Magdeburg l Bernd Berkhahn hat seinen Schützling selbst beim Spaziergang in der Sierra Nevada nicht alleingelassen. Es hätte ja sein können, Rob Muffels würde als Nachwehe seines fiebrigen Infekts ein fieser Kreislaufkollaps überkommen. So schwer hatte es den Schwimmer vom SC Magdeburg im Höhentrainingslager im März in Spanien erwischt. Dabei wollte er sich doch optimal auf das Duell der Duelle im Kampf um das Ticket für die Weltmeisterschaften in Gwangju (Südkorea) im Juli vorbereiten. Stattdessen lief es für Muffels suboptimal.

Er mag aber nicht darüber jammern. Er mag lieber über das Rennen reden, das ihn an diesem Sonntag in Eilat (Israel/7 Uhr MESZ) erwartet. Beim Freiwasser-Europacup im Golf von Akaba entscheidet sich, wer als zweiter Starter nach Muffels’ Teamgefährten Florian Wellbrock zur WM im Juli fährt – und dort zugleich um das Olympia-Ticket für Tokio kämpft. „Ich habe Bock auf das Rennen“, teilt Muffels mit. „Trotz der Umstände bin ich gut darauf vorbereitet.“

Sein Gegner, das ist Andreas Waschburger aus Saarbrücken. Beide haben bei den regulären Qualifikationsrennen in Abu Dhabi (Emirate) und Doha (Katar) jeweils einen sechsten und einen achten Platz belegt. Gleichstand. Aber wenn man die Nominierungsrichtlinien des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) ganz ernst nehmen würde, dann wäre durchaus eine direkte Qualifikation Muffels’ möglich gewesen.

Tempogefühl geholt

Denn zu den Kriterien gehören auch die Vorleistungen der vergangenen beiden Saisons. Und da hat der Magdeburger doch einige Podest- oder Top-Ten-Plätze im Weltcup vorzuweisen – und nicht zuletzt die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft 2018. „Deshalb war ich zunächst relativ unzufrieden, dass es zu diesem Ausschwimmen für die WM kommt“, sagt der 24-Jährige zum einen. Zum anderen betont er „Aber ,Waschi‘ hat in der Qualifikation zwei gute Rennen gemacht, deshalb hat er sich die Chance verdient. Und ich möchte zeigen, dass ich es nicht nötig habe, vom DSV ein Plus zu bekommen, sondern dass ich der bessere Freiwasser-Schwimmer bin.“

Dafür hat er in der Kürze der Zeit seit der Rückkehr aus der Höhe am 17. März auch einiges getan. Muffels und Berkhahn sind nun das Rennen angegangen, als wäre es der Saisonauftakt. So wie vor dem Weltcup in Chun’An (China) im vergangenen September also. Damals wurde Muffels Zweiter.

Dann musste er wieder an Masse zulegen, denn der Virus in Spanien beraubte ihn gleich drei Kilos seines Körpergewichts. „Und da ich diesmal recht leicht ins Trainingslager gereist war, hatte ich diese Kilo auch nicht über“, erklärt Muffels. Also aß er zuletzt zwischen den Einheiten, als der Körper vor allem die Proteine wieder zuließ, die er zuvor rigeros abgewiesen hatte.

Schritt für Schritt ging es somit für Muffels voran, zuletzt holte er sich das Gefühl für Geschwindigkeit, justierte seine Taktik, „um das nötige Resultat zu erzielen“. Er muss einfach vor Waschburger ins Ziel kommen. Und Eilat ist für den 1,87 Meter großen Muffels ein gutes Omen: Bei seinem ersten Weltcup überhaupt im März 2013 wurde er dort Vierter.