Moskau (dpa). Es war ein unwürdiger Abgang aus der Champions League für den russischen Fußball-Rekordmeister Spartak Moskau. Mit Ausschreitungen auf den Rängen sorgten Spartak-Fans im slowakischen Zilina vor wenigen Tagen für eine 22 Minuten lange Spielunterbrechung. Kurz zuvor hatte ein Mob von etwa 1000 Anhängern und Rechtsradikalen in Moskau Zuwande-rern aus dem Kaukasus mit "Rache" für den Tod eines Spartak-Anhängers gedroht.

Die offene Gewalt wirft eine Woche nach Vergabe der Fußball-WM 2018 an Russland ein Schlaglicht auf Rassismus und Brutalität in der Fan-Szene zwischen Kaliningrad und Wladiwostok. NS-Symbole und Waffen sind in russischen Stadien keine Seltenheit.

Bei einem Streit um ein Taxi war Spartak-Unterstützer Jegor Swiridow zu Wochenbeginn in Moskau erschossen worden, sein Freund schwebt in Lebensgefahr. Der Täter stammt wie bei Zusammenstößen im Juli, als ein Spartak-Fan erstochen worden war, aus dem Konfliktgebiet Nordkaukasus.

Schon in der Vergangenheit war es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen "Fans" sowie Gastarbeitern aus dem Kaukasus oder aus Zentral-asien gekommen. Immer wieder sind in Stadien Parolen wie "Russland den Russen" zu hören. Im April 2009 "gratulierten" Fans auf einem Banner Hitler zum "Geburtstag".

"Schande von Zilina", titelte jetzt die russische Zeitung "Sport Express". Der Skandal sei aber kein Einzelfall, warnte die Leiterin des Moskauer Zentrums für Menschenrechte, Galina Koschewnikowa. Die Spartak-Fanszene besitze zwar einen breiten ultrarechten Flügel, aber auch die Anhänger anderer russischer Vereine seien von gewaltbereiten Jugendlichen "unterwandert". Koschewnikowa sieht ein "moralisches Vakuum", in dem sich viele Menschen in Russland rund 20 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion als Verlierer fühlten. Für Hooligans und Skinheads sei der Fußball eine ideale Bühne, um Frust abzulassen.

"Bis zur WM 2018 wächst in Russland eine andere Fan-Generation heran", prognostizierte dagegen Alexander Sprygin, Leiter des Verbands der Fußballfans. Experten sehen aber eine immer engere Verzahnung der Fußball-Szene mit nationalistischen Gruppen wie etwa "Slawische Kraft" oder der fremdenfeindlichen "Bewegung gegen illegale Einwanderung" (DPNI). Nach den Ausschreitungen in Zilina sieht Fußball-Legende Nikita Simonjan das Image Russlands auf lange Zeit beschädigt. "Zu Recht werden jetzt Stimmen laut, dass man die WM 2018 doch besser nach England vergeben hätte", sagt der 84-jährige frühere Spartak-Spieler.