zerbst mit dem einen oder anderen Sponsoren-Termin und auch Testspielen in Schönebeck und hier zu Hause. Soweit ist alles bereit für den Saisonstart.

Welche Ziele gibt der Verein und sein Präsident für die kommende Spielzeit aus?

Wir stellen uns in jedem Jahr, insbesondere was die erste Mannschaft angeht, die höchsten Ziele. Wir wollen die nationalen Titel verteidigen und in den internationalen Wettbewerben wieder in die Finals vordringen. Personell haben wir weiter deutlich verjüngt und sind so mit Sicherheit nicht schlechter aufgestellt als in den letzten Jahren. Eher noch besser. Das hat unser sportlicher Kopf Timo Hoffmann auch mit Blick auf die Zukunft gut im Griff.

Und die Teams unterhalb der ersten Bundesliga?

Für diese Mannschaften gilt es, die Klassenzugehörigkeit sicher zu erreichen. Die zweite Mannschaft und die Frauen müssen mit entsprechenden Platzierungen erst einmal die Strukturreform überstehen. Da steigen in diesem Jahr ja bis zu fünf Mannschaften ab. Auf Landes- und Kreisebene sollen die Klassen gehalten werden. Diese Sportler sollen mit viel Spaß unseren Verein in der Region präsentieren und unsere jungen Nachwuchsspieler integrieren.