Yeosu/Magdeburg l Sie lagen sich kurz in den Armen, sie lächelten kurz um die Wette, sie atmeten kurz, aber heftig durch. Dann griffen Florian Wellbrock und Rob Muffels zur Wasserflasche, fuhren den Puls wieder runter, begaben sich in die Mixed-Zone zu den Journalisten und referierten über ihre ersten Emotionen nach ihren bislang größten Karriereerfolgen.

Wellbrock, 21 Jahre, kraulte am Dienstagmorgen im Yeosu Ocean Park in Südkorea zu seinem ersten Gold bei einer Weltmeisterschaft über die zehn Kilometer im Freiwasser. In 1:47:55,9 Stunden bewältigte er die Distanz, auf der er beinahe die gesamte Zeit das Tempo bestimmte. Der 24-jährige Muffels folgte seinem Clubkameraden vom SC Magdeburg mit nur 1,5 Sekunden Rückstand auf Rang drei. Beide haben damit die Olympia-Tickets zwei und drei für den SCM gesichert, nachdem Finnia Wunram zwei Tage zuvor sich bereits den Traum von Tokio 2020 mit einem achten Platz erfüllt hatte.

Nur der Franzose Marc-Antoine Olivier sprang zwischen den beiden Magdeburgern in einem wahnsinnig intensiven Endspurt zu Silber - mit 0,2 Sekunden Rückstand auf Wellbrock, der selbst wiederum einen perfekten Einstand bei der WM feierte. Glückstränen bei der anschließenden Siegerehrung inklusive. In der kommenden Woche werden für ihn noch die Beckenwettbewerbe über 800 und 1500 Meter Freistil folgen.

Und was kam Florian Wellbrock so in den Sinn auf den abschließenden 1,6 Kilometern? "Auf der letzten Runde habe ich zwischendurch gedacht, das könnte ja mein sechster Sieg in Folge sein ..." Nach drei Weltcup-Erfolgen, einem Europacup-Sieg und einem ersten Platz bei der spanischen Meisterschaft. "Irgendwann muss ja so eine Serie mal reißen", dachte Wellbrock weiter. "Aber sie hielt." 

Eine Rechnung ist für Wellbrock allerdings bereits am Dienstag aufgegangen: "Mein Traum ist es, gemeinsam mit Rob das Olympia-Ticket zu sichern", hatte er schon vor einem Jahr gegenüber der Volksstimme erklärt. Am Dienstag wurde der Traum der Athleten, aber auch des Freiwasser-Bundestrainers Stefan Lurz wahr, der nun tatsächlich mit Wellbrock, Muffels, Wunram und Leonie Beck (Würzburg) gleich vier Schwimmer in Tokio an den Start bringen wird. So viele wie keine Nation je zuvor in der Olympia-Geschichte dieses Wettbewerbs.