Hannover (dpa). Teresa Enke will keine öffentliche Person sein. Abgeschieden wohnt die Witwe des toten Torwarts mit ihrer Adoptivtochter Leila auf einem umgebauten Bauernhof in Empede. Sie zieht die Anonymität vor, nimmt am öffentlichen Leben in Hannover fast gar nicht teil. "Sie lebt sehr zurückgezogen", sagte Ronald Reng, Autor der Enke-Biografie und Freund der Familie. "Sie hat herausgefunden, dass es ihr besser geht, je weniger über sie in der Öffentlichkeit geredet wird."

Als Vorstandsvorsitzende der Robert-Enke-Stiftung ist sie selten zu sehen. "Um die Enttabuisierung der Krankheit Depression voranzutreiben, bedarf es natürlich auch meiner Auftritte in der Öffentlichkeit. Diese Tatsache ist mir schon bewusst", kommentierte Teresa Enke unmittelbar vor dem ersten Todestag den Zwiespalt, in dem sie sich befindet. "Allerdings muss es dann auch um die Arbeit der Stiftung gehen. Manchmal bekomme ich aber den Eindruck, dass nicht in erster Linie die Arbeit der Stiftung im Vordergrund einer Reportage steht, sondern vielmehr die trauernde Witwe", fügte sie hinzu.

Es ist ein schmerzhafter und mühevoller Weg bei der Suche nach Alltag und einer Form von Normalität. "Es geht ihr nicht besonders gut", berichtete Jörg Neblung, Enkes Freund und Berater. Gegen Werder Bremen war Teresa Enke Ende September das erste Mal wieder bei einem Spiel von Hannover 96 im Stadion, vor ein paar Tagen schaute sie beim internationalen Reitturnier auf dem Messegelände von Hannover zu. Viele Anfragen zu Talk-Show-Auftritten lehnte sie in den vergangenen Monaten ab.

"Es geht auch um Enttabuisierung", erklärte die Frau, die am Tag nach Robert Enkes Tod die Menschen beeindruckt und berührt hat. "Er hatte Angst, dass das rauskommt", hatte sie damals bei einer spontanen Pressekonferenz über die Krankheit berichtet. Und sie hatte diesen Satz gesagt, der alle, die ihn hörten, so tief berührte: "Wir haben gedacht, wir schaffen alles und mit Liebe geht das. Aber man schafft es doch nicht immer."