Beim 28:23-Sieg am Mittwochabend bei HBW Balingen-Weilstetten haben die Bundesliga-Handballer des SC Magdeburg wieder gezeigt, dass ihr Erfolg über die mannschaftliche Leistung geht - deren Grundlage liefern allerdings noch immer die individuellen Qualitäten.

Magdeburg l Man hätte nach dem Spiel jeden Magdeburger befragen können, die Quintessenz des Gesagten hätte in Sätzen wie "Die Mannschaft ist geschlossen aufgetreten" oder "Das war ein Erfolg der Mannschaft" gelegen. Björgvin Gustavsson, der zweimal zum Siebenmeter ins Tor berufen wurde und zweimal parierte, hätte sie genauso gesagt wie Yves Grafenhorst, der viermal in der ersten Hälfte auf das HBW-Gehäuse warf - und viermal traf. Oder wie Bartosz Jurecki, mit sieben Toren der erfolgreichste SCM-Schütze des Abends. Kein Schock war zu spüren ob des Ausfalls vom Fabian van Olphen (Kreuzbandriss), dessen Operation gestern in Bad Griesbach gut verlaufen ist und der bereits mit Physiotherapie begonnen hat, berichtete Trainer Frank Carstens. Und genau solch ein Spiel hatte sich Carstens erhofft: "Wir wollten sehen, dass der Ausfall unseres Kapitäns eher Kräfte freisetzt."

Die Nähe zum 30-jährigen Holländer bleibt, nicht zuletzt weil sie gewachsen ist über Jahre, van Olphen spielt seit 2006 für den SCM - wie Jurecki. Beiden darf man deshalb den Charakterzug der Bodenständigkeit nachsagen. Es ist zudem weder van Olphens noch Jureckis Markenzeichen, Gedanken besonders euphorisch zu äußern. Aber folgender Satz des 32-jährigen Polen zeigt, mit welcher Erleichterung der Sieg in Balingen zur Kenntnis genommen wurde: "Es war unglaublich, mit wie viel Herz wir gespielt haben."

Jureckis erste Aufgabe ist in der Regel das Sperren am Kreis, das Lückenreißen für den Rückraum, das Freikämpfen für die eigene Chance. Weniger Verantwortung wurde ihm in den vergangenen Wochen im Abwehr-Mittelblock nahegelegt. "Kjell ist unser Abwehrchef", sagt Jurecki nämlich, was die heimliche Rolle Landsbergs wieder einmal betont.

Jurecki hatte diese Rolle nach der Roten Karte Landsbergs (er ist nicht gesperrt) beim 18:20 (38.) übernommen, an der Seite von Ales Pajovic, der im Mittelblock das Vertrauen des Trainers bestätigen konnte. "Gerade in der Schlussphase haben es Bartosz und ,Pajo\' sehr gut gelöst", so Carstens. Darum hatte Jurecki selbst gar keine Sorgen: "Ich habe gesagt, ich bin bereit für die Aufgabe und werde mein Bestes versuchen." Das Beste hatte er erreicht - wie auch die sonst selten beachteten Deckungsspieler auf den Halben, weil Bennet Wiegert oder Andreas Rojewski wieder einen großen Anteil an vielen Ballgewinnen hatten. Diese kämpferische Leistung war allerdings kein Wunder, sie war eben der SCM.

Über Jureckis unheimliche Präsenz am Kreis muss man nicht reden, zumal Rolf Brack, der Balinger Trainer, in einem trockenen Resümee erklärte: "Der Kreisläufer war uns um Galaxien überlegen." Wie er sich freispielte, weil er in der 3-2-1 des Gegners mitspielte, wie er mit den Gastgebern "Fang den Bartosz" spielte - und immer gewann. Jurecki selbst schätzte die Leistung des Teams dann auch im Moment der Euphorie nüchtern ein: "Es war nicht alles super, wir müssen weiterarbeiten" - gerade im Angriff, dessen Effektivität 54 Prozent erreicht, der aber nur vier Fehler produziert hatte.

Der SCM hat sich zurück auf den sechsten Platz geschoben, schon am Sonntag kommt mit dem TBV Lemgo ein direkter Konkurrent im Kampf um die EC-Plätze in die GETEC-Arena (17.30 Uhr). "Der Sieg war für das Team moralisch sehr wichtig", erklärte Carstens. Der SCM weiß nämlich, dass er weiterhin "in der Abwehr sehr stark" ist, sagte Jurecki, bevor er begann, einzelne Namen des Erfolgs aufzuzählen, die Leistung der Spieler dahinter zu würdigen und den Sieg "unserem Capitano" zu widmen. Auch in dieser Hinsicht hat Jurecki für das gesamte Team gesprochen. Van Olphen wird es zu schätzen wissen.