München (dpa) - Zwei Wochen ohne Spiel. Das kurze Durchpusten rund um Weihnachten kosten nicht nur die in diesem verflixten Corona-Jahr arg strapazierten Fußball-Profis des FC Bayern aus, sondern auch ihr Chef.

"Die Pause tut uns gut", bekannte Hansi Flick zum Ende des Münchner Fünf-Titel-Jahres. Er gab aber zugleich zu: "Als Trainer ist man auch in der freien Zeit mit den Gedanken beim Fußball." Schon am Dienstag geht an der Säbener Straße die Trainingsarbeit wieder los.

Am kommenden Sonntag geht es für den Serienmeister und Tabellenführer in der Bundesliga mit dem Heimspiel gegen den Abstiegskandidaten Mainz 05 weiter. Im Januar stehen gleich wieder sieben Partien an. Auf maximal 35 könnte sich das Mammutprogramm in allen Wettbewerben bis zum Champions-League-Finale am 29. Mai in Istanbul summieren - sofern die Corona-Pandemie alles zulässt.

Flick geht als Mann des Jahres in die Fußball-Historie 2020 ein, auch wenn er bei der FIFA-Wahl zum Welttrainer des Jahres zur Überraschung vieler nur Platz zwei hinter Jürgen Klopp vom FC Liverpool belegte. "Besser geht es ja nicht mehr", bemerkte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge zur grandiosen Jahresleistung des "Glücksfalles" Flick.

Vom Fachmagazin "Kicker" wurde der Triple-Trainer zur "Persönlichkeit des Jahres 2020" gekürt, "weil er diesen überragenden Erfolg erstens durch Teamarbeit aus Überzeugung schuf und zweitens mit einer geerdeten Bescheidenheit annimmt, die dem Fußball inmitten seiner Kulturkrise sehr guttut". Assistent Hermann Gerland betonte in seinem Glückwunschtext: "Er ist von Grund auf ein guter Mensch" - und würdigte seinen Chef: "Wenn er es für richtig hält, holt er sich bei seinen Mitarbeitern Rat ein und befolgt ihn auch, wenn er damit Verbesserungen einleiten kann. Er hält sich nicht für allwissend."

"Phänomenal" nennt Thomas Müller die Entwicklung unter dem Nachfolger von Niko Kovac. "Wir kamen vom Gefühl her von relativ weit unten im Herbst 2019. Dann haben wir einen Lauf hingelegt, der sensationell ist", erinnerte der 31 Jahre alte Angreifer. 42 von 48 Pflichtspielen hat das von Flick umstrukturierte Bayern-Team in diesem Jahr gewonnen und lediglich ein einziges verloren; Ende September in der Bundesliga mit 1:4 bei der TSG Hoffenheim. Gut, besser, Hansi Flick!

Ans Zurücklehnen denkt aber keiner der Allesgewinner. Der 55 Jahre alte Flick bemüht einen "schönen Spruch", den er immer und immer wieder aufsagt: "Erfolg ist nur gemietet - und die Miete ist jeden Tag fällig. Das soll heißen, dass wir uns auf dem, was wir erreicht haben, nicht ausruhen." Alle fünf gemieteten Trophäen - von der Meisterschale bis zum Henkelpott der Königsklasse - stehen im neuen Jahr zur Verteidigung an. "Wir sind immer noch im Siegermodus", sagte Weltfußballer Robert Lewandowski: "Wir schauen auf das, was wir noch gewinnen können, und nicht auf das, was wir gewonnen haben."

Gleich im Februar winkt in Katar bei der verschobenen Club-WM 2020 der nächste Titel. "Diese Chance wollen wir wahrnehmen", kündigte Kapitän Manuel Neuer an. Der Nationaltorhüter erhebt das aktuelle Bayern-Ensemble sogar über die Triple-Generation von 2013. "Ich persönlich habe so einen Zusammenhalt noch nie erlebt, und ich bin bereits eine ganze Weile im Fußball tätig", äußerte der 34-Jährige.

Flick sieht sich vor neuen Herausforderungen. Die Kraftanstrengungen im Corona-Jahr haben Spuren hinterlassen. Der Münchner Power-Fußball bekam Mängel. Neuzugänge wie Königstransfer Leroy Sané zündeten in den ersten Monaten noch nicht wie erhofft. Vor allem aber war die Gegentor-Quote zuletzt viel zu hoch. Flick sprach in der Endphase des Jahres von einem "Aufmerksamkeitsdefizit". Wechselnde Formationen, aber auch Verletzungen wie die des quasi unverzichtbar gewordenen Joshua Kimmich im Mittelfeld machten die Bayern verwundbar.

Der Meister der vergangenen acht Bundesliga-Spielzeiten geht dennoch mit 30 Punkten als Nummer 1 vor Bayer Leverkusen und RB Leipzig (beide 28) in die restlichen 21 Spieltage. Flick nimmt's sportlich: "Die Tabelle ist sehr eng. Danach haben sich doch alle gesehnt."

Neue Aufgaben warten auf den Trainer, auf die Spieler und auch auf die Münchner Bosse. Sie müssen in wirtschaftlich schwierigen Corona-Zeiten mit Einnahmeausfällen in womöglich dreistelliger Millionenhöhe kostspielige Personalien lösen. Beim Defensiv-Trio David Alaba (28), Jérôme Boateng (32) und Javi Martínez (32) laufen die Verträge aus, ihre ablösefreien Abschiede stehen im Raum.

Bei jüngeren Leistungsträgern wie Leon Goretzka (25) oder Niklas Süle (25) enden die Arbeitspapiere im Juni 2022. Auch hier besteht schon in nahe Zukunft Handlungsbedarf. Sportvorstand Hasan Salihamidzic hatte sich mit dieser Botschaft in den Kurzurlaub verabschiedet: "Wir werden uns jetzt ein wenig ausruhen und die Füße hochlegen. Wenn wir dann zurückkommen, wollen wir genauso (wie 2020) weitermachen."

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