Sommerspiele in Tokio

Florian Wellbrock vom SC Magdeburg ist Olympiasieger

Florian Wellbrock vom SC Magdeburg hat mit einer unfassbar starken Leistung die Goldmedaille in Tokio gewonnen.

Von Daniel Hübner
Ganz stark: Florian Wellbrock ist Olympiasieger.
Ganz stark: Florian Wellbrock ist Olympiasieger. Foto: dpa

Magdeburg/Tokio - Zum ersten Mal seit 33 Jahren hat ein deutscher Schwimmer wieder olympisches Gold gewonnen: Florian Wellbrock vom SC Magdeburg hat am Donnerstagmorgen im Odaiba Marine Park von Tokio das Erbe von Uwe Daßler (DDR/400 Meter Freistil) und Michael Groß (BRD/200 Meter Schmetterling) angetreten. Mit einer unfassbar starken Leistung kraulte der Schützling von Trainer Bernd Berkhahn quasi zu einem Start-Ziel-Sieg. In den entscheidenden Momenten, als sich die Konkurrenz kurz anschickte, dem 23-Jährigen Paroli zu bieten, setzte er im Rennen seines Lebens die Spitzen und kämpfte die Gegner in die totale Erschöpfung. Auch Wellbrock war erschöpft, aber ebenso glücklich. Für Wellbrock ist es die zweite Medaille bei den Sommerspielen in Tokio nach Bronze im Becken über 1500 Meter Freistil. Über 800 Meter war er Vierter geworden. „Ein kleiner Dämpfer“, wie er bemerkte, der ihn auch zu dieser Leistung im Freiwasser getrieben hat.

Für den SC Magdeburg war es indes die erste Schwimmmedaille seit dem Dreifach-Bronze von Antje Buschschulte bei den Sommerspielen in Athen 2004. Und das erste Gold seit dem Sieg von Dagmar Hase 1992 in Barcelona. „Das Ziel war es, eine Medaille zu holen. Auf Gold habe ich tatsächlich nicht spekuliert“, sagte Wellbrock. „Aber ich habe schon gemerkt, dass die ersten Runden für mich eigentlich sehr locker waren. Und wenn ich nach hinten geguckt habe, habe ich gesehen, dass die anderen so ein bisschen Probleme hatten“, ließ er sein Rennen Revue passieren. Und so lief es:

1. Runde

Gefühlt war gerade der 26. und letzte Schwimmer ins Wasser des Odaiba Marine Park gesprungen, da war Florian Wellbrock bereits auf Goldkurs. Manche mussten den Begriff der „Spitze“ ganz neu definieren, denn der Magdeburger hatte sich bereits auf den ersten Kilometer einen so großen Vorsprung erarbeitet, weshalb er von Weitem kaum noch zu erkennen war. Marc-Antoine Olivier aus Frankreich, der Vize-Weltmeister, und Kristof Rasovszky aus Ungarn schwammen mit erhöhtem Puls hinterher, die anderen hieten sich noch zurück. Nach der ersten der sieben Runden führte Wellbrock mit einer Durchgangszeit von 15:49,7 Minuten und einem Vorsprung von sechs Sekunden auf Olivier und 13 Sekunden auf Rasovszky. Rob Muffels vom SCM führte auch - im Verfolgerfeld, dessen Rückstand mehr als 20 Sekunden Rückstand betrug.

2. Runde

Die spannenden Fragen: Wie lange hält Wellbrock dieses Tempo durch? Welche Strategie steckt hinter der frühen Flucht nach vorn? Zum Ende der zweiten Runde lag Wellbrock immer noch in Führung. 31:20,5 Minuten betrug seine Durchgangszeit nach 2,87 Kilometer, Olivier (+ 3,5 Sekunden) und Rasovszky (+ 5,9) blieben auf Tuchfühlung.

3. Runde

Das Verfolgerfeld schloss allmählich auf. An der Spitze wechselte die Führung: Olivier ging nach 47:05,7 Minuten als Erster durch, Wellbrock folgte mit 1,6, Rasovszky mit 2,7 Sekunden Rückstand. Während der Magdeburger mit 30 Zügen pro Minuten weiter ganz ruhig durchs Wasser peitschte, benötigten die anderen bis zu 40 Züge.

4. Runde

Das Verfolgerfeld kam auf. Nur Rob Muffels nicht. Zwischenzeitlich fiel der 26-Jährige auf Rang 22 zurück, zwischenzeitlich betrug sein Rückstand eineinhalb Minuten. Vorn hielt ein Kanadier überraschend gut mit: Hau-Li Fan, der auch schon in der Elbehalle sein Training absolviert hat. Wellbrock übernahm indes wieder die Führung. Er ging nach 1:03:00,51 Stunden durch die Zeitnahme. Die Verfolger überließen dem 23-Jährigen die Führungsarbeit.

5. Runde

Ferry Wertman ist der Olympiasieger aus den Niederlanden, aber er kam in seinem Bemühen, zu den ersten Sechs aufzuschließen, nicht voran. Wellbrock dominierte weiterhin das Tempo. Er bestimmte, wer ihm folgen kann. er behrrschte das Feld. Das konnten grundsätzlich eben nur fünf Konkurrenten. Darunter Olivier, Rasovszky und der Italiener Gregorio Paltrinieri, der sich nach zwischenzeitlichem Rückstand von 33 Sekunden zu Beginn in die Spitze vorgearbeitet hatte. Nach 1:18:48,6 Stunden durchschwamm Wellbrock die 7,2-Kilometer-Marke. Muffels folgte mit zwei Minuten Rückstand auf Rang elf.

6. Runde

Es ist nicht mehr die Frage, was Wellbrock kann. Es ist die Frage, was die anderen noch können. Wellbrock brachte den Beinschlag ins Spiel. Nach 1:34:17,6 Stunden nahm er die 8,61-Kilometer-Marke und begab sich auf die letzte Runde. Rasovszky war der Einzige, der noch mithalten konnte mit knapp fünf Sekunden Rückstand. Paltrinieri und Olivier lagen schon 13 und 16 Sekunden hinter dem Magdeburger.

7. und letzte Runde

Es gibt keine Zweifel. Es gab sie von Beginn an nicht. Wellbrock baute seinen Vorsprung Meter für Meter, Sekunde um Sekunde aus. Wellbrock zog einsam seinen Bahn. Der Weltmeister hatte die Ruhe und die Zeit, immer wieder den Blick zurückzuwerfen. Irgendwann hat er in der Ferne nur noch ein paar Spritzer, produziert von wilden Armschlägen, gesehen. Er führte nach 9,49 Kilometer mit 16,3 Sekunden auf Rasovszky und brachte seine Goldrennen entsprechend einsam, aber glücklich ins Ziel. Wellbrock schlug nach 1:48:33,7 Stunden an. Rasovszky folgte mit 25,3 Sekunden auf dem Silberplatz, Paltrinieri gewann mit 27,4 Sekunden Rückstand Bronze. Olivier brach ein und kam als Sechster ins Ziel. Rob Muffels belegte mit 4:29,6 Minuten Rückstand auf seinen Teamgefährten den elften Platz.

Und Florian Wellbrock erklärte nach dem Rennen: „Für mich persönlich ist das mein Sommermärchen.“