Mit viel Enthusiasmus und einem langen Atem hat sich der Magdeburger Boxstall SES in den zurückliegenden zehn Jahren von ganz unten in die Champions League des internationalen Faustkampfs hochgearbeitet. Bei der ersten Feuertaufe bei einem großen TV-Sender (Sat.1) Sonnabendnacht in Dresden überzeugten mit Robert Stieglitz und Ramona Kühne zwei Schützlinge von SES-Chef Ulf Steinforth denn auch gleich mit erfolgreichen Titelverteidigungen.

Dresden. Exzellente Werbung in eigener Sache betrieb dabei Weltmeister Robert Stieglitz. Der 29-Jährige, vor zehn Jahren aus dem russischen Eijsk nach Magdeburg gekommen und seit vergangenem Jahr mit deutschem Pass ausgestattet, war bis zu diesem Abend deutschlandweit eigentlich nur Fachleuten bekannt. Weil er eben nicht die geballte PR-Macht eines großen TV-Senders hinter sich hatte und so noch nie Hauptkämpfer eines großen Box-Abends war.

Nun legte er vor 3500 Zuschauern in der Freiberger Arena richtig los. Gegen den Mexikaner Enrique Ornelas verteidigte er seinen Supermittelgewichts-Gürtel des Weltverbandes WBO zum dritten Mal. Und zwar in überzeugender Manier. Da waren sich auch die Punktrichter ausnahmsweise einig: Alle drei werteten 117:111 für Stieglitz; wenngleich ihr Uretil vielleicht ein wenig zu hoch ausfiel.

Der Sieger sah seinen Erfolg später mit einem lachenden und einem weinenden Auge: "Insgesamt denke ich schon, dass ich Ornelas gut im Griff hatte. Nur in der siebten Runde, da habe ich nicht aufgepasst." Da knallte ihm der Mexikaner, der nur auf seine Chance gewartet zu haben schien, prompt schwere Hände um die Ohren, dass dem Betrachter am Seilgeviert Angst und Bange wurde. "Dass der so hart schlägt", räumte der SES-Mann ein, "hätte ich nicht gedacht." Stieglitz rettete sich gerade noch so bis zum Pausengong.

Ähnliche Szenen dann noch einmal im Schlussdurchgang. "Mit einigen Unachtsamkeiten in der Deckung hat er doch seinen Gegner erst stark gemacht", kommentierte Steinforth. Doch er konnte sich auf die gewachsene Routine und vor allem auf die starke Physis seines Schützlings verlassen. Ornelas anerkennend: "Robert ist ein würdiger Weltmeister. Er hat verdient gewonnen, kein Zweifel."

Hellauf begeistert vom Kampf und von Stieglitz war Sänger Peter Maffay. "Toll, der Junge. Doch zweimal ist es für den Weltmeister eng geworden", meinte er. Nach seinem Tournee-Auftritt, der ihn am selben Abend nach Dresden geführt hatte, war der Barde schnurstracks in die Arena geeilt. "Ich interessiere mich sehr fürs Boxen, bin schon früher öfter zu René Weller gegangen", sagte er der Volksstimme vor seiner heutigen Gala in der Bördelandhalle. "Leider komme ich nur zwei, drei Mal im Jahr dazu, live bei Kämpfen dabei zu sein."

Nicht miterlebt hatte er zuvor den souveränen Auftritt von SES-Amazone Ramona Kühne. Gegen die bisher ungeschlagene Bosnierin Irma Balijagic siegte sie in einem technisch gutklassigen Gefecht einstimmig, behielt damit die Gürtel dreier Weltverbände im Superfedergewicht. "Es war zwar schwere Arbeit, aber ich hatte stets das Gefühl, dass ich hier gar nicht verlieren kann", freute sich Kühne. Den Ritterschlag verlieh ihr anschließend Supervisor Jean-Marcel Nartz: "Für mich bist du derzeit die beste deutsche Boxerin."

Die Freude über den rundum gelungenen Abend trübten gestern allerdings ein wenig die TV-Quoten. Nur 2,67 Millionen Zuschauer wollten zu mitter- nächtlicher Stunde auf Sat.1. die Triumphe von Stieglitz und Kühne live miterleben. Das entspricht zwar einer Einschaltquote von 13 Prozent, ob die TV-Macher, die eine Menge Geld und Mühe investiert haben, damit zufrieden sind und es sie zum Weitermachen animiert, das bleibt zumindest offen.

Zufrieden war auf jeden Fall der SES-Chef: "Wir hatten mit 2,5 bis 3 Millionen Zuschauern gerechnet. Liegen also im Limit. Aber ich gebe zu: Es ist noch Luft nach oben." Meinung

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