Blankenburg l Tatjana Hüfner hat selbst nie mitgezählt, und auch die penibelsten Statistiker haben ihr bislang keine Antwort auf folgende Frage gegeben: Nach wie vielen Monaten hat sie mit ihrem Sieg in Lake Placid am 2. Dezember 2016 erstmals wieder das gelbe Trikot der Weltcup-Führenden übergezogen? Wenn man ihren letzten Gewinn des Kristallpokals in der Saison 2011/2012 zugrunde legt, waren es zumindest sehr viele Monate. Dabei „steht mir Gelb gut“, haben ihr andere bereits bestätigt. Und darin startet Hüfner nun ins neue Jahr, in den zweiten Saisonabschnitt, der am 5. Januar mit dem Rennen in Königssee beginnt.

Nicht nur der Umstand, die Konkurrenz nach den bisherigen vier Wettbewerben wieder anzuführen, macht deutlich, wie sehr die 33-Jährige zu alter Stärke zurückgefunden hat. Sie hat zudem erstmals in ihrer Karriere in Lake Placid (USA) gewonnen. Sie ist in der ewigen Bestenliste mit der Chemnitzerin Sylke Otto (37 Siege) gleichgezogen und hat nun noch fünf Chancen bis Saisonende, die ehemalige Teamgefährtin zu überholen. „Deshalb ist mir aber der nächste Weltcup nicht mehr und nicht weniger wert“, sagt Hüfner. „Mein Anspruch ist es immer zu gewinnen, und das habe ich auf allen Bahnen dieser Welt auch drauf.“

Da ist so vieles so sehr richtig gelaufen in der Vorbereitung auf diese Saison, das Gefühl hatte sie bereits vor dem ersten Start Ende November in Winterberg, und das Gefühl hat sie nicht getäuscht. „Ich habe wieder riesige Freude am Rodeln und am Tüfteln am Material“, berichtet die Blankenburgerin. „Und ich habe einfach nicht mehr den Eindruck, dass ich stehenbleibe.“ Den hatte sie in beiden vergangenen Jahren in Anbetracht ihrer Rückenprobleme und ihres Achillessehnenrisses, beides lässt sie inzwischen auch von einem Heilpraktiker in Dresden behandeln. Vor Weihnachten und am gestrigen Donnerstag hat sie ihn noch einmal aufgesucht. „Mal sehen, ob es dann reicht bis zur Weltmeisterschaft“, meint sie mit Blick auf die Titelkämpfe am 28./29. Januar in Innsbruck.

Bis dahin aber genießt sie die positive Unruhe in ihrem Umfeld. Obwohl es mit vier Podestplätzen bei vier Saisonveranstaltungen großartig gelaufen ist, sie das Gesamtklassement mit 430 Zählern vor Natalie Geisenberger (Miesbach/412) anführt, herrscht immer noch Aufbruchstimmung in ihrem Team. Mit ihrem Mechaniker Robert Eschrich kitzelt sie noch mehr Tempo aus dem Schlitten heraus, mit ihrem Coach Jan Eichhorn verbessert sie weiter ihre athletischen Qualitäten. „Mein Umfeld gibt einfach keine Ruhe“, freut sich Hüfner über den geteilten Ehrgeiz.

Den lässt sie in Interviews allerdings kaum noch durchblicken. Statt knallharter Analyse mit tiefster Alt-Stimme – wie in den letzten Jahren – resümiert sie nun ihre Auftritte mit weichen Tönen und zuweilen lockeren Sprüchen. Mehr Beweise bedarf es wirklich nicht, dass Hüfner und ihr Sport wieder zu einer Einheit gewachsen sind.