China bleibt im Tischtennis weiter die Nummer eins: Weltmeister Wang Hao, Fünfter der Weltrangliste und Gewinner des World Cups der Jahre 2007 und 2008, fügte gestern in der Magdeburger Bördelandhalle seiner Erfolgsbilanz den dritten Weltcup-Sieg hinzu. Timo Boll wurde Dritter, der zweite Deutsche, Dimitrij Owtscharow, scheiterte im Viertelfinale.

Magdeburg. Es bleibt dabei: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel und Europas bester Tischtennis-Spieler, Timo Boll, kann in Magdeburg nicht gewinnen. Auch bei seinem fünften Auftritt in der Bördelandhalle musste der Düsseldorfer die Klasse der Chinesen anerkennen.

Boll, der die Vorrunde ungeschlagen überstanden und in einem an Dramatik und Klasse kaum zu überbietenden Viertelfinale Chuan Chih-Yuan (Taiwan) nach 1:3-Rückstand noch 4:3 bezwungen hatte, fand schließlich in Weltmeister Wang Hao seinen Meister. Mit 1:4 fiel die Niederlage des Weltranglistenzweiten aus Deutschland deutlich aus. Und es trat ein, was Boll nach seinem Viertelfinalsieg am späten Sonnabend erklärt hatte: "Gegen Wang werde ich solch einen Rückstand nicht wettmachen können."

Die 4 200 Besucher in der Bördelandhalle feuerten ihren Liebling frenetisch an, doch Wang, der gestern im Finale auch seinem Landsmann Zhang Jike mit 4:1 in die Schranken wies, war nicht in Verlegenheit zu bringen. Ein sichtlich geschlauchter Boll sagte dann auch: "Ich bin einfach nur kaputt. Wang Hao war einfach nicht zu knacken, er war eine Klasse besser und hat mir gezeigt, wo ich stehe. Ich muss im Moment mit meiner Leistung zufrieden sein. Ich habe ganz harte Wochen hinter mir, und in Magdeburg habe ich das Letzte aus mir herausgeholt. Immerhin habe ich aber gegen alle anderen Gegner gewonnen."

Im undankbaren Spiel um Platz drei, nach seiner Halbfinale-Niederlage musste Boll gestern bereits nach nur einstündiger Pause gegen den ausgefuchsten Japaner Mizutani erneut ran. Beide lieferten sich ein beherztes Duell, das den Deutschen nach dem siebenten Satz als 4:3-Sieger sah. Das brachte dem Linkshänder schließlich 15 000 Dollar Preisgeld ein.

Zu seinen Planungen sagte Boll: "Nächste Woche spiele ich in Jekaterinburg beim Supercup der Europäischen Tischtennis-Union. Das ist das höchstdotierte Turnier der Welt und findet ohne Chinesen statt. Schließlich muss man ja von irgend etwas leben." Anschließend geht die Reise zu einem Kurzurlaub nach Spanien und Österreich.

Der 29-jährige Boll, dem auch bei seinem fünften Turnier in Magdeburg nicht der ganz große Erfolg vergönnt war, erachtet dennoch die Elbestadt "nicht als einen verfluchten Ort für mich. Es macht hier immer Spaß, vor dieser tollen Kulisse und den sachkundigen Zuschauern zu spielen. Das hat mir eine zusätzliche Portion Motivation gegeben."

Der in Düsseldorf lebende und für Fakel Orenburg (Russland) aufschlagende Dimitrij Owtscharow erreichte immerhin das Viertelfinale, wo gegen den späteren Finalisten Zhang Jike mit 2:4 Endstation war. "Schade, dass ich meine Chance nicht genutzt habe. Ich konzentriere mich auf mein Spiel und habe den Dopingverdacht kaum noch im Kopf", sagte der gebürtige Ukrainer nach seinem ersten Auftritt nach seiner wochenlangen Suspendierung.

Dirk Schimmelpfennig, Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Verbandes (DTTB), bezeichnete "dieses Turnier als eine wichtige Möglichkeit, uns mit den Besten der Welt zu messen".

Von einem "überwältigenden Zuspruch" sprach Thomas Weikert. Der DTTB-Präsident hofft, "dass wir in nächster Zeit wieder ein Event in Magdeburg haben werden".

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper, zugleich auch Schirmherr der Veranstaltung, erinnerte daran, dass die Landeshauptstadt die Bördelandhalle kostenlos zur Verfügung gestellt hat, und unterstrich: "Auch wenn unsere Stadt im Tischtennis nicht Weltspitze ist, so haben wir uns doch ein weiteres Mal als gute Gastgeber erwiesen."

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