Berlin l Die theatralischen Schwalben von Brasilianer Neymar bei der letzten Fußball-WM sorgten für große Aufregung und wurden weltweit auch mit vielen hämischen Videoclips kommentiert. Heute spielt Deutschland bei der Handball-WM gegen Brasilien und hofft, dass die Foulschinder-DNA nicht sportartenübergreifend ist.

Hendrik Pekeler: „Die Schiedsrichter sind ja angewiesen, auch schon bei kleinen Fouls einzugreifen. Das muss für uns gegen Brasilien aber nicht unbedingt ein Vorteil sein. Denn die haben nun einmal auch eine gewisse Theatralik im Blut. Deshalb hoffe ich, dass sie wirklich nur dann fallen, wenn sie einen Grund dafür haben und nicht wie Neymar bei der Fußball-WM.“

Harter Körperkontakt

Doch so gerne die Südamerikaner in der Offensive vielleicht schinden, in der Defensive teilen sie definitiv selbst aus. Torwart Andreas Wolff warnt jedenfalls: „Die Koreaner haben schon ganz gut zugelangt. Aber gegen Brasilien werden wir noch mehr auf die Fresse kriegen.“ Auch Bundestrainer Christian Prokop ahnt: „Das wird ein ganz anderes Kaliber. Die Brasilianer spielen eher unorthodox, sind physisch sehr stark, aggressiv in der Abwehr und agieren dabei auch gerne mit kleinen Nickeligkeiten.“

Auch Matthias Musche rechnet ebenfalls mit viel größerem und härterem Körperkontakt. „Ich gehe von einem absoluten Kampfspiel aus, in dem uns die Zuschauer ganz gewiss wieder so pushen wie im ersten Spiel.“

Gnadenlos durch die WM

Ein Kampfspiel braucht natürlich konsequente Schiedsrichter. Und die sind bei dieser WM bisher besonders konsequent. Nach Order des Weltverbandes IHF soll gnadenloser als bisher durchgegriffen werden. Und so hatte es das dänische Schiri-Duo Martin Gjeding und Mads Hansen im Eröffnungsspiel auch bereits gehandhabt. Nach 13  Minuten hatten sie vier Zeitstrafen und eine Rote Karte verteilt. Am Ende waren es sogar elf Zeitstrafen. Und das in einem Spiel, das wahrlich nicht sonderlich hart war. Da wird es bei der WM noch ganz anders zur Sache gehen.

Aber die Weltschiedsrichter von 2017 setzten nur die neue Linie der IHF konsequent um und schritten schon bei den kleinsten Schubsereien ein. IHF-Schiedsrichter-Chef Ramon Gallego hat die Unparteiischen angewiesen, konsequenter durchzugreifen, damit es künftig weniger Unterbrechungen und mehr Spielfluss gibt. All das soll den Handball noch attraktiver machen.

Von der neuen harten Linie wurden auch alle Teams vor dem Turnier informiert. Bundestrainer Christian Prokop bestätigt: „Wir haben im Vorfeld ein Briefing erhalten. Da gibt es jetzt verschiedene Dinge, auf die man sich neu einstellen muss. Beispielsweise wird das Verhalten am Kreis strenger überwacht. Auch beim Zeitspiel sollen die Schiedsrichter konsequenter eingreifen. Und aufpassen muss man auch bei den Auszeiten. Wenn man den Buzzer zu spät drückt und der Gegner schon den Ball hat, dann riskiert man zwei Minuten und hat die Auszeit auch verloren.“

Extrem kleinlich

Überrascht von der harten Linie waren die Spieler trotzdem. Paul Drux: „Das war schon wesentlich kleinlicher, als wir es aus der Bundesliga gewohnt sind. Aber jetzt wissen wir es ja und können uns darauf einstellen.“ Und Pekeler erklärt, was das konkret bedeutet. „Mit langen Armen muss man sehr aufpassen. Alles, was nach einem Stoßen aussieht, wird mit zwei Minuten bestraft. Extrem kleinlich wird auch das Klammern gepfiffen, um die Kreisläufer besser zu schützen. Und was in Richtung Kopf passiert, da gibt es, wie wir gesehen haben, auch ganz schnell Rot“, erläutert der Kieler und hofft, dass sich diese strenge Regelauslegung im Verlauf des Turniers ein bisschen geben wird. Pekeler: „Und wichtig ist auch, dass die Schiedsrichter nicht auf Schwalben reinfallen.“

Über die Strafzeiten soll das zweite Gruppenspiel natürlich nicht entschieden werden. „Wenn wir als Torhüter im Verbund mit der Abwehr unsere Leistung bringen, dann muss uns nicht bange sein“, verspricht Silvio Heinevetter. Dadurch erhofft sich das deutsche Team auch die nötigen Tempogegenstöße. Prokop: „Der eine oder andere Brasilianer ist ja nicht so ehrgeizig im Rückzug.“ Und hoffentlich auch nicht im Fallen.