Magdeburg. Vor einer Woche noch schwebte Torhüterin Almuth Schult nach einem (Not)-Ruf aus der DFB-Zentrale im siebten Fußball-Himmel, wurde sie doch gerade höchstpersönlich Ohrenzeuge ihrer Berufung in die A-Nationalmannschaft, die unter der Woche auf Nigeria treffen sollte. Doch nur wenige Tage später holte sie der Liga-Alltag unsanft wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Und die 19-Jährige vom Magdeburger Zweitligisten MFFC musste erkennen, dass auch für einen Shootingstar die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt – "so ist nun mal der Sport", tröstet sich die Magdeburgerin über die 1:3-Niederlage am Wochenende in Oldesloe hinweg, und darüber, dass ihr der Ball beim ersten Gegentreffer einfach so durch die Hände gerutscht war. Doch so ein Missgeschick haut die gebürtige Dannenbergerin nicht um. Schließlich war es ja nicht der erste und wird wohl auch nicht der letzte Patzer in der noch jungen Karriere der Fußballerin gewesen sein, hinter der ein "schier unglaubliches Jahr" liegt.

"Absolute Krönung" des Höhenfluges der Nationaltorhüterin, die im Sommer mit dem Titel bei den U-20-Weltmeisterschaften im eigenen Land ihren bisher größten sportlichen Erfolg feiern konnte, war das Debüt in der A-Nationalmannschaft am vergangenen Donnerstag beim 8:0-Kantersieg gegen Afrikameister Nigeria in Leverkusen. "Das war der Wahnsinn und eine große Ehre für mich. Mit 19 im Kader des A-Teams zu stehen, das schafft auch nicht jeder", ist Schult schon ein wenig stolz. Zu Recht.

Zu ihrer Premiere im Team von Bundestrainerin Silvia Neid war Schult wie die Jungfrau zum Kind gekommen. "Als das Handy klingelte und ich hörte, wer dran war, dachte ich zuerst, da will mich einer verarschen. Ich stand ja nicht mal auf der Liste der Nominierten, die als Ersatz infrage kommen konnten. Aber nach dem ersten Schock war mir klar, dass da Not am Mann ist und ich düste Hals über Kopf mit dem Auto am Montagabend los."

Darüber, dass sie nach fünf gemeinsamen Trainingseinheiten mit den "Großen" ("Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, viel intensiver, schneller, länger und die Schüsse sind schärfer und härter") über das Klamotten-Hinterhertragen als Jüngste nicht hinaus kam, war Almuth Schult gar nicht mal traurig: "Ich weiß nicht, ob ich hätte wirklich spielen wollen, denn der Respekt, und die Angst, einen Fehler zu machen, waren doch ziemlich groß."

So, wie alles gelaufen ist, sei es genau richtig, lautet das Resümee der Debütantin. Almuth Schult will "lieber step by step" die Karriereleiter hinaufgehen: "Ich durfte mal da oben reinschnuppern, wurde gut aufgenommen und die Torwarttrainerin Michaela Fuchs war auch mit mir zufrieden. Und dass Frau Neid nichts zu mir gesagt hat, fasse ich einfach mal als stillschweigendes Kompliment auf. Lieber gar nicht, als negativ auffallen."