Am letzten November-Wochenende geht es in die heiße Vorbereitungsphase auf die neue Saison für die Motorsport Arena Oschersleben, dann präsentiert sie ihren Terminkalender für 2011 auf der Motor Show in Essen, wo das Team um Geschäftsführer Thomas Voss traditionell die Termine 2011 auf dem 3,696 Kilometer langen Rundkurs bekannt gibt. Voss hat nicht nur Glanzzeiten in Oschersleben erlebt, 2002 stand die Arena, die einzige privatwirtschaftlich geführte Rennstrecke in Deutschland, vor dem Aus. Der 45-Jährige zog mit Volksstimme-Redakteur Daniel Hübner die Bilanz 2010 und warf einen Blick voraus.

Volksstimme: Herr Voss, Sebastian Vettel ist Formel-1-Weltmeister, haben Sie gefeiert?

Thomas Voss: Ja, natürlich. Das ist eine ganz tolle Leistung. Den Sebastian kennen wir hier schon aus seinen Kart-Zeiten oder der Formel 3. Natürlich verfolgt man solch eine Karriere, auch weil relativ früh klar war, dass der Junge außerordentlich talentiert ist. Man muss das auch für uns als gesamte Branche sehen. Es hat ja nach Michael Schumacher, nachdem er aufgehört hatte, einen Abwärtsschwung in Sachen Motorsport-Akzeptanz und -Interesse gegeben. Beides ist auch durch seine Rückkehr in diesem Jahr wieder gestiegen. Aber der Weltmeister-Titel von Sebastian Vettel setzt da noch einen drauf. Es ist einfach ganz wichtig, dass ein Deutscher wieder gewonnen hat, weil es zeigt, welche gute Arbeit im deutschen Motorsport, in den Verbänden und in den Clubs geleistet wird, ohne dass er sich erst im Ausland seine Sporen verdienen muss.

Volksstimme: In diesem Jahr hießen in Oschersleben die Fahrer Priaulx, Muller, Scheider, Di Resta. Wie fällt Ihre Bilanz für das 14. Betriebsjahr aus, was waren Ihre persönlichen Höhepunkte?

Voss: Um mal mit dem Negativen anzufangen: Wir waren ein bisschen traurig, dass wir die FIA GT nicht hier hatten nach neun Jahren, in denen wir sie durchgeführt haben. Ansonsten fällt das Fazit eigentlich positiv aus. Wir haben alle Großveranstaltungen wie auch in den vergangenen Jahren durchgeführt, das Highlight auf dem motorsportlichen Sektor bleibt einfach die DTM. Zu den Höhepunkten außerhalb des Motorsports gehört auch das Opel-Treffen als zweitgrößte Veranstaltung, die wir hier mittlerweile haben, mit Fun und mit Party.

Volksstimme: Es gab nach der Motorsport Arena noch andere Arenen wie den Lausitzring in Brandenburg, die ins Leben gerufen wurden, aber seither mit finanziellen Problemen schwer zu kämpfen haben. Gehört eine Veranstaltung wie das Opel- Treffen zum geheimen Erfolgsrezept in Oschersleben?

Voss: Nicht mal unbedingt, wir sind ja bis auf das Opel-Treffen in dieser Hinsicht gar nicht so sehr aktiv, haben in diesem Jahr zum dritten Mal hintereinander erst ein Konzert angeboten. Ich denke, es ist eher das Gegenteil: Wir versuchen uns mehr auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, weniger vom Motorsport abzuschweifen. Das Zweite, woran alle kranken und woran anfangs auch wir gekrankt haben, sind die großartigen Investitionen in das Umfeld der Strecke. Da werden Freizeitparks und Tribünen gebaut, was am Ende aber wenig ausgelastet wird. Das haben wir uns gespart, weil diese Investitionen und deren Finanzierung über Banken abgewickelt werden müssen. Und das geben bei keiner der Anlagen in Deutschland die Erlöse aus dem Betrieb her, um die Finanzierung langfristig zu deckeln, damit auch eines Tages wieder Gewinne geschrieben werden. Das war auch unser Problem im Jahr 2002. Das machen wir jetzt besser, weil wir nur die Dinge machen, die wirtschaftlich relevant sind und wo absehbar ist, dass zumindest eine schwarze Null steht. Dazu haben wir auch einiges mit einer Träne im Auge aus dem Programm gestrichen. Ich denke da nur an das 24-Stunden-Rennen bei der German-Speedweek oder an die Superbike-Weltmeisterschaft, beides war wirtschaftlich nicht mehr tragbar. An solch ein WM-Prädikat hängen fünf- bis sechsstellige Beiträge, und man muss sich überlegen, ob man darauf Jahr für Jahr sitzen bleiben möchte.

