Magdeburg l Mit Wolfgang Abraham wird am heutigen Freitag einer der Europapokalhelden des FCM von 1974 zu Grabe getragen. Der gebürtige Osterburger verstarb am 3. Februar nach langer schwerer Krankheit kurz nach seinem 71. Geburtstag.

"Wolfgang war ein guter Fußballkamerad", sagte sein Mitspieler Wolfgang "Paule" Seguin (67), der gemeinsam mit Mannschaftskapitän Manfred Zapf (66) an der Urnenbeisetzung auf dem Magdeburger Westfriedhof teilnehmen will. "Bomber" Abraham, wie er überall gerufen wurde, war an der "Goldenen Ära" des 1. FC Magdeburg in den 1970er Jahren maßgeblich beteiligt, gewann mit den Blau-Weißen neben dem Europapokal drei DDR-Meisterschaften und zweimal den FDGB-Pokal.

Sein Weg aus der Altmark zum Magdeburger Leistungszentrum verlief keineswegs gradlinig. 1958 kam Wolfgang Abraham von der BSG Einheit Osterburg zum Nachwuchs des damaligen SC Aufbau Magdeburg. Knapp vier Jahre später, am 27. Mai 1962, debütierte der schussgewaltige Schwarzschopf unter Trainer Fritz Wittenbecher gegen Dynamo Berlin in der Oberliga-Elf der Elbestädter. Unter Wittenbechers Nachfolger Ernst Kümmel hatte der junge Linksaußen aber einen schweren Stand, wechselte 1963 zum Zweitligaaufsteiger Turbine Magdeburg, dem heutigen SV Fortuna. Nach dem Abstieg Turbines aus der DDR-Liga spielte Abraham eine Saison für Lok Stendal, unterlag mit den Altmärkern im FDGB-Pokalfinale 1966 der BSG Chemie Leipzig mit 0:1. Nachdem der kurz zuvor gegründete 1. FC Magdeburg das Oberhaus verlassen musste, holte Neu-Trainer Heinz Krügel den Altmark-Bomber wieder zurück zum Club, und Abraham dankte es ihm in der Aufstiegssaison 1966/67 mit 16 Toren.

Am ersten Oberliga-Tor nach dem sofortigen Wiederaufstieg war Abraham auch beteiligt, legte im Spiel bei Dynamo Dresden zum 1:1-Ausgleich durch Hermann "Männe" Stöcker auf. Im ersten Meisterschaftsjahr der Elbestädter 1971/72 war Mittelfeldspieler Abraham mit 13 Treffern Magdeburgs bester Torschütze vor Mittelstürmer Jürgen Sparwasser (7), traf dabei besonders gern vom Elfmeterpunkt, nämlich siebenmal.

Im Laufe der Jahre rückte der frühere Torjäger immer weiter in die Defensive, spielte zum Ende seiner Laufbahn Vorstopper. Als solcher war er maßgeblich am Gewinn des Europapokals 1974 beteiligt. Beim 1:1 im Halbfinale bei Sporting Lissabon rettete er im Stile eines Torwarts auf der Linie, den anschließenden Elfmeter parierte Uli Schulze.

Nach dem dritten Meisterschaftsgewinn mit dem FCM bestritt Abraham im August 1975 sein letztes Oberligaspiel, war nach einer auskurierten Verletzung noch einige Male in der zweiten Mannschaft am Ball, ehe er im Frühjahr 1977 die Töppen endgültig an den Nagel hängte. Danach blieb der "Bomber" den Blau-Weißen noch lange Jahre als Mannschaftsleiter, später Technischer Leiter und nach der Wende kurz als Vizepräsident treu, ehe er sich immer mehr zurückzog.

Ulrich Kammrad, der Abrahams erste Schritte im Magdeburger Oberligateam als Co-Trainer seinerzeit mitbegleitete, erklärte gegenüber dieser Zeitung: "Wolfgang Abraham war eine tragende Kraft in den besten Jahren des FCM, gehörte nicht nur wegen seines Alters und der Erfahrung zu den Führungsspielern, konnte manchmal aber auch schwierig sein, mobbte auch mal Mitspieler." Auch Kammrad wird "Bomber" Abraham auf dessen letzten Weg heute die letzte Ehre erweisen.

Wolfgang Abraham

Mit Wolfgang Abraham wird am heutigen Freitag einer der Europapokalhelden des FCM von 1974 zu Grabe getragen. Der gebürtige Osterburger verstarb am 3. Februar nach langer schwerer Krankheit kurz nach seinem 71. Geburtstag.

  • Wolfgang Abraham zu seiner aktiven Zeit.

    Wolfgang Abraham zu seiner aktiven Zeit.
    Quelle: Archiv

  • Wolfgang Abraham ist schneller als Gerd Müller am Ball. Foto: imago

    Wolfgang Abraham ist schneller als Gerd Müller am Ball. Foto: imago

  • Wolfgang

    Wolfgang "Paule" Seguin. Einer der langjährigen Vereinskameraden von Wolfgang Abraham.
    Quelle: O. Kramer

  • Die Traditionself des 1. FC Magdeburg bei einem Spiel im vergangenen Jahr: Heinz Steinborn, Wolfgang Sandrock, Peter Heuer, Martin Hoffmann, Klaus-Dieter Runge, Rolf Döbbelin, Axel Tyll, Torsten Reindl, Wolfgang Seguin, Dirk Stahmann, Reinhard Rother, Jürgen Brennecke, Markus Henkel, Damian Halata, Dirk Hannemann, Frank Windelband, Jürgen Pommerenke, Ingolf Wiegert (h. v. l.), Frank Siersleben, Guido Krause, Frank Cebulla, Niels Mackel, Dirk Baumann, Uwe Klaeger, René Thierau und Peter Köhler (v. v. l.).  Wolfgang lief in der Traditionself nicht mit auf.

    Die Traditionself des 1. FC Magdeburg bei einem Spiel im vergangenen Jahr: Heinz Steinborn, Wo...
    Quelle: Archiv