Zum Ende der Bundesliga-Hinserie dreht der SCM noch einmal so richtig auf. Im drittletzten Spiel vor der Winterpause bezwangen die Magdeburger in der GETEC-Arena den TBV Lemgo in einem Kampfspiel mit 35:29 (16:13). Es schöneres Weihnachtsgeschenk hätte es nicht geben können.

Von Janette Beck

Magdeburg l Wie erwartet entwickelte sich das Duell der beiden Kandidaten im Kampf um einen Europacup-Platz früh zu einem heißen Advents-Tänzchen. Bereits bis zum 6:6 (11. Minute) war es ein offener Schlagabtausch, und es war noch nicht abzusehen, wer letztendlich die Oberhand gewinnen sollte. Doch dann gab Stian Tönnesen, dem die vom verletzten van Olphen übernommene Kapitänsbinde zu beflügeln scheint, das Signal zum Sturm: Ein "Hammer" aus dem Rückraum - 7:6 (12.). Der gestern ebenso zur Bestform auflaufende Grafenhorst legte traumwandlerisch sicher zum 8:6 nach. Und der Linksaußen war es auch, der einen weiteren Patzer der Gäste im Angriff zum 10:7 einnetzte (16.).

Doch noch sollte dieser Drei-Tore-Vorsprung nicht reichen, um die Nervosität und Unsicherheit im Spiel zwei nach van Olphen restlos abzulegen. Lemgo war beim 11:10 (22.) wieder dran. Doch dann zog Trainer Frank Carstens sein erstes Ass aus dem Ärmel: Er brachte Gustavsson.

Das schien die Lemgoer ebenso zu irritieren wie zunächst Eijlers, der bis dahin ganz passabel gehalten hatte. Die Fehlwürfe des TBV nahm der SCM dankend an - Landsberg triff a la Jurecki rücklinks zum 14:10 (23.). Zur Halbzeit schmolz der Vorsprung jedoch noch um ein Tor ab.

In der zweiten Hälfte spitzte sich die Partie zu einem echten Kampfspiel zu. Das spiegelte sich auch in der Zahl der Zeitstrafen und Siebenmeter wider (insgesamt 15, bzw. 12). Doch obwohl die Lemgoer dem SCM gefährlich nah kamen (25:24/47.), behielten die Gastgeber im Eifer des Gefechtes die Nerven. Vom Siegeswillen beseelt, zerrten alle gemeinsam an den Ketten. Gustavsson hielt die wichtigen Bälle, vorne wurde konsequent der Torerfolg gesucht. Drei Tore am Stück - und beim 28:24, das Wiegert in Unterzahl erzielte (49.), nahm der mögliche Sieg langsam reale Formen an.

Zwar brachte ein Wechselfehler der Bank, infolgedessen Landsberg mit einer doppelten Strafe belegt wurde und Rot sah, ein wenig unnötige Hektik ins Spiel. Der kaum zu bremsende Rojewski gab in Unterzahl die einzig richtige Antwort: Er hämmerte zum 29:25 ein (52.). Und schon da wurde klar, dieses hart erkämpfte Pfund würde der SCM um keinen Preis der Welt mehr hergeben.

Nur ein einziger Wermutstropfen trübte die Siegesfeier der Fans und Spieler: Pajovic, der in der Schlussphase wegen einer Hüftverletzung raus musste, hat sich nach Auskunft von Trainer Carstens ("Ich bin sehr stolz auf mein Team. Das war ein hochintensives Spiel, aber man hat deutlich die Willensleistung der Mannschaft gesehen.") doch "ernsthafter verletzt".

Am Rande der Partie drang durch, dass der SCM möglicherweise zu Beginn der Woche eine Neuverpflichtung für den linken Rückraum bekanntgeben könnte. Über Namen oder Vertragsdetails schwieg sich Manager Marc Schmedt aus, "solange noch nicht alles in Sack und Tüten ist". Nach Volksstimme-Informationen soll ein etablierter deutscher Erstliga-Spieler bereits seine Zusage zum 1. Juli 2012 gegeben haben. Es wäre aber auch vorstellbar, dass man den "Wunschkandidaten" bereits zur Rückrunde loseisen kann.

Magdeburg: Eijlers, Gustavsson - Wiegert 5, Rojewski 7, Doborac 1, Musche, Landsberg 1, Pajovic 3, Hornke, Grafenhorst 6, Tönnesen 5/4, Weber 3, Jurecki 4, Carstens.

Lemgo: Lichtlein, Dresrüsse - Johansson 4, Preiß 3, Bechtloff 1, Patrail 2, Theuerkauf 3/2, Kehrmann 2, Strobel 2, Hermann 2, Linniger 4/4, Dietrich 3, Haenen 2, Schneider 1.

Schiedsrichter: Immel (Tönisvorst)/Klein (Ratingen). Zuschauer: 6374. Siebenmeter: SCM 4/4; Lemgo 8/6. Zeitstrafen: 9 - Rot Landsberg 3. Zeitstrafe / 6 - Rot Dietrich 3. Zeitstrafe.