Volksstimme: ... um am Ende vielleicht die DTM-Läufe zu gefährden. Ist diese Meisterschaft ein Highlight ihres Renommees wegen oder vor allem hinsichtlich der Herausforderung, das Rennwochenende zu organisieren?

Voss: Sowohl als auch: Bei der DTM kommt wirklich alles zusammen: Motorsport, Show, das Engagement der Hersteller, die Stars, die nicht nur auf, sondern auch neben der Strecke dabei sind. Es ist die Herausforderung, über ein dreiviertel Jahr diese Veranstaltung zu organisieren, um sie dann durchzuführen. 2009 waren wir Veranstalter des Jahres, das ist dann schön, wenn diese Leistung, die ja 400 Mitarbeiter an dem Wochenende erbringen, entsprechend honoriert wird. Dass man allerdings innerhalb von vier Wochen Tourenwagen-WM, DTM und ADAC-Masters hat, ist nicht ideal. Aber da ist man eben in der Termingestaltung zu sehr abhängig von den Rennserien. Und die wiederum sind zu sehr abhängig von den Medien. Wenn eine Fußball-WM stattfindet, dann ist es fast sinnlos, eine andere Veranstaltung durchzuziehen, weil man dann nicht die medienwirksame Resonanz erreicht, die man auch den Sponsoren verspricht. Da gehen vier Wochen verloren, und dann ergibt sich solch ein Kalender, wie wir ihn in diesem Jahr hatten.

Volksstimme: Empfinden Sie es als Ritterschlag, nicht nur diese Auszeichnung für die DTM bekommen zu haben, sondern auch der einzige Deutschland-Veranstalter für die WTCC zu sein?

Voss: Ich denke schon, speziell die DTM stellt auch sehr hohe Ansprüche, das beginnt bei der Optik der Strecke, wir haben ein sehr großes nationales und internationales Publikum an den Fernsehern. Da geht es nicht nur darum, die Flagge möglichst schön zu schwenken, sondern es geht darum, über drei Tage die Strecke und die Umgebung vernünftig darzustellen. Denn es zählt das Gesamtbild. Bei der WTCC ist es nicht anders, obwohl sie in Deutschland nicht diese große Aufmerksamkeit hat, was wiederum an der Tradition liegt. Die DTM gibt es inzwischen seit 1982, die WTCC erst seit 2005.

Volksstimme: Wo sehen sie noch Entwicklungspotenzial in Oschersleben?

Voss: Nach der ersten Einsicht der Zahlen, was die Zuschauerresonanz und Wirtschaftlichkeit betrifft, pendeln wir uns auf ein vernünftiges Niveau ein. Ich weiß aber auch, dass noch mehr geht. Zum Beispiel wird die Attraktivität der DTM erhöht, wenn neben Audi und Mercedes ein dritter Hersteller wie BMW 2012 einsteigt. Wir hatten zu der Zeit, als Opel noch dabei war, auch schon mehr verkaufte Tickets. Das Problem beim Motorsport ist, dass die Großveranstaltungen relativ wenig langfristig planbar sind. Ein Beispiel: Wenn Hersteller sagen, bei der WTCC sind sie nicht mehr dabei, dann sind wir das letzte Glied in der Kette und würden darunter leiden, dass es diese Veranstaltung gar nicht mehr gibt. Auf der anderen Seite bekommt man auch Anfragen, andere Veranstaltungen durchzuführen. Was planbar ist, und was wir auch seit Jahren bereits schaffen, ist die volle Auslastung der Strecke unter der Woche mit Testfahrten und Training, sei es Automobil oder Motorrad. Was gut angelaufen ist, sind unsere eigenen Veranstaltungen, ob Kartfahren oder Fahrsicherheitstraining. Man merkt, dass sie über die vergangenen zwei Jahre an Akzeptanz gewonnen haben. Es gibt außerdem die ersten Ideen, wie man die Besucher der Rennen länger zum Verweilen in Oschersleben bewegen kann als nur zu den Rennen.

Volksstimme: Wann sehen wir in Oschersleben Sebastian Vettel in der Formel 1?

Voss (lacht): Bei den derzeitigen Bedingungen, die die Formel 1 stellt, speziell, was das Wirtschaftliche angeht, überhaupt nie. Das hängt einfach zusammen mit Rieseninvestitionen, die nicht refinanzierbar sind, wie Lizenzgebühren. Das geht los im europäischen Grand Prix bei 20 Millionen Euro. Darunter setzt Bernie Ecclestone den Tross erst gar nicht in Bewegung. Es geht weiter über die Infrastruktur, die wir hier gar nicht bieten können. Wenn ich sehe, dass wir dann die doppelte Anzahl an Zuschauern hätten wie bei der DTM, wären wir in dieser Hinsicht überfordert. Aber klar: Die Rennstrecke selbst würde es hergeben.