Appel rudert offiziell nach Tokio

Olympia Nach der dritten Nominierungsrunde des DOSB reisen zehn Athleten aus Sachsen-Anhalt zu den Sommerspielen in Japan

Von Daniel Hübner
Einsteigen bitte! Max Appel hat sich seinen Platz in Tokio offiziell gesichert.
Einsteigen bitte! Max Appel hat sich seinen Platz in Tokio offiziell gesichert. Foto: Detlev Seyb

Magdeburg - Noch in ihrem Zimmer in der Danubius Hotel Arena hat sich Luise Malzahn ans Handy gesetzt und bei „Facebook“ ihr Fazit zu Protokoll gegeben. Quintessenz ihrer Ausführung nach dem siebten Platz bei der Judo-WM in Budapest (Ungarn): „Mein Olympia-Traum von Tokio ist an dieser Stelle zu Ende.“ Und ergänzte: „Aktuell bin ich noch sehr enttäuscht. Aber ich denke, mit der Zeit wird sich zwar nicht die Sache an sich ändern, aber die Bedeutung, die ich ihr gebe, und das lässt mich mit einem Schmunzeln im Gesicht nach vorne blicken.“

So wird es auch ihrer nationale Konkurrentin Anna-Maria Wagner gehen. Die erste deutsche Weltmeisterin seit 1993 hat es in der Gewichtsklasse bis 78 Kilogramm nach Tokio geschafft. Mit ihr, schreibt Malzahn vom SV Halle, hat die Tokio-Mannschaft ein „Eisen im Feuer und deswegen drücke ich Anna fest die Daumen“.

Die 31-Jährige gehört also nicht zur Auswahl des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), der inzwischen 162 Athleten, darunter zehn aus Sachsen-Anhalt inklusive Ersatzmann Nick Klessing vom SV Halle im Turnen. Und darunter wiederum allein sechs Schwimmer vom SC Magdeburg, für die Spiele im Land der aufgehenden Sonne nominiert hat. Dazu gehört indes Max Appel, ebenfalls vom SCM, der in der dritten und jüngsten Nominierungsrunde an erster Stelle bei den Ruderern steht und der zuletzt ganz herzerwärmende Bilder vom Sonnenuntergang über Weissensee in Österreich über die sozialen Kanäle gesendet hat. „Wir haben hier jeden Tag annähernd 30 Grad“, berichtete Appel, „ein super Wetter und ganz glattes Wasser.“

Gestern morgen, so erzählte der 25-Jährige, „haben wir auch unserer erste gute Einheit seit gefühlt sehr langer Zeit absolviert“. Das Ziel in diesem Trainingslager ist es für den Doppelvierer, den Appel als Schlagmann anführt, „Lockerheit und Entspannung in den Schlag zu bekommen und mit weniger Aufwand über die 2000 Meter zu kommen“. Über die olympische Distanz also. Aber des Tempo soll oben bleiben, und muss sogar erhöht werden nach den Erfahrungen der bisherigen Saison. Denn mit den Niederländern, Briten, Italienern und Polen hat sich der Doppelvierer einer harten Konkurrenz zu erwehren in Tokio. Das war allerdings in London 2012 und Rio 2016 nicht anders. Trotzdem war bei beiden Sommerspielen die jeweilige Crew immer zu Gold gerudert.

Gruhn auf WM-Platz 14

An Gold wird Rebecca Gruhn, vormals Berg, nicht denken. Bislang lag die Stendalerin im Kampf um den einzigen Startplatz für Tokio im erstmals ausgetragenen BMX Freestyle Park auch hinter ihrer Konkurrentin Lara Lessmann. Doch die Berlinerin hat sich bei der jüngsten Weltmeisterschaft in Montpellier (Frankreich) nach dem Erreichen der Finalrunde beim Training das Schlüsselbein gebrochen. „Das war nicht mein Tag, aber so ist das Spiel. Die WM ist vorbei, aber meine Ziele und meine Motivation sind ungebrochen“, twitterte sie. Die 19-Jährige wird in der Berliner Charité derzeit behandelt. Gruhn (29), die in Montpellier Rang 14 belegte, wird sich bereithalten für den Fall, dass Lessmann nicht mehr rechtzeitig fit wird für die Spiele.

In Magdeburg wird nun – 35 Tage vor der Eröffnungsfeier – auf die letzte DOSB-Nominierungsrunde am 3. Juli gewartet. Denn nachdem die SCM-Kanuten zum zweiten Mal in Folge die Sprung zu den Olympischen Spielen verpasst haben, sitzt Diskuswerfer David Wrobel längst auf gepackten Koffern, er hat am Dienstag mit 64,08 Metern beim Wettkampf in Kladno (Tschechien) seine Konstanz in dieser Saison nachgewiesen. Derweil kämpft Teamgefährte Martin Wierig um seine Form: Gestern erzielte der 34-Jährige beim Abendsportfest in Neubrandenburg keine 60 Meter, während Henrik Janssen mit 63,50 Metern einen neuen Bestwert markierte. Noch bis zum 29. Juni hat Wierig die Chance, eine Weite vorzulegen, die auch den DOSB von seinem Tokio-Start überzeugt.