Kiel. Draußen vor der Sparkassen-Arena begann es gestern zur Anpfiff-Zeit (20.15 Uhr) zu schneien, drinnen schrammte der Rekordmeister THW Kiel nur knapp an einer Abreibung vorbei. Doch obwohl die ersatzgeschwächten Magdeburger, die für das schwere Auswärtsspiel im kühlen Norden nominell Verstärkung von den Youngstern bekommen hatten (Kupfer/Thoke), mehr als achtbar gespielt und gekämpft und sogar die erste Halbzeit klar gewonnen hatten, stand man nach dem 22:25 (15:11) mit leeren Händen da.

In der ersten Halbzeit wird es auch "Hein Daddel", dem tierischen Maskottchen der "Zebras", sicher ganz heiß geworden sein, denn die Magdeburger, die ohne etatmäßigen Linkshänder im rechten Rückraum begannen (Wiegert und später Doborac ersetzten den angeschlagenen Natek), kamen überraschend gut ins Spiel. Tönnesen brachte sein Team gleich beim ersten Angriff in Führung, und dies sollte bis zur Pause so bleiben.

Denn während die Kieler sich ungewöhnlich viele Fehler leisteten, hielten sich die Magdeburger strikt an ihr Erfolgsrezept: Die Abwehr machte hinten den Laden, soweit es ging, dicht, die sich ergebenden Konterchancen wurden vorn konsequent genutzt. So stande es in der siebten Minute 2:5.

Und der SCM blieb am Drücker, machte kaum Fehler, jeder Ball wurde bissig verteidigt, jedes Tor geduldig herausgespielt. Es war kaum zu glauben, dass da die gleiche Mannschaft auf dem Feld stand, die gegen Wetzlar zeitweise völlig neben der Spur war, und nun den ziemlich nervös gewordenen Erfolgscoach Alfred Gislasson ("Ich hänge immer noch ein bisschen am SCM.") zu einen frühen Auszeit zwang (11.).

Doch auch diese brachte keine Wende. Der SCM ließ sich auch von aufgebrachten Kieler Spielern und Zuschauern, die mit einigen Schiedrichterentscheidungen haderten, nicht aus dem Tritt bringen. Im Gegenteil. In der 23. Minute erhöhte Weber den Vorsprung sogar auf fünf Tore (13:8). Und auch beim Seitenwechsel schnupperten die zwei Dutzend mitgereisten SCM-Fans bereits die Sensation.

Und doch kam es nicht dazu, denn die Kieler kamen wie verwandelt aus der Kabine, hatten nun den richtigen Biss in der Deckung. Mit Routine und der Klasse eines Jicha (neun Tore) und eines sich steigernden Omeyer im Tor wurde der Rückstand Tor für Tor wettgemacht. In der 45. Minute war die Gegenwehr der weiter Herz, Leidenschaft und Moral zeigenden Magdeburger gebrochen – 19:18. Zwar gelang es den zehnfachen Torschützen Weber noch einmal zum 21:21 (53.) auszugleichen, doch Kiel setzte drei Tore am Stück dagegen und bog auf die Siegerstraße ein.

SCM-Keeper Gerrie Eijlers erklärte nach der Schlusssirene: "Wenn man mit 15:11 in die Halbzeit geht, will man natürlich mehr. Obwohl wir Moral gezeigt haben, hat es leider nicht geklappt."

THW Kiel: Omeyer, Palicka - Lundström 1, Dragicevic, Sprenger 1, Ahlm 3, Kubes, Reichmann 2, Palmarsson 2, Ilic 4, Klein, Jicha 9/1, Fernandez 3.

SC Magdeburg: Eijlers, Quenstedt - Weber 10/8, Natek, van Olphen 2, Tönnesen 1, Jurecki 2, Doborac, Wiegert 2, Landsberg 2, Grafenhorst 3, Thoke, Kupfer, Balogh, Hornke.

Schiedsrichter: Methe/Methe (Velmar). Zuschauer: 10250 (ausverkauft). Siebenmeter: Kiel 7/1, SCM 9/8. Zeitstrafen: 2/5